Weltkrebstag am 4. Februar 2020

Ohne moderne Pathologie keine personalisierte Krebstherapie

Anlässlich des Weltkrebstages weist die Österreichische Gesellschaft für Klinische Pathologie und Molekularpathologie (ÖGPath/IAP Austria) auf den Beitrag der Pathologie in der Bekämpfung von Krebs hin und warnt, dass ohne eine ausreichende Anzahl gut ausgebildeter Pathologen die derzeit exzellente Versorgung von Krebspatienten in Österreich gefährdet ist.

Basis sämtlicher moderner Therapiekonzepte: Die moderne Pathologie stellt die Basis sämtlicher moderner Therapiekonzepte dar. „Heute können wir dank Next Generation Sequencing eine komplette molekulare Analyse des Tumorgenoms vornehmen und somit das potentielle therapeutische Spektrum wesentlich erweitern“, sagt Univ.-Prof. Dr. Gerald Höfler. Das Ziel all dieser Bemühungen ist, dass die Patienten genau jene Therapie bekommen, die für „ihren“ Tumor am besten „passt“.

Biomarker – das Um und Auf: Zur Bedeutung der Pathologie für die modernen Behandlungsstrategien ergänzt Primaria Dr. Christa Freibauer, dass durch die Bestimmung von Biomarkern der maßgeschneiderte Therapiemix eruiert werden kann: „Die Bestimmung der Biomarker eines Tumors ist daher das Um und Auf der personalisierten Medizin.“

Abfederung des Ärztemangels: In den letzten Jahren hat der allgemeine Ärztemangel auch vor der Pathologie nicht haltgemacht. Laut Primarius Univ.-Prof. Dr. Martin Klimpfinger ist sich die Fachgesellschaft ihrer Verantwortung den Patienten gegenüber bewusst: „Wir bemühen uns daher seit mehreren Jahren intensiv, dieser Entwicklung gegenzusteuern.“ Dazu wurden zwei Programme ins Leben gerufen.
Das Professional Productive Aging Programme soll v. a. den durch die in den nächsten Jahren bevorstehende Pensionierungswelle entstehenden Pathologen- Mangel abfedern. Pathologen sollen nach ihrer Pensionierung befristete Konsiliarverträge mit den jeweiligen Krankenhausträgern auf 2–5 Jahre abschließen können. Dabei ist v. a. an 20-Stunden- Verträge gedacht, die einerseits bestimmte Spezialbereiche der Diagnostik abdecken und andererseits die Ausbildung junger Kollegen mit entsprechenden Spezialkenntnissen ermöglichen sollen. Diese Maßnahme wurde bereits an mehreren Standorten erfolgreich eingesetzt. Mit der Pathology Future Academy (PFA) wurde von der ÖGPath/IAP Austria ein Fortbildungsinstrument mit dem Ziel etabliert, die Facharztausbildung zu begleiten und auf die spätere berufliche Tätigkeit vorzubereiten.
„Nichtsdestotrotz ist eine Erhöhung der Zahl der Studienplätze für Mediziner und Medizinerinnen in Österreich unabdingbar, um die progressive Entwicklung eines sich zunehmend verschärfenden Ärztemangels à la longue erfolgreich zu bekämpfen“, appelliert Professor Klimpfinger.

AutorIn: Univ.-Prof. Dr. Gerald Höfler

Diagnostik- und Forschungs-Institut für Pathologie der Medizinischen Universität Graz und Past Präsident der ÖGPath/IAP Austria


AutorIn: Prim. Dr. Christa Freibauer

Präsidentin der ÖGPath/IAP Austria, Institut für Klinische Pathologie und Molekularpatho­logie im Landesklinikum Mistelbach-Gänserndorf


AutorIn: Prim. Univ.-Prof. Dr. Martin Klimpfinger

Vorstandsmitglied der ÖGPath/IAP Austria und Leiter des Pathologisch-bakteriologischen Instituts im Kaiser-Franz-Josef-Spital, Wien


SO 01|2020

Herausgeber: Univ.-Prof. Dr. Matthias Preusser, Univ.-Prof. Dr. Markus Raderer
Publikationsdatum: 2020-02-25