SP 02|2012

Herausgeber: Univ.-Prof. Dr. Michael Musalek

Editorial

  • Rechnerisches und ästhetisches Denken

    Als Menschen sind wir zu unterschiedlichen Weltzugängen fähig. Dieser Umstand führt bei manchen – und gar nicht so selten auch in der Medizin – zu Verunsicherungen, die in der kaum zu beantwortenden Frage kulminieren, welcher Weltzugang nun der richtige sei: ein physikalisch-chemischer, ein somatologisch-biologischer, ein historisch-narrativer, ein tiefenpsychologischer, oder aber ein psycho-sozialer oder ein ästhetisch-humanistischer etc. Andere wiederum sehen gerade in der Pluralität der Weltzugänge einen wesentlichen Vorteil, stellt sie doch eine enorme Bereicherung im persönlichen wie auch allgemeinen Weltverständnis dar und bietet uns darüber hinaus auch die Chance, mit dem uns in und von der Natur Gegebenem zielführender und nachhaltiger umzugehen, vor allem dann, wenn wir auf vorurteilsgeladene Einschränkungen, die eine Weltsichtweise wäre besser als die andere, verzichten und die verschiedenen Welt(ein)sichten zu einem Gesamtbild integrieren lernen.

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Focus: Substanzungebundene Süchte

  • Neurobiologie der Sucht und Brain-Imaging

    Aktuelle neurobiologische Untersuchungen zu den auslösenden und aufrechterhaltenden Faktoren von Suchterkrankungen verweisen auf Veränderungen in verschiedenen Neurotransmittersystemen, im Besonderen im dopaminergen, so genannten „Belohnungssystem“ des Gehirns. Insgesamt ist sowohl bei substanzgebundenen wie auch -ungebundenen Süchten von einer neuronalen Dysfunktion in der Belohnungserwartung und -verarbeitung auszugehen. Dies weist auf mögliche nosologieübergreifende Krankheitskonzepte hin.

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  • Internet- und Computerspielsucht: Ätiologische Aspekte, Diagnostik und Therapie

    Internetsucht stellt einen Sammelbegriff dar, der eine Vielzahl von suchtartig genutzten Onlineaktivitäten bündelt. Neben der Computerspielsucht als häufigster Variante hat in letzter Zeit auch die suchtartige Nutzung von sozialen Netzwerken stärkere Verbreitung gefunden. Internetsucht wird zunehmend im Sinne einer substanzungebundenen Abhängigkeitserkrankung (Verhaltenssucht) verstanden. Dementsprechend spiegeln die aktuellen Vorschläge zur Diagnostik die bekannten Kernkriterien von Abhängigkeitserkrankungen wider. Unter der Bezeichnung „Internet Use Disorder“ soll die Internetsucht im DSM-V als Forschungsdiagnose aufgenommen werden.

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  • Spielsucht – was macht süchtig?

    Spielen wird assoziiert mit Spaß, Freude und Anregung, dient der Entspannung, findet in unterschiedlichen sozialen Kontexten statt und ist als solches nicht als problematisch anzusehen, da es unter anderem für den Erwerb individueller und sozialer Kompetenzen relevant ist und kognitive Fähigkeiten fördert. Ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines problematischen oder pathologischen Spielens stellen insbesondere Glücksspiele dar, die mit realitätsfremden Erwartungen an Geldgewinne, Phantasien über Macht, Ansehen und magischen Vorstellungen verknüpft sind und dadurch das Verhalten „süchtig entgleisen“ kann.

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  • Diagnostik und Differenzialdiagnostik der Glücksspielsucht

    Nur etwa 10 % der von der Glücksspielsucht Betroffenen suchen primär wegen dieser Erkrankung Hilfe auf. Hinter mancher schwer zu behandelnden Depression oder Angststörung kann sich eine Spielsucht verbergen, die durch die enormen finanziellen oder familiären Belastungen einen wichtigen Stressfaktor darstellt. Da die Spielsucht in der Regel verheimlicht wird, ist sie in solchen Fällen eine schwierige diagnostische Herausforderung.

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  • Therapie der Spielsucht

    Die Spielsucht ist eine hochkomplexe psychische Störung, die ein individuelles und spezifisches Behandlungsprogramm erfordert. Von besonderer Bedeutung ist es, hier einen Schwerpunkt auf ressourcenorientierte Behandlungsmethoden zu legen. Unterschiedliche Module sollen zu einer Neu- und Wiederentdeckung der eigenen Lebenskräfte beitragen, um später der Verlockung des Glücksspiels gefestigter entgegentreten zu können.

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  • Ursachen, Diagnostik und Therapie der Kaufsucht

    Wir unterliegen häufig dem Irrtum, die Kaufsucht sei ein Phänomen neuer Zeiten, dabei müssen wir nur rund 100 Jahre zurückblicken, nämlich ins Jahr 1909, um auf die Erstdefinition des deutschen Psychiaters Emil Kraepelin zu stoßen: „… die krankhafte Kauflust, die den Kranken veranlasst, sobald sich ihm dazu Gelegenheit bietet, ohne jedes wirkliche Bedürfnis in großen Mengen einzukaufen, Hunderte von Halsbinden oder Handschuhen, Dutzende von Anzügen, Hüten, Überröcken, Schmuck­sachen, Spazierstöcken und Uhren“. Eine zweite Fehleinschätzung ist, dass vor allem das unkontrollierte Geldausgeben im Zentrum der Störung steht, denn wirklich wichtig ist, wesentliche psychiatrische Auffälligkeiten im Kontext dieser Störung zu erfassen.

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  • Arbeitssucht – ein Phänomen unserer Zeit?

    Das heutige Leistungsparadigma soll den Einzelnen zu noch höherer Effizienz und zur Maximierung des erzielten Erfolgs führen. Ist Arbeitssucht also eine Folge der Ausuferung unserer Leistungsgesellschaft? Prim. Univ.-Prof. Dr. Michael Musalek, Ärztlicher Direktor des Anton-Proksch-Instituts Wien, spricht im Interview über Ursachen, Bedingungen und Folgen von Arbeitssucht.

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Focus: Sucht als Komorbidität

  • Substanzbedingte Störungen als Komorbidität psychischer Erkrankungen

    Komorbidität von substanz­bezogenen Störungen mit anderen psychiatrischen Erkrankungen ist aufgrund ihrer Häufigkeit eher die Regel als die Ausnahme und meist mit einer Verschlechterung der Prognose im gesamten Krankheitsverlauf verbunden. Beim Management der Komorbidität sollten alle vorhandenen Störungen gleichzeitig und ihrer jeweiligen Akuität entsprechend behandelt werden.

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  • Bipolar affektive Störungen und Alkoholkonsumstörungen

    Alkohol- und Substanzmittelkonsumstörungen, wie Abhängigkeit und schädlicher Konsum, zählen zu den häufigsten komorbiden Krankheitsbildern bei bipolaren Patienten. Diese komorbiden Störungen haben jeweils wechselseitig einen signifikanten Einfluss auf die Schwere und die Prognose der jeweils anderen Erkrankung. In dieser Übersicht werden neben den klinischen Konsequenzen der gleichzeitig bestehenden bipolar affektiven Störung (BAS) und einer Alkoholkonsumstörung (AUD) auch der aktuelle Stand zur Therapieforschung dieser komorbiden Konstellation berichtet.

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Kongress

  • ÖGPP 2012: Schlaf, Traum und Kultur

    Die wissenschaftliche Beschäftigung mit Schlaf und Traum steht am Schnittpunkt zwischen Biologie, Psychologie und Kulturwissenschaften. Kulturelle Skripte geben dabei vor, wie der Schlaf in die gesellschaftlichen und ökologischen Umweltbedingungen eingepasst wird und welche Bedeutung Träume für den Einzelnen und die Gemeinschaft haben können.

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  • ÖGPP 2012: Interdisziplinäre Aspekte bei Diabetes mellitus aus psychiatrischer Perspektive

    Einerseits haben Menschen mit psychischen Krankheiten gegenüber der Normalbevölkerung ein zumindest 2-fach erhöhtes Risiko, zusätzlich an Diabetes mellitus (DM) zu erkranken1–3, auf der anderen Seite ist die Lebenszeitprävalenz für die Entwicklung einer Depression bei Diabetikern fast doppelt so hoch wie bei Nichtdiabetikern4–6. Auch für das Thema der Therapieadhärenz bei Patienten mit DM spielen psychische Faktoren eine erhebliche Rolle – also genügend Gründe, um sich auch vonseiten der Psychiatrie mit den Wechselwirkungen zwischen Diabetes und Psyche zu beschäftigen.

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  • Substitutionsforum 2012: Drogengebrauch, Lust und Verlangen aus interdisziplinärer Sicht

    Das Substitutionsforum hat sich als wichtiger nationaler Suchtkongress etabliert und wurde heuer bereits zum 15. Mal abgehalten. Zweihundert Teilnehmer bekamen ein interessantes Programm und hochkarätige Referenten sowie Gelegenheit zum fachlichen Austausch geboten.

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Für die Praxis

Panorama