ESC Young Community: Welche Möglichkeiten bieten sich für junge Kardiologen?

Junge Kardiologen aus Frankreich führten 2009 am ESC-Kongress in Barcelona eine Umfrage durch, um herauszufinden, ob es in Europa professionelle Organisationen für den kardiologischen Nachwuchs gibt. Die Umfrage ergab, dass kaum Strukturen für junge Kardiologen vorhanden waren. Aus diesem Grund entschied sich die Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC) 2010, eine neue internationale Initiative ins Leben zu rufen. Das war die Geburtsstunde der „Cardiologists of Tomorrow“ (CoT).
Unter der Schirmherrschaft der ESC wurde ein internationaler Nukleus aus jungen, motivierten Kardiologen (< 35 Jahre bzw. in Ausbildung) gewählt. Unterstützt wird der CoT Nucleus von 37 nationalen CoT-Gruppen und kardiologischen Gesellschaften quer durch Europa. Das Ziel dieser Initiative ist es, in möglichst vielen europäischen Ländern eine Plattform für junge Kardiologen zu schaffen, um eine nationale und internationale Netzwerkbildung zu fördern. Der wissenschaftliche und auch klinische Austausch europäischer Jungkardiologen, die Optimierung der Ausbildung und länderübergreifende Kooperationen sind weitere Schwerpunkte dieser Initiative. 2012 wurde auch in Österreich eine CoT-Gruppe konstituiert. Die Österreichische Kardiologische Gesellschaft (ÖKG) etablierte im feierlichen Rahmen der Jahrestagung in Salzburg „Cardiologists of Tomorrow Austria“ (CoT Austria) als offizielle Arbeitsgruppe der ÖKG.1–3 Um den spezifischen Ausbildungskonzepten und Anforderungen der verschiedenen kardiologischen Fachdisziplinen gerecht zu werden, wurden von den ESC Subspecialties und Working Groups immer mehr Young Community Groups etabliert. Mittlerweile gibt es 11 verschieden ESC Young Community Groups (Tab.).

ESC-Kongress – nicht ohne CoTs

Der jährliche ESC-Kongress ist zweifelsohne eines der Hauptereignisse für Kardiologen und Forscher weltweit. Um den Kongress für junge Kardiologen noch attraktiver zu machen, wird der ESC CoT Nucleus (Abb. 1) nun schon seit Jahren in das ESC-Kongress-Programmkomitee involviert, und es werden 25 Gratis-Registrierungen für CoTs pro Land vergeben. Des Weiteren wurden heuer 200 Congress Educational Grants (freie Registrierung + 850 Euro Reisekostenzuschuss) für den ESC-Kongress in München vergeben.
Der „Cardiologists of Tomorrow Track“ ist der zentrale Programmpunkt für junge Kardiologen am ESC-Kongress. In diesem Track werden Fokus und Themen wissenschaftlicher Sitzungen speziell auf den kardiologischen Nachwuchs abgestimmt. Die CoT Sessions sind extrem populär und zählen zu den bestbesuchten Sessions des Kongresses. Die „CoT Clinical Case Competition“ ist ein weiteres Highlight für Kardiologen unter 36 Jahre. Jedes Jahr werden über 500 klinische Fälle eingereicht, woraus der beste Fall in einer Award-Session gekürt und weitere exzellente Fälle in insgesamt 7 clinical case sessions präsentiert werden. Für den Gewinner gibt es 2.000 Euro, die weiteren Finalisten erhalten jeweils 1.000 Euro.
Neben dem wissenschaftlichen Schwerpunkt fördert die ESC vor allem individuelle Karriereentwicklungen mit diversen Special Events. „ESC Professional Horizons“ fand heuer zum zweiten Mal statt. In einem 20-minütigen, persönlichen Gespräch in ruhiger und entspannter Atmosphäre haben junge Kollegen die Möglichkeit, Karriere-Tipps von internationalen Experten zu bekommen. Ebenfalls heuer zum ersten Mal gab es das „World Café“ (Abb. 2). Bei diesem Event konnte man sich zu 5 verschiedenen Themen (Social Media, Modern Communication, Stress in Practice, Women in Cardiology und Digital Health) mit jungen ESC Key Opinion Leaders austauschen und neue Kontakte knüpfen. Eine großartige Möglichkeit bot sich auch beim Inaugural Networking Event, in dem das „ESC Presidential Trio“ Jeroen Bax (Past-President), Barbara Casadei (President) und Stephan Achenbach (President-Elect) zum Gespräch und für Fotos zu Verfügung standen. Großen Zuspruch fand auch das „Young Networking Event“, das in der Professional Members Lounge“ stattfand. Musik, Fingerfood und Getränke sorgten für eine gemütliche Atmosphäre. Zum allerersten Mal wurde heuer auch ein ESC Young Event außerhalb des Kongress Centers veranstaltet: Über 100 junge Kardiologen trafen sich am Montagabend in einer gemütlichen Lounge in München, um sich abseits des Kongresses auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen.
Die „Virtual Cases Area“ in der Professional Members’ Lounge war auch dieses Jahr wieder ein Treffpunkt für viele interessierte Kongressbesucher. An einem digitalen Patientensimulator konnte man sein Wissen anhand reeller klinischer Szenarien und Fälle überprüfen. Premiere feierte die „National Virtual Case Competition“ zwischen jungen europäischen CoT-Teams. Das Team aus Italien setzte sich gegen das stark besetze Feld aus 13 anderen Ländern durch und gewann Gratis-Registrierungen für einen beliebigen ESC-Kongress. Neu bei diesem Kongress war auch der „Breakfast Buzz“, der die Gelegenheit bot, mit internationalen Experten die neuesten Studienergebnisse bei einer Tasse Kaffee zu diskutieren. Des Weiteren sind die Young Communities stark in die „Social Media (SoMe)“-Offensive der ESC involviert und maßgeblich am Erfolg beteiligt.

Resümee

Die ESC blickt nun schon auf 8 sehr erfolgreiche Jahre seit der Gründung der ESC-CoT-Initiative zurück. Was klein und überschaubar begann, entwickelte sich zu einer riesigen, globalen Initiative, die von jungen motivierten Kardiologinnen und Kardiologen weltweit getragen wird. Mitglied einer Young Community zu sein zahlt sich auf jeden Fall aus, da man nicht nur von unzähligen Möglichkeiten, Angeboten, Vergünstigungen und Vorteilen profitiert, sondern auch Teil einer aufstrebenden, jungen und motivierten Generation ist.
Bei Interesse findet man auf der ESC Website (www.escardio.org/The-ESC/ESC-Young-Community) nähere Informationen über CoT und zur Anmeldung.

 

 

1 Ablasser K et al., Eur Heart J 2016; 37:3556–7
2 Rubini MG, Eur Heart J 2016; 37:3366–8
3 Vidal-Pérez R et al., Eur Heart J 2015; 36:833–4
AutorIn: Dr. Dr. Markus Wallner, FHFA

Klinische Abteilung für Kardiologie,Universitätsklinik für Innere Medizin,Medizinische Universität Graz,Cardiovascular Research Center,Lewis Katz School of Medicine, Temple University, USA


AutorIn: Dr. Ewald Kolesnik

Klinische Abteilung für Kardiologie,Universitätsklinik für Innere Medizin, Medizinische Universität Graz


UIM 08|2018 Themenheft ESC

Herausgeber: o. Univ.-Prof. Dr. Günter J. Krejs