Pulmonale Zirkulation und Rechtsventrikelfunktion

Die nachstehenden Berichte wurden am ESC-Kongress München präsentiert und stellen ausgewählte Beispiele hervorragender neuer klinischer und experimenteller Forschung dar.

Pulmonalembolie

Bei Patienten mit Pulmonalembolie, die lysiert wurden, war die In-Hospital-Mortalität durch zwei von drei Risikofaktoren bestimmt: weibliches Geschlecht, Anämie und/oder Synkope. Karl-Patrik Kresoja vom Charité Campus Virchow-Klinikum, Berlin, und Gewinner des Young Investigator Award (YIA) Thrombosis, zeigte an 555 lysierten Patienten aus 12 Kohortenstudien in Frankreich, Polen, Spanien, Italien und Deutschland, dass in dieser europäischen „realworld“ Population die Prävalenz von Risikofaktoren für signifikante Blutung und deren prognostische Auswirkung zwischen hämodynamisch instabilen und normotensiven Patienten unterschiedlich war. Für Thrombolyse bei normotensiven Patienten mit Pulmonalembolie (PE) wird das Blutungsrisiko bestimmt von weiblichem Geschlecht, Anämie und/oder Synkope (Abb. 1).

 

 

Ein neuer Risikoscore zur Voraussage von Tod und/oder Thrombolyse innerhalb von 30 Tagen nach Pulmonalembolie wurde validiert. Pedro Freitas vom Hospital de Santa Cruz, Cardiology, Lissabon, Portugal untersuchte den SHIeLD Score (Tab.) in 554 normotensiven Patienten mit akuter PE und fand ihn dem ESC-Risiko­score überlegen (Abb. 2).

 

 

 

Bei hospitalisierten Patienten reduzierte Rivaroxaban den sekundären Endpunkt symptomatischer venöser Thromboembolismus (VTE) und nichttödliche Pulmonalembolie, nicht aber VTE-assoziierten Tod innerhalb 45 Tagen, ohne dabei das Blutungsrisiko signifikant zu erhöhen (MARINER). Die MARINER-Studie, präsentiert von Alex C. Spyropoulos, untersuchte die Effektivität (Verhinderung symptomatischer VTE, nichttödliche PE und VTE-assoziierter Tod) und Sicherheit (ISTH signifikante Blutung) von 10 mg (Kreatinin-Clearance ≥ = 50 ml/min) oder 7,5 mg (Kreatinin-Clearance 30 bis < 50ml/min) QD Rivaroxaban, im Vergleich zu Placebo, in 12.000 hospitalisierten zumeist polymorbiden Patienten. Die Daten zeigen, dass der primäre Endpunkt nicht signifikant beeinflusst, VTE-assoziierter Tod innerhalb 45 Tagen nicht reduziert, aber symptomatische VTE (56 %) und symptomatische VTE plus Tod aus jeder Ursache um 27 % vermindert wurden. Das Blutungsrisiko war dabei gering (0,28 %).

Lungenhochdruck

In einem Großtiermodell chronischer postkapillärer Lungenhochdruckerkrankung war pulmonal arterielle Denervation (PADN) mit bipolaren Radiofrequenz-Klemmen nicht effektiv. Inés Garcia-Lunar vom Centro Nacional de Investigaciones Cardiovasculares, CNIC Carlos III, Madrid, prüfte in einem Schweinemodell mit chronischem postkapillären Lungenhochdruck den Effekt von pulmonaler Radiofrequenz-Ablation. Sie fand keinen Effekt auf die Hämodynamik, aber einen negativen Effekt auf biventrikuläres Remodeling. Perkutane PADN führte nur zu fokaler Denervierung. Diese Arbeit ist im Einklang mit rezenten Serien, die experimentell und in klinischen Studien nicht mit positiven Effekten der PADN überzeugen konnten. Ein Effekt bei chronisch postkapillärer Lungenhochdruckerkrankung ist immer noch ein großes „Unmet Need“.

Phenomapping resultierte in einer Klassifikation von Lungenhochdruck, welche von der publizierten Klassifikation der ESC/ERS Guidelines abweicht. Das Ziel der Arbeit von P. Guignant von der Universitätsklinik Rouen war es, Lungenhochdruck phänotypisch zu charakterisieren. Detaillierte klinische, biochemische, bildgebende, hämodynamische und funktionelle Parameter wurden statistisch zu 25 Phänotypen subsummiert, aus denen sich 3 Phänogruppen segregierten. Von diesen Gruppen erwies sich jene mit männlichen Patienten, prädominanter Lungenerkrankung, kardiovaskulären Risikofaktoren und Nierenerkrankung als prognostisch besonders ungünstig. Die Arbeit zeigt, dass komorbider Lungenhochdruck häufig ist und sich stark von dem Phänotyp der Gruppe 1 PAH-Patienten unterscheidet.

Die ESC-Risikokriterien zur Voraussage von Mortalität bei pulmonal-arterieller Hypertension (PAH) wurden in vier großen europäischen PAH-Datenbanken validiert. Risikostratifizierung ist die Basis für die Verschreibung teurer und zum Teil komplexer Lungenhochdrucktherapien. Rezent prüften vier unterschiedliche europäische Datenbanken (Swedish, COMPERA, French, Bologna) die Vorhersagekraft des ESC-Algorithmus, und stellten die Bedeutung des 6-Minuten-Gehtests, NYHA-Stadiums und proBNP in das Zentrum eines multivariaten Datenalgorithmus.

 

Literatur bei der Verfasserin
AutorIn: Univ.-Prof. Dr. Irene Lang

Klinische Abteilung für Kardiologie,Universitätsklinik für Innere Medizin II, Medizinische Universität Wien


UIM 08|2018 Themenheft ESC

Herausgeber: o. Univ.-Prof. Dr. Günter J. Krejs