Standardtherapie undinnovative Ansätze

Rund 500 Millionen Menschen weltweit sind von der allergischen Rhinitis (AR) betroffen. Die Erkrankung hat ihren Ursprung meist im Kindesalter, in dem sie jedoch häufig unterdiagnostiziert und -therapiert bleibt. Neben somatischen Komorbiditäten wie Asthma, chronischer Sinusitis und Konjunktivitis erhöht die mentale Belastung durch die AR auch das Risiko für Angststörungen und Depressionen. Um die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern und das Gesundheitssystem zu entlasten– laut einer niederländischen Studie kostet jede:r AR-Patient:in jährlich beinahe 5.000Euro –, braucht es wirksame Therapien.

Goldstandard

Die Standardtherapie der AR bleibt weiterhin die Allergen-Immuntherapie (AIT). Als einzige kausale Behandlung setzt sie an der Ursache an, anstatt nur Symptome zu lindern: Durch wiederholte Allergenzufuhr wird eine immunologische Toleranz aufgebaut und der Etagenwechsel von den oberen in die unteren Atemwege bis hin zum Asthma verhindert. Die AIT ist subkutan (SCIT) oder sublingual (SLIT) verfügbar und wird in der Regel über 3 bis 5 Jahre durchgeführt.

Pharmakotherapie

Die medikamentöse Therapie beruht auf H1-Antihistaminika der zweiten Generation und Kortikosteroiden. Intranasale Kortikosteroide (INCS) erzielen bei moderaten bis schweren Symptomen den stärksten klinischen Effekt im nasalen Bereich. Dieser kann weiter optimiert werden, indem die Therapie bereits einige Tage vor Beginn der Pollensaison prophylaktisch begonnen wird. H1-Antihistaminika der zweiten Generation gelten aufgrund ihrer Wirksamkeit und ihres günstigen Sicherheitsprofils als First-Line-Option. Die intranasale Gabe hat sich durch den schnellen Wirkungseintritt besonders in Akutfällen bewährt und wird oft mit INCS kombiniert. Orale Präparate eignen sich hingegen gut zur Behandlung leichterer Verläufe.

Nanopartikel

Zur Ergänzung der derzeitigen Behandlungsmöglichkeiten wird unter anderem an Nanopartikeln als Arzneimittelträger geforscht. Wang et al. geben in einem aktuellen Übersichtsartikel einen umfassenden Überblick über 2 grundlegende Strategien: Beim passiven Targeting nutzen Nanopartikel ihre physikochemischen Eigenschaften, wie Partikelgröße und Oberflächenladung, um Wirkstoffe gezielt ins Nasengewebe zu transportieren. Aktives Targeting erweitert diesen Ansatz durch spezifische Zielmoleküle auf der Nanopartikeloberfläche, die gezielt an Immunzellen wie dendritischen Zellen, Mastzellen oder eosinophilen Granulozyten andocken. Als Wirkstoffe kommen dabei nicht nur klassische AR-Medikamente wie Glukokortikoide und Antihistaminika zum Einsatz, sondern auch pflanzliche Extrakte, Allergenformulierungen zur nasalen Immuntherapie und miRNA-basierte Ansätze. Offene Fragen betreffen die großtechnische Herstellung, die kontrollierte Wirkstofffreisetzung und die klinische Sicherheitsbewertung.