Rund 100 Millionen Menschen reisen jährlich in tropische und subtropische Regionen. 43–79 % erkranken während oder kurz nach der Reise. Die Gesamtmortalität reiseassoziierter Erkrankungen beträgt etwa 0,2–0,5 %, wobei die Malaria tropica die häufigste (vermeidbare) Todesursache darstellt. Dementsprechend ist bei Reiserückkehrer:innen Malaria die wichtigste Diagnose, die nicht übersehen werden darf. Gleichzeitig ist zu berücksichtigen, dass ein relevanter Anteil der Erkrankungen auf nichtreiseassoziierte Infektionen zurückzuführen ist (z. B. Influenza, COVID-19, Pneumonie oder Harnwegsinfekte).
Ein zentrales Element der Anamnese ist der zeitliche Verlauf der Symptomatik. Viele Erkrankungen manifestieren sich innerhalb von Tagen bis wenigen Wochen nach Rückkehr (u. a. Malaria, Dengue, Chikungunya, Typhus, Leptospirose, Legionellose). Malaria und Typhus verlaufen häufig akut bis subakut, können jedoch auch verzögert auftreten (z. B. Plasmodium vivax bis zu 12 Monate; Typhus abdominalis typischerweise innerhalb von bis zu 3 Wochen). Allgemein spricht ein sehr früher Symptombeginn eher für Arbovirosen oder eine akute Reisediarrhö, während persistierende gastrointestinale Beschwerden eher auf parasitäre Ursachen hinweisen.
Für die weitere Einordnung sind Reiseziel, Reisedauer und spezifische Expositionen (z.B. Vektorkontakte, Süßwasser- oder Tierkontakte) ebenso hilfreich wie der Prophylaxe- und Impfstatus. Neben Standardimpfungen und Malaria-Chemoprophylaxe kommen destinationsabhängig weitere Reiseimpfungen infrage (z. B. gegen Typhus, Tollwut, Gelbfieber, Japanische Enzephalitis, Meningokokken oder Cholera sowie zunehmend auch Dengue oder Chikungunya). Eine differenzialdiagnostische Fixierung auf die Reise sollte jedoch vermieden werden.
Fieber nach Aufenthalt in einem potenziellen Malariagebiet ist bis zum Beweis des Gegenteils Malaria, wobei das Expositionsrisiko großzügig zu beurteilen ist. Die Abklärung muss umgehend in einer Einrichtung mit verfügbarer Malariadiagnostik erfolgen (dicker Tropfen, Blutausstrich, Antigen-Schnelltest, ggf. PCR), idealerweise innerhalb von 24 Stunden, und bei initial negativem Befund und persistierendem Verdacht wiederholt werden. Plasmodium falciparum ist für die meisten schweren Verläufe verantwortlich. Eine Chemoprophylaxe ist hoch wirksam (>95%), schließt eine Infektion jedoch nicht sicher aus. Fieber in Kombination mit Exanthem und/oder Arthralgien lenkt differenzialdiagnostisch auch auf Dengue, Chikungunya oder Rickettsien.
Diarrhö ist die häufigste Reiseerkrankung (30–70 %). Initial dominieren bakterielle und virale Erreger (z. B. enterotoxische Escherichia coli [ETEC], Campylobacter jejuni, Shigella spp., Salmonella spp., Noro- und Rotaviren) sowie auch nichtinfektiöse Ursachen, während bei längerem Verlauf (v. a. >2–3 Wochen) andere Ursachen (parasitäre, nichtinfektiöse) an Bedeutung gewinnen. Die Therapie ist primär supportiv (Flüssigkeit, Elektrolyte); Antiinfektiva sind selektiv indiziert. Diarrhö kann auch Ausdruck einer systemischen Infektion sein (z. B. Malaria oder schwere bakterielle Infektionen).Bei persistierenden gastrointestinalen Symptomen sollte differenzialdiagnostisch insbesondere an parasitäre Erreger gedacht werden (z. B. Giardia lamblia, Entamoeba histolytica, Cryptosporidium spp.), zusätzlich an Clostridioides difficile im Kontext vorangegangener antiinfektiver Therapie.
Die meisten Hautprobleme nach Reisen sind Insektenstiche oder oberflächliche Infektionen nach Schürfwunden und heilen spontan. Fieber plus Exanthem, insbesondere mit Petechien, ist ein klinisches Warnsignal für potenziell schwere systemische Infektionen. Ein makulopapulöses Exanthem nach Rückkehr aus Asien oder Lateinamerika spricht für Dengue oder Chikungunya, aus Afrika eher für Rickettsien (ggf. mit Eschar).
Die Diagnostik richtet sich nach dem klinischen Verdacht. Basis sind Blutbild inkl. Thrombozyten, CRP und Leberwerte sowie Malaria- und Dengue-Diagnostik. Direktnachweise (Mikroskopie, Antigen, PCR, Kultur) sind in der Akutdiagnostik serologischen Verfahren überlegen. Für viele Erreger stehen ergänzend serologische und molekularbiologische Verfahren zur Verfügung. Bei Hautläsionen kann eine Biopsie sinnvoll sein. Bei persistierender oder komplizierter Diarrhö sind Stuhluntersuchungen obligat. Bei unklarem Verlauf ist die niederschwellige Zuweisung in ein spezialisiertes Zentrum sinnvoll.
Praxismemo