Worauf es bei der Pflege ankommt

Bei Diabetes können verschiedene Veränderungen der Haut auftreten. Gemeinsam führen sie dazu, dass die natürliche Schutzfunktion der Haut geschwächt wird. Eine mögliche Ursache ist eine autonome Neuropathie. Dabei handelt es sich um eine Erkrankung jener Nerven, die Grundfunktionen des Körpers steuern. Dadurch kann die Schweißproduktion vermindert sein, was trockene Haut begünstigt.

Trockene Haut betrifft fast 50 % der Diabetiker:innen

Längerfristig erhöhte Blutzuckerwerte können außerdem dazu führen, dass sich Hautzellen langsamer erneuern und die oberste Hautschicht weniger stabil aufgebaut wird. Dadurch kann die Haut dünner und empfindlicher werden. Auch der Fettstoffwechsel der Haut kann verändert sein. Bei erhöhtem Blutzucker werden Ceramide, Cholesterol und andere wichtige Hautfette vermindert gebildet oder schlechter in die oberste Hautschicht eingebaut. Dadurch verliert die Haut leichter Feuchtigkeit. Diese Mechanismen führen dazu, dass trockene Haut bei Diabetes sehr häufig ist. Fast jede 2. Person mit Diabetes ist davon betroffen.

Pflege diabetischer Haut

Da längerfristig erhöhte Blutzuckerwerte trockene Haut begünstigen, beginnt Hautpflege bereits mit einer möglichst guten Blutzuckereinstellung.

Auch kleine Änderungen in der täglichen Körperpflege können helfen. Heißes Wasser und Seifen entfernen den natürlichen Fettfilm der Haut. Daher sollte beim Waschen und Duschen lauwarmes Wasser verwendet werden. Die verwendete Waschlotion sollte pH-hautneutral sein, also einen pH-Wert um 5,5 haben. Das entspricht ungefähr dem natürlichen pH-Wert der Haut. Milde Waschlotionen sollten vor allem in den Achselhöhlen, im Intimbereich oder auf sichtbar verschmutzter Haut verwendet werden. Nach dem Waschen sollte die Haut sorgfältig getrocknet werden, insbesondere zwischen den Zehen.

Nach dem Duschen und mindestens einmal täglich sollte eine rückfettende Pflege in Form einer Lotion oder Creme aufgetragen werden. Dabei unterscheidet man zwischen feuchtigkeitsbindenden und rückfettenden Inhaltsstoffen.

Feuchtigkeitsbindende Inhaltsstoffe, sogenannte Humektanzien, ziehen Wasser an und halten es in der Hornschicht fest. Zu diesen Substanzen zählen Glyzerin, Harnstoff – auch Urea oder Karbamid genannt –, Ammoniumlaktat und Alpha-Hydroxysäuren.

Rückfettende Inhaltsstoffe, sogenannte Okklusiva, bilden einen dünnen Fettfilm auf der Haut und vermindern dadurch die Verdunstung von Wasser. Dazu zählen Wollwachsalkohole, Petrolatum beziehungsweise weiße Vaseline, Paraffin und Öle wie Mineral-, Mandel- oder Olivenöl.

Ceramide sind natürlicherweise in der obersten Hautschicht vorkommende Lipide und sind wichtig für die Funktion der Hautbarriere. In Hautpflegeprodukten sollen synthetische Ceramide daher helfen, die Schutzfunktion der Haut zu unterstützen. Kommerziell erhältliche Hautpflegeprodukte enthalten meist eine Kombination dieser Substanzklassen.

Warum regelmäßige Kontrolle wichtig ist

Aufgrund der gestörten Barrierefunktion treten bakterielle Infektionen und Pilzinfektionen bei Menschen mit Diabetes häufiger auf. Deshalb sollten Diabetiker:innen ihre Haut regelmäßig – am besten täglich – kontrollieren. Besonders wichtig ist die Inspektion der Füße, da Wunden oder Infektionen dort aufgrund einer häufig zusätzlich bestehenden Polyneuropathie oft nicht mit Schmerzen einhergehen und dadurch zunächst unbemerkt bleiben können.

So sollte an den Füßen auf Wunden, Blasen, Rötungen, Blässe, bläuliche Verfärbungen, Schwielenbildung, Fissuren und Rhagaden, Überwärmung und Schwellungen geachtet werden. An der übrigen Haut ist auf schlecht heilende Wunden, wiederkehrende Infektionen, Blasen, Verfärbungen oder Veränderungen der Hauttextur zu achten. Dazu zählen etwa dunklere, samtartige Hautveränderungen in großen Hautfalten oder am Hals, eine sogenannte Acanthosis nigricans.