Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung des Mannes und in frühen Stadien meist heilbar. Genau deshalb ist Früherkennung keine Komfortmedizin, sondern unser wirksamstes Instrument gegen fortgeschrittene und metastasierte Erkrankungen. Die Frage lautet heute nicht mehr, ob wir Früherkennung brauchen, sondern wie wir sie endlich richtig organisieren. PSA-Bestimmungen gehören zwar längst zur Routine, erfolgen jedoch weitgehend opportunistisch: ohne einheitlichen Pfad, ohne systematische Einladung, ohne klare Qualitätssicherung. Wer informiert ist, fragt nach. Wer gut vernetzt ist, wird getestet. Wer das System weniger gut versteht, bleibt zurück. Das ist kein gerechtes Screening, sondern ein Zufallsgenerator.
Europäische Langzeitdaten belegen eine Reduktion der prostatakrebsspezifischen Mortalität um rund 20 % und metastasierter Verläufe um etwa 30 %. Zugleich hat sich das Konzept gewandelt: Risikostratifizierung, MRT vor Biopsie und aktive Überwachung bei Niedrigrisiko-Tumoren ersetzen das alte „Alles finden, alles behandeln“. Klinisch relevante Karzinome werden früher erkannt, unnötige Eingriffe werden deutlich reduziert. Genau hier setzt der österreichische Konsensusprozess an. Über 70 Expert:innen aus mehr als 20 Organisationen – medizinische Fachgesellschaften, Sozialversicherungen, Ärztekammer und Patientenvertretungen – haben evidenzbasierte Statements erarbeitet: vom Einladungsalter über die biparametrische MRT bis zur aktiven Überwachung und zertifizierten Fortbildung. Diese Breite ist Programm: Ein Konsensus ohne Systempartner bleibt Papier. Ein Konsensus, der Patientenperspektiven einbezieht, gewinnt an gesellschaftlicher Legitimität.
Das Konsensuspapier wird Anfang Juli 2026 vorliegen– Österreichs erste gesamtnationale, multidisziplinäre Positionierung zum organisierten Prostatakarzinom-Screening. Was hier erarbeitet wird, ist eine Grundlage, die politisch nicht ignoriert werden kann. Organisiertes Screening bedeutet nicht mehr Untersuchungen für alle, sondern die richtigen Tests für die richtigen Männer zum richtigen Zeitpunkt. Die Evidenz ist da. Der Pathway ist definiert. Der Konsensus steht. Was jetzt fehlt, ist der Mut der Verantwortlichen. Österreich kann dieses Kapitel schreiben – die Feder liegt bereit.