Schutz von Anfang an

Das respiratorische Synzytial-Virus (RSV) ist weltweit eine der häufigsten Ursachen für akute Infektionen der unteren Atemwege bei Säuglingen. Besonders in den ersten Lebensmonaten kann eine RSV-Infektion zu einer schweren Erkrankung führen. Um das Risiko zu senken, stehen 2 Strategien zum passiven Schutz des Neugeborenen zur Verfügung: die Impfung der Mutter während der Schwangerschaft sowie die direkte Gabe eines langwirksamen monoklonalen Antikörpers an den Säugling. Die WHO bewertet in einem Positionspapier beide Ansätze als wirksame Möglichkeiten, Säuglinge in der ersten RSV-Saison vor schwerer RSV-Erkrankung zu schützen.1

Maternale Impfung

Durch die RSV-Impfung in der Schwangerschaft bildet die Mutter neutralisierende Antikörper, die über die Plazenta auf das ungeborene Kind übertragen werden. Die Wirksamkeit dieses Ansatzes wurde in der Phase-III-Studie MATISSE untersucht.2 In der finalen Auswertung erhielten über 7.000 Schwangere in der 24. bis 36. Schwangerschaftswoche einmalig den bivalenten RSVpreF-Impfstoff oder Placebo. Bei den Kindern geimpfter Mütter war das Risiko einer schweren, medizinisch betreuten RSV-assoziierten Infektion der unteren Atemwege innerhalb der ersten 90 Lebenstage um 82,4 % reduziert. Gleichzeitig zeigten sich bei den Neugeborenen hohe RSV-neutralisierende Antikörpertiter, was die effiziente transplazentare Übertragung der maternalen Antikörper bestätigt.3

Passive Immunisierung des Säuglings

Eine weitere Möglichkeit zum Schutz vor schwerer RSV-Erkrankung ist die direkte passive Immunisierung des Säuglings mit dem langwirksamen monoklonalen Antikörper Nirsevimab. Im Unterschied zur maternalen Impfung werden die schützenden Antikörper dabei nicht zunächst von der Mutter gebildet und über die Plazenta übertragen, sondern direkt dem Säugling zugeführt. Aufgrund der verlängerten Halbwertszeit kann eine einmalige Gabe über mehrere Monate schützen.4 In der HARMONIE-Studie reduzierte Nirsevimab die Hospitalisierung aufgrund einer RSV-assoziierten Infektion der unteren Atemwege innerhalb von 180 Tagen um 82,7 %.5

Beide Strategien kombinieren?

Ob maternale RSV-Impfung und direkte Antikörpergabe beim Säugling auch nacheinander eingesetzt werden können, wurde bislang nur begrenzt untersucht. Eine kleine 2026 publizierte randomisierte Phase-IV-Studie verglich bei 181 Mutter-Kind-Paaren 4 Strategien: die maternale RSVpreF-Impfung allein, die Impfung mit anschließender Nirsevimab-Gabe bei Geburt oder im Alter von 3 Monaten sowie Nirsevimab allein. In der Interimsanalyse erwies sich sowohl die alleinige als auch die kombinierte Anwendung als sicher; die RSV-neutralisierenden Antikörpertiter der Säuglinge waren 3 Monate nach der Geburt in allen Gruppen hoch. Eine Kombination beider Strategien ist nach Einschätzung der Autor:innen jedoch nur in wenigen klinischen Situationen erforderlich und für die meisten Säuglinge nicht notwendig.6