12. Österreichischer Chirurgentag
: Konservative und operative Therapien bei Darmerkrankungen

Der 12. Österreichische Chirurgentag, der am 16. und 17. November im Congress Casino Baden stattfinden wird, ist die wichtigste Veranstaltung des Berufsverbandes Österreichischer Chirurgen (BÖC). Heuer widmet sich der Kongress zwei Themen – den „Entzündlichen Darmerkrankungen“ und der „Divertikulose“. Kongresspräsident Prof. Dr. Sebastian Roka freut sich auf die Thematik: „Die chronisch entzündlichen Darmerkrankungen stellen in der Chirurgie oft nur ein Randthema dar, da die Therapie eine enge Kooperation mehrerer Fachbereiche erfordert und daher an entsprechende Infrastruktur gebunden ist. Die Erkrankungen sind jedoch für alle Chirurgen von Bedeutung, da bei rezidivierender Diarrhoe immer auch an das Vorliegen einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung als Leitsymptom der Erkrankung gedacht werden muss.“
Roka betont, dass der Chirurgentag nicht als wissenschaftlicher Kongress, sondern vorrangig als Fortbildungsveranstaltung auf hohem Niveau gedacht ist. Zielgruppe seien Assistenten und Fachärzte, die ihren Wissensstand auf dem Gebiet der Darmerkrankungen up-to-date bringen möchten und interdisziplinär denken und arbeiten. Der 12. Österreichische Chirurgentag wird deshalb in Kooperation mit der Österreichischen Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie und DARM plus – einer Patientenselbsthilfegruppe – durchgeführt.

Verdiente Aufmerksamkeit

„In der Therapie von entzündlichen Darmerkrankungen hat sich in den letzten Jahren viel bewegt“, begründet Roka, warum ein Thema in den Mittelpunkt rückt, auf das sich lange Zeit eher die Gastroenterologen konzentriert haben. „Es sind neue Aspekte in der konservativen Therapie entstanden, die Chirurgie ist in den Hintergrund gerückt. Umso wichtiger ist es, diese Erkrankungen aus einem interdisziplinären Blickwinkel zu betrachten, denn besonders effizient und erfolgreich sind Therapien, bei denen Chirurgen und Gastroenterologen an einem Strang ziehen.“
Der Grenzbereich zwischen medikamentöser Therapie und chirurgischem Eingriff ist ein besonders sensibler, der einer intensiven Kooperation und einer professionellen Optimierung bedarf, um ein optimales Ergebnis zu erzielen. „Manche Fälle bedürfen ganz klar einer medikamentösen Langzeittherapie, für andere führt eindeutig eine Operation effizienter zum Ziel“, erklärt Roka. „Aber auch der Graubereich zwischen Chirurgie und konservativer Therapie ist eine wichtige Thematik, die beleuchtet werden soll. Wann ist welche Entscheidung zielführend?“ Fallpräsentationen und Diskussionsrunden mit Experten beider Fachrichtungen sollen am Österreichischen Chirurgentag sowohl State-of-the-Art-Fachwissen vermitteln, als auch die Diskussion um die richtige Therapie ermöglichen.

Ein großes Spannungsfeld

Roka selbst interessieren besonders Risikofaktoren für die Entstehung von chronisch entzündlichen Darmerkrankungen und der Divertikulose. „Das ist eine Thematik, von der man als Chirurg oft viel zu wenig weiß“, sagt Roka und ergänzt: „Für beide Erkrankungen gewinnen genetische Prädisposition, Ernährungsfaktoren und die Darmflora immer mehr an Bedeutung.“
Das gilt besonders für die Divertikulose . „Man weiß zwar, dass die Ernährung bei der Entstehung von Divertikulose eine große Rolle spielt, doch wie es zur Entstehung der Entzündung in Divertikeln kommt, ist immer noch unklar. Insgesamt liegen die Ursachen noch ziemlich im Dunkeln“, sagt Roka. Neben den operativen werden daher auch konservative Therapieansätze genauer beleuchtet und Indikationen zur operativen Therapie analysiert.

Bedeutung hochkarätiger Fortbildung

Gerade die Entwicklung neuer medikamentöser Therapien hat in den letzten Jahren zu einer verbesserten Therapie der chronisch entzündlichen Darmerkrankungen geführt. Diese sind teuer und der Einsatz muss sorgfältig abgewogen werden. Aber auch die operative Therapie macht noch immer Fortschritte, um für betroffene Patienten die Morbidität so gering wie möglich zu halten. Derartige Innovationen müssen Ärzten kompakt verfügbar gemacht werden.
Veranstaltungen wie der Österreichische Chirurgentag sollen jedenfalls ein kleines Steinchen zum Mosaik einer höheren Qualität medizinischer Versorgung beitragen. „Auch wenn Erkenntnisse aus unserem Kongress nur Denkanstöße für Ärzte in ihrer täglichen Praxis darstellen können, leisten Fortbildungsveranstaltungen auf höchstem Niveau, wie es der Österreichische Chirurgentag bietet, einen wichtigen Beitrag zum Patientenwohl und einer verbesserten medizinischen Kostenstruktur“, so Roka.

MP 04|2012

Herausgeber: AUSTROMED – Interessensvertretung der Medizinprodukte-Unternehmen
Publikationsdatum: 2012-09-28