Chirurgische Infektionen: Basisarbeit und Besinnung sind erforderlich

Das Thema der postoperativen Infektionen stand in der Chirurgie in den vergangenen Jahren nicht oft im Vordergrund wissenschaftlicher Veranstaltungen. „Bei der kritischen Analyse chirurgischer Ergebnisse fällt allerdings auf, dass chirurgische Infektionen eine wesentliche Ursache von postoperativer Morbidität und Mortalität sind. Der bahnbrechenden Arbeit von Semmelweis sind bedeutende Fortschritte in Diagnose und Therapie chirurgischer Infektionen gefolgt. Die Gefahr, die von Infektionen ausgeht, ist aber auch heute keineswegs gebannt und aktueller denn je“, beschreibt Prim. Univ.-Prof. Dr. Reinhold Függer, Leiter Chirurgische Abteilung, Krankenhaus der Elisabethinen in Linz und Kongresspräsident des 56. Österreichischen Chirurgenkongresses, die Motivation für die Auswahl des heurigen Schwerpunktthemas.
Chirurgische Infektionen werden nach Ansicht des Experten leider viel zu oft mit Krankenhausinfektion und Hygienefragen – bis hin zu Ebola – vermischt. Ein Umstand, der das Thema einerseits „am falschen Ort“ platziert und zu Unrecht dramatisiert. Dennoch möchte Függer chirurgische Infektionen auch nicht verharmlosen: „Ohne Schuldzuweisungen oder überschießende Gefahrenpotenziale zu wittern, sehe ich, dass die Ergebnisse der Chirurgie immer besser werden und dennoch Jahr für Jahr eine Reihe von Todesfällen auf Grund postoperativer Infektionen zu beklagen ist. Wer von Qualitätsverbesserungen spricht, muss sich auch dieses Themas annehmen und hier fehlen uns jedenfalls auch grundlegende Daten und Fakten, die es zu erheben gilt. Wir brauchen Basisarbeit und Besinnung auf Wesentliches“, fasst Függer die Eckpunkte zusammen. Für ihn jedenfalls Grund genug, chirurgische Infektionen als Generalthema auf die Agenda des 56. Österreichischen Chirurgenkongresses zu setzen und die Rolle des Chirurgen herauszustreichen, der – vor allem, wenn es sich wie bei Entzündungen von Gallenblase oder Appendix um Therapieoptionen handelt – durchaus großen Einfluss auf das Ergebnis hat. Das beginnt bei der Entscheidung über eine Antibiotikaprophylaxe als Organisationsaufgabe bis hin zu postoperativen Kontrollen oder der Auswahl minimalinvasiver OP-Methoden.
Details zum Programm finden Sie auf www.chirurgenkongress.at/56/.
AutorIn: Prim. Univ.-Prof. Dr. Reinhold Függer

Leiter Chirurgische Abteilung, Krankenhaus der Elisabethinen in Linz und Kongresspräsident des 56. Österreichischen Chirurgenkongresses


MP 02|2015

Herausgeber: AUSTROMED, Interessensvertretung der Medizinprodukte-Unternehmen
Publikationsdatum: 2015-04-10