Wundinfekte in der Halschirurgie

Elektive Operationen im Kopf-Hals-Bereich können, je nachdem, ob die Schleimhäute im Mund und Halsbereich inzidiert werden, generell in aseptische und bedingt aseptische eingeteilt werden. Bei den aseptischen liegt das Infektrisiko um die 1 % und es wird generell keine Antibiotikaprophylaxe empfohlen, während das Infektrisiko der bedingt aseptischen auf bis zu 70 % ansteigen kann und damit auch eine Antibiotikaprophylaxe indiziert ist. Dazu können Cephalosporine mit Metranidazol oder Ampicillin/Sulbactam zur Anwendung kommen, alternativ kann bei Allergien Clindamycin verabreicht werden und bei einem Verdacht auf gramnegative Keime ein Aminoglykosid hinzugefügt werden. Ergänzend gibt es dazu die Guidelines der American Heart Association zur Endokarditisprophylaxe. Diese empfehlen, dass Patienten mit künstlichen Klappen oder anderem prosthetischem Material, einer vorangegangenen Endokarditis, manchen Formen angeborener Herzfehler und Patienten nach Herztransplantation, die eine Klappenpathologie entwickelt haben, eine Endokarditisprophylaxe erhalten sollen, wenn ein Eingriff am Respirationstrakt, an der infizierten Haut, Hautanhangsgebilden, Muskeln oder Bewegungsapparat geplant ist.
Zur Therapie von Wundinfekten nach Halsoperationen können unterschiedliche Antibiotika indiziert sein. Ist der Erreger bekannt, kann gezielt behandelt werden, bei unbekanntem Erreger sollte man sich vom operationspezifischen Erregerspektrum und von lokalen Resistenzen, Patientenfaktoren wie Schweregrad der Erkrankung, Abwehrlage und Komorbiditäten und antibiotikaspezifischen Nebenwirkung leiten lassen. Leitlinien dazu findet man unter www.awmf.org oder bei den Fachgesellschaften. Häufig werden Cephalosporine plus Metranidazol oder Ampicillin/Sulbactam empfohlen, alternativ kann bei Allergien Clindamycin gegeben werden. Aminoglykoside können bei einem Risiko auf eine Kontamination mit gramnegativen Keimen dazugegeben werden. Grundsätzlich sollte eine bestehende Antibiotikatherapie drei Tage nach der Operation evaluiert und gegebenenfalls optimiert werden.

 

Im Gespräch
Was zeichnet Wundinfekte in der Halschirurgie aus?
Das hängt sehr davon ab, was am Hals gemacht wird. Bei aseptischen Operationen, wie z. B. bei der Strumaoperation, sind Wundinfekte sehr selten. Anders ist es bei Operationen, wo Organe eröffnet werden, und überall dort, wo eine Keimbesiedelung von innen möglich ist. Das wäre beispielsweise bei Operationen an Ösophagus und Trachea der Fall. Neben den Halsorganen gehen auch Operationen an Atheromen und infizierten Lymphknoten mit einem erhöhten Infektrisiko einher. Erwähnenswert sind in diesem Zusammenhang auch die Halszysten, die durch eine rudimentäre Verbindung zum Schlund ein sehr hohes Infektrisiko haben.
Was ist für die Wundkontrolle zu beachten?
Der erste und wichtigste Schritt ist sicher die ärztliche Begutachtung. Wenn sich Anzeichen einer Infektion zeigen, erkennbar an den althergebrachten Zeichen Rötung, Überwärmung, Schwellung und Schmerz, dann sollte auf jeden Fall mit einer antibiotischen Therapie begonnen werden, dies aber nur nach ärztlicher Vorschreibung und Überwachung. Darüber hinaus sollten diese Patienten unbedingt zum behandelnden Chirurgen geschickt werden, da dieser auch die Tragweite seines Schaffens am besten beurteilen und die weiteren Schritte planen kann.

 

Interview mit: Univ.-Prof. Dr. Rudolf Roka

Facharzt für Allgemein-, Gefäß- und Viszeralchirurgie


MP 02|2015

Herausgeber: AUSTROMED, Interessensvertretung der Medizinprodukte-Unternehmen
Publikationsdatum: 2015-04-10