Ernährung in der Schwangerschaft

Für das Leben prägend = „Epigenese“

Ein gesunder Lebensstil mit qualitativ guter Ernährung und regelmäßiger körperlicher Bewegung wirkt sich nicht nur während der Schwangerschaft positiv aus, sondern, wie die Daten zur Epigenetik zeigen, auch im späteren Leben des Kindes.
Allerdings ist ein Zuviel an Nahrungsenergie nicht erwünscht, da sich mütterliches Übergewicht auf das Kind nachteilig auswirkt; die Risiken einerseits für ein hohes fetales Geburtsgewicht und andererseits für Übergewicht und Diabetes mellitus Typ 2 im späteren Leben steigen. Auch die Prävention späterer allergischer Erkrankungen des Kindes beginnt bereits in der Schwangerschaft.

„Für zwei denken, aber nicht für zwei essen“: Der zusätzliche Bedarf an Kalorien ist tatsächlich nicht sehr groß, der Bedarf an verschiedenen Mikronährstoffen steigt hingegen stark an. Zwar brauchen Schwangere keine speziellen Lebensmittel, bis auf wenige Ausnahmen wie Folsäure und Jod und bei einigen Frauen Eisen kann der Bedarf an Nährstoffen über normale Lebensmittel gedeckt werden. Im Übrigen kann regelmäßige Bewegung dazu beitragen, mit Normalgewicht in die Schwangerschaft zu gehen.

Handlungsempfehlungen im Überblick

Energie- und Nährstoffbedarf: Der Energiebedarf steigt im Verlauf der Schwangerschaft nur leicht an. Er ist in den letzten Monaten der Schwangerschaft etwa 10% höher als vor der Schwangerschaft. Im Verhältnis zum Energiebedarf steigt der Bedarf an einzelnen Vitaminen und Mineralstoffen/Spurenelementen in der Schwangerschaft erheblich stärker.

Allgemeine Empfehlungen:

  • Eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung ist für die Gesundheit der Schwangeren und für die Entwicklung des Kindes von großer Bedeutung.
  • Die Ernährung in der Schwangerschaft orientiert sich an den allgemeinen Empfehlungen für eine ausgewogene Ernährung.
  • Regelmäßige Mahlzeiten sind in der Schwangerschaft wünschenswert und förderlich für das Wohlbefinden der werdenden Mutter.
  • Schwangere sollten auf einen regelmäßigen Verzehr von Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, fettarmer Milch und fettarmen Milchprodukten, fettarmen Fleisch und (fettreichem) Meerfisch achten. Zusätzlich werden Supplemente mit Folsäure/ Folat und mit Jod empfohlen.
  • In einer ausgewogenen Ernährung sind die Lebensmittelgruppen unterschiedlich gewichtet, so sollten reichlich kalorienfreie/ kalorienarme Getränke und pflanzliche Lebensmittel konsumiert werden, sowie mäßig tierische Lebensmittel, wobei fettarme Milch(-produkte), fettarmes Fleisch, fettarme Fleischwaren und fettreiche Meeresfische zu bevorzugen sind, außerdem sparsam Fette mit hohem Anteil gesättigter Fettsäuren sowie Süßigkeiten und Snackprodukte.

Empfehlungen für Vegetarierinnen: Eine vegetarische Ernährung mit Verzehr von Milch und Eiern (ovo-lakto-vegetarisch) kann bei gezielter Lebensmittelauswahl auch in der Schwangerschaft den Bedarf der meisten Nährstoffe decken. Um eine ausreichende Eisenversorgung sicherzustellen, sollen nach entsprechender Blutuntersuchung und medizinischer Beratung ggf. Eisensupplemente eingesetzt werden. Bei Verzicht auf den Verzehr von Meeresfisch sollten Supplemente mit langkettigen Omega-3-Fettsäuren erwogen werden. Dagegen ist mit einer rein pflanzlichen (veganen) Ernährung eine ausreichende Nährstoffversorgung in der Schwangerschaft auch bei sorgfältiger Lebensmittelauswahl nicht möglich. Eine vegane Ernährung birgt ernsthafte gesundheitliche Risiken – insbesondere für die Entwicklung des kindlichen Nervensystems. Bei einer veganen Ernährung sind immer eine spezielle medizinische Beratung und die Einnahme von Mikronährstoffsupplementen notwendig.

Supplemente:

  • Folsäure/Folate: Frauen, die eine Schwangerschaft planen, sollten zusätzlich zu einer Folat-reichen Ernährung ein Supplement mit Folsäure/Folat (mindestens 400 μg/Tag) einnehmen. In der Schwangerschaft soll die Einnahme mindestens bis zum Ende der ersten Schwangerschaftsdrittels fortgesetzt werden.
  • Jod: Vor und in der Schwangerschaft sollte auch auf eine ausreichende Jodzufuhr geachtet werden. Empfehlenswert sind die Verwendung von jodiertem Speisesalz, der Verzehr von Meeresfisch 2-mal pro Woche sowie der regelmäßige Verzehr von Milch und Milchprodukten. Zusätzlich sollen Schwangere täglich ein Supplement mit 100 (-150 μg) Jodid einnehmen. Bei Schilddrüsenerkrankungen hat eine Rücksprache mit dem behandelnden Arzt zu erfolgen.
  • Eisen: Schwangere sollten auf eine ausreichende Zufuhr von Eisen mit der Ernährung achten, wobei der mögliche Bedarf einer Supplementation individuell abzuklären ist.

Schutz vor Infektionen durch Lebensmittel: Schwangere sollen keine rohen tierischen Lebensmittel essen. Dazu zählen rohes oder nicht durchgebratenes Fleisch, Rohwurst (z.B. Salami), roher Fisch, Rohmilch, rohe Eier sowie daraus hergestellte, nicht ausreichend erhitzte Speisen und Produkte. Auch Weichkäse und Räucherfisch sollen gemieden werden. Obst, Gemüse und Salate sind vor dem Verzehr gründlich zu waschen und sollen frisch zubereitet und bald verzehrt werden. Vorbereitete, abgepackte Salate sind zu vermeiden.

Genussmittel:

  • Alkohol: Schwangere sollen Alkohol meiden.
  • Rauchen: Schwangere sollen nicht rauchen und sich nicht in Räumen aufhalten, in denen geraucht wird/wurde.
  • Koffeinhaltige Getränke: Bis zu drei Tassen Kaffee pro Tag werden allerdings als unbedenklich angesehen. Vom Konsum koffeinhaltiger Energydrinks in der Schwangerschaft wird abgeraten.

Körpergewicht und Gewichtsentwicklung: Die Gewichtszunahme in der Schwangerschaft sollte für normalgewichtige Frauen zwischen etwa 10 und 16 kg betragen.

Bewegung: Körperliche Aktivität in der Schwangerschaft im Alltag/oder Sport ist wünschenswert und dient der Gesundheit von Mutter und Kind. Sportliches Training sollte in der Schwangerschaft allerdings nur mit mäßiger Intensität ausgeübt werden. Das ist z.B. der Fall, wenn eine Unterhaltung während des Sporttreibens noch möglich ist (Talk-Test).

Arzneimittel in der Schwangerschaft: Arzneimittel sollen in der Schwangerschaft nur nach ärztlicher Absprache eingenommen oder abgesetzt werden.

Typische Schwangerschaftsbeschwerden: Bei Auftreten der an sich typischen Schwangerschaftsbeschwerden wie Übelkeit, Obstipation, Sodbrennen etc. sollte medizinische Beratung gesucht werden.

Vorbereitung auf das Stillen: Werdende Eltern sollten sich bereits in der Schwangerschaft über das Stillen informieren.

Mütterliche Ernährung in der Schwangerschaft zur Allergieprävention beim Kind: Das Meiden bestimmter Lebensmittel in der Schwangerschaft hat keinen Nutzen für eine Allergieprävention beim Kind. Regelmäßiger Verzehr von Fisch (fettreichem Meeresfisch) in der Schwangerschaft wird auch unter dem Gesichtspunkt einer möglichen Allergieprävention empfohlen. Ob eine Zufuhr von Prä- und Probiotika in der Schwan
gerschaft Vorteile für die Allergieprävention beim Kind bietet, ist nicht abschließend zu beurteilen.


* Quelle: Ernährung in der Schwangerschaft – Handlungsempfehlungen KOMPAKT.
aid Infodienst e. V., Bonn