SP 04|2015

Herausgeber: Univ.-Prof. Dr. Michael Musalek

Editorial

Focus: Suizidprävention

  • Eine Bezifferung des Suizids in Österreich

    Die Zahl der Suizide ist in Österreich mehr als doppelt so hoch wie tödliche Verkehrsunfälle. Der Rückgang der österreichischen Suizidrate stagniert seit dem Beginn der Wirtschaftskrise im Jahr 2008, während in vielen europäischen Ländern bereits deutliche Anstiege der Suizidraten beobachtet werden.

    Der Öffentlichkeit entsteht durch Suizid jährlich ein finanzieller Verlust von etwa 1,3 Mrd. Euro. Dem steht ein jährliches Budget für Prävention und Gesundheitsförderung aller Erkrankungen von nur 607 Mio. Euro gegenüber.

    Das nationale Suizidpräventionsprogramm (SUPRA) ist eine Gelegenheit, Evidenz wirksam in Umsetzung zu bringen.

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  • Suizid und Medien – die Bedeutung der Medien in der Suizidprävention

    Sensationsträchtige Medienberichte über Suizid können Imitationssuizide auslösen, eine zurückhaltende Berichterstattung über Suizid kann – wie österreichische Erfahrungen zeigen – einen Beitrag zur Suizidprävention leisten.

    Medienberichte und Webseiten, die auf die erfolgreiche Bewältigung einer suizidalen Krise fokussieren, können Suizidalität verringern und helfen, Suizid zu verhüten („Papageno-Effekt“).

    Das Internet hat eine wichtige Rolle in der Suizidprävention, präventive Webseiten sind aber in Suchmaschinen oft nicht top gereiht. Daher ist es wichtig, die Sichtbarkeit von Webseiten von Hilfseinrichtungen zu erhöhen.

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  • Suizide während und nach stationärer Behandlung

    Stationäre psychiatrische Patienten zählen zu den Gruppen mit dem höchsten Suizidrisiko, aber auch die Zeit nach der Entlassung aus der psychiatrischen stationären Behandlung ist eine Phase mit massiv erhöhtem Suizidrisiko.

    Bei stationären Patienten und in der poststationären Nachbetreuungsphase sollte der Grad an Suizidalität regelmäßig und routinemäßig erhoben werden.

    Unterbrechungen in der ärztlichen, psychologischen und pflegerischen Betreuungskontinuität können das Suizidrisiko erhöhen.

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  • Schulische Suizidprävention: Das Projekt „Youth Aware of Mental Health“ (YAM)

    Im Rahmen des EU-Projekts „SEYLE – Saving and Empowering Young Lives“ konnte nachgewiesen werden, dass durch Sensibilisierung der Schüler für Risikoverhalten und Aufzeigen von Risikovermeidung (YAM – Youth Aware of Mental Health) Suizidgedanken und Suizidversuche um die Hälfte gesenkt werden können.

    In Tirol werden nun Möglichkeiten der dauerhaften Implementierung des Suizidpräventionsprogramms „YAM“ an den Schulen geprüft, um es schließlich auf ganz Österreich auszuweiten.

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  • Förderung der körperlichen Gesundheit von Suizidgefährdeten

    Bergwandern als regelmäßiges Ausdauertraining hilft, Hoffnungslosigkeit und Depressivität signifikant zu verbessern, und führt zu einer Reduktion von Suizidgedanken.

    Bergwandern ist eine effektive Add-on-Therapie mit signifikanten Effekten in Verbindung mit Psychopharmakotherapie und Psychotherapie.

    Suizid-Hochrisikopatienten können zum Ausdauertraining im alpinen Raum motiviert werden, zeigen eine sehr gute Compliance und verbessern sich signifikant in Bezug auf die körperliche Ausdauerleistung.

    Die Ergebnisse legen nahe, Ausdauertraining in der Natur in den Gesamtbehandlungsplan für Patienten mit psychischen Erkrankungen und Suizidrisiko zu integrieren.

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  • Erhöhte Suizidrate bei Krebspatienten in Tirol – eine Studie des Tumorregisters Tirol

    Krebspatienten in Tirol haben ein doppelt so hohes Risiko für Suizid im Vergleich zur Normalbevölkerung. Das erhöhte Risiko konzentriert sich auf die ersten 6 Monate nach der Krebsdiagnose (5-fach erhöht) und auf Krebsfälle mit einer ungünstigen Prognose (4–5-fach erhöht).

    Da die Zeit unmittelbar nach der Diagnose, spezifische Krebsentitäten, die mit eingeschränkter körperlicher Funktionsfähigkeit einhergehen, sowie Depression und Hoffnungslosigkeit Risikofaktoren darstellen, sollte die psychoonkologische Betreuung für diese Gruppen intensiviert werden.

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Kongress

  • Trauma, Begutachtung, Kultur

    Nicht nur bei der Behandlung, sondern auch bei der Begutachtung von Traumaopfern ist ein sowohl trauma- wie kultursensitiver Ansatz aus ethischen und fachlichen Gründen wesentlich.

    Die Diagnose von Traumafolgesymptomen oder -erkrankungen lässt sich nicht auf das Vorliegen oder Fehlen einer PTBS reduzieren.

    Die aktuellen grundlegenden Veränderungen in den entsprechenden Abschnitten der internationalen Diagnosemodelle sowie die zunehmende Betonung von Standards im Opferschutz erfordern eine Anpassung der Begutachtungspraxis.

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  • Antidementiva zur Behandlung der nichtkognitiven Symptomatik

    Die Antidementiva Donepezil, Rivastigmin, Galantamin und Memantin stellen die Basistherapie der neuropsychiatrischen Symptomatik bei Demenz dar (Evidenzlevel A).

    Als Alternative steht bei Nichtwirksamkeit oder Anwendungsbeschränkungen Ginkgo biloba zur Verfügung (Evidenzlevel B).

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Panorama

  • Sozialästhetik & psychische Gesundheit – Neues Institut an der Sigmund Freud Privat Universität Wien

    Vor wenigen Monaten wurde an der Sigmund Freud Privat Universität Wien (SFU) das Institut für Sozialästhetik und psychische Gesundheit gegründet. Der Hauptwirkungsbereich des neuen Institutes liegt in der Erforschung und Lehre von Konzepten, Modellen und praktischen Umsetzungsmöglichkeiten von psychischer Gesundheit unter sozialästhetischer Perspektive. In einem Symposium zum Thema „Sozialästhetik und psychische Gesundheit – das Mögliche und das Schöne als Antwort“ wird das Institut am 27. Februar 2016 an der SFU einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt.

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  • Was brauchen wir Menschen? Von der Phänomenologie über die Ätiopathogenese zur Salutogenese

    Die Auseinandersetzung mit alten am Klinikum Klagenfurt erhalten gebliebenen Krankenakten erlaubt einen Einblick in die Entwicklung von Denk- und Therapieansätzen in psychiatrischen Abteilungen über die Jahrzehnte: von phänomenologisch-deskriptiven zu ätiologischen Ansätzen bis hin zum bio-psycho-sozialen Krankheitsmodell.

    Die moderne Psychiatrie muss nun ihre ätiologischen Modelle erweitern und sich zunehmend mit der Salutogenese und der zentralen Frage „Was braucht der Mensch, um gesund zu bleiben“ auseinandersetzen.

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