Krebsvorsorge und Krebsfrüherkennungs­aktionen der Österreichischen Krebshilfe

Die modernen Medien ermöglichen es der Krebshilfe heute, so viele Menschen wie noch nie zu erreichen. Seit 1999 betreibt die Krebshilfe ihre Website www.krebshilfe.net, auf der Patienten, Angehörige oder interessierte Menschen über alle Bereiche der Krebsvorsorge, -therapie oder -nachsorge informiert werden. Weitere Module wie der Download von Informationsmaterial bieten einen besonderen Nutzen. Die Website der Österreichischen Krebshilfe zählt zu den größten deutschsprachigen Informationsplattformen zum Thema Krebs.

Informationskampagnen

Eine Innovation der modernen Krebshilfe- Arbeit ist es auch, mittlerweile jahrelang geführte Informationskampagnen vor allem zu jenen Krebserkrankungen durchzuführen, die mittels verschiedener diagnostischer Untersuchungen früh erkannt werden können. Dazu zählen die Aktionen zur Haut-, Darm-, Brust- und Prostatakrebs-Früherkennung. Diese Aktionen werden in enger Zusammenarbeit mit den jeweiligen medizinischen Gesellschaften abgestimmt und durchgeführt.

 

 

Sonne ohne Reue

1988 begann die Österreichische Krebsgesellschaft mit ihrer ersten Kampagne „Sonne ohne Reue“. Gemeinsam mit der Österreichischen Gesellschaft für Dermatologie sollte dabei die Bevölkerung über den Zusammenhang von Sonnenstrahlen und Hautkrebs informiert werden und den richtigen Umgang mit der Sonne lernen. „Sonne ohne Reue“ ist mittlerweile die älteste Vorsorge-Aktion der Krebshilfe, die nach mehr als 30 Jahren zu einem erhöhten Bewusstsein der Bevölkerung über die Gefahren der Sonne, die Notwendigkeit eines effizienten Sonnenschutzes und die regelmäßige Kontrolle der Haut im Hinblick auf verdächtige Pigmentläsionen geführt hat.

Darmkrebsvorsorgemonat März

Die Krebshilfe erinnert jährlich im Internationalen Darmkrebsmonat März an die Koloskopie, die mittlerweile – dank der Einführung der „sanften“ Koloskopie im Jahr 2007 – eine völlig schmerzfreie Untersuchung ist. Gemeinsam mit der Österreichischen Gesellschaft für Gastroenterologie und Hepatologie appelliert die Krebshilfe in ihrer Darmkrebsvorsorge- Aktion „Vermeiden statt Leiden“, die Darmspiegelung an jenen Stellen durchführen zu lassen, die Träger des „Qualitätszertifikates Darmkrebsvorsorge“ sind.

Pink Ribbon

Eine besondere Erfolgsgeschichte ist die Pink-Ribbon-Aktion zur Brustkrebs-Vorsorge und -Früherkennung. Die Krebshilfe holte als erste Krebshilfeorganisation Europas die 1992 von Evelyn Lauder, Schwiegertochter der Gründerin des Kosmetikunternehmens Estèe Lauder, kreierte Idee des „Pink Ribbon“ nach Österreich. Der Monat Oktober ist seither der „Brustkrebsmonat“, und die Kampagne „Pink Ribbon“ informiert mit Broschüren, Pressearbeit und zahlreichen öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen österreichweit über die Wichtigkeit von Brustkrebsvorsorge und -früherkennung. Mittlerweile ist die Pink-Ribbon-Aktion die erfolgreichste Aktion der Krebshilfe, mit der in den letzten 17 Jahren mehr als 80.000-mal einer Brustkrebspatientin geholfen werden konnte – davon mehr als 1.300-mal auch finanziell, wenn Patientinnen durch ihre Erkrankung in finanzielle Not geraten sind.

Loose Tie – auf den „männlichen“ Spuren von Pink Ribbon

Die jahrelange Erfolgsgeschichte der rosa Schleife ließ die Krebshilfe auch für die Krebsvorsorge und -früherkennung für Männer auf den Plan treten. Nach mehreren Gesprächen mit der Österreichischen Gesellschaft für Urologie und Andrologie (ÖGU) und dem Berufsverband der Österreichischen Urologen (bvU) beschloss das Präsidium der Krebshilfe in ihrer Herbstsitzung 2014 den Start einer Männervorsorge-Aktion ab dem Jahr 2015. Loose Tie – locker zur Vorsorge. Das Einfärben der rosa Schleife in Hellblau und damit die Schaffung eines eigenen Ribbons für Prostatakrebs kam jedoch für die Krebshilfe nicht in Betracht. Denn die Erfahrung aus den ersten Vorsorge-Aktionen für Männer im Jahr 2004 zeigte, dass man das starke Geschlecht anders ansprechen muss und dass Männer sich aus Solidarität keine blaue Schleife anstecken. Gemeinsam mit Gerald Fleischhacker und Klaus Oppitz, zwei Kreative der „Tafelrunde“ – ein Zusammenschluss von Kabarettisten und Schauspielern –, entwickelte Krebshilfe-GF Martina Löwe die gelockerte Krawatte als Symbol für die Männergesundheit. Seitdem erinnert Loose Tie daran, wie wichtig es ist, sich abseits beruflicher Verpflichtungen Zeit für diesen wichtigen Termin zu nehmen: die Prostatakrebs-Früherkennung ab 45. Mit prominenten Unterstützern und medienwirksamen Events wie beispielsweise dem „Loose Tie Club“ oder der „Loose Tie Tour“ durch ganz Österreich gelingt es, Jahr für Jahr mehr Männer zu erreichen und mehr Bewusstsein zu schaffen. Im Frühjahr 2019 wurden Krebshilfe und Urologen für die Loose-Tie-Aktion für beispielloses Engagement in der Prostatakrebsvorsorge mit dem „gesund&fit- AWARD“ als „Gesundheits-Initiative des Jahres“ ausgezeichnet. Auch wenn die Loose-Tie-Aktion noch in den Kinderschuhen steckt, so ist der Weg, der damit beschritten wird, erfolgversprechend – wenn alle, denen die Männergesundheit ein Anliegen ist, ihn auch mitgehen.

 

SU 04|2019

Herausgeber: Dr. Karl Dorfinger, Prim. Dr. Wolfgang Loidl
Publikationsdatum: 2019-12-16