Knochendichtemessung richtig einordnen

Die Knochendichtemessung mittels DXA (Dual-Röntgenabsorptiometrie) gilt als Goldstandard zur Bestimmung der Knochenmineraldichte (KMD) und ist fest in der Diagnostik der Osteoporose verankert. Gemäß der WHO-Definition liegt eine Osteoporose vor, wenn der T-Score ≤ –2,5 beträgt. Dennoch ist dieser Grenzwert ausschließlich diagnostisch zu verstehen und darf nicht automatisch als Therapieindikation interpretiert werden.

Klinische Risikofaktoren beeinflussen individuelles Frakturrisiko

Die Leitlinie der Österreichischen Gesellschaft für Knochen- und Mineralstoffwechsel (2024) betont klar: Die Knochendichte allein bildet das individuelle Frakturrisiko nur unzureichend ab. Tatsächlich tritt ein Großteil osteoporotischer Frakturen bei Personen auf, deren KMD nicht im osteoporotischen Bereich liegt. Der Grund liegt in der multifaktoriellen Entstehung von Frakturen. Neben der Knochenmasse spielen zahlreiche klinische Risikofaktoren eine entscheidende Rolle – etwa Alter, vorbestehende Frakturen, Sturzneigung, Begleiterkrankungen oder medikamentöse Einflüsse. Diese Faktoren wirken teilweise unabhängig von der Knochendichte und können das Frakturrisiko erheblich beeinflussen.

FRAX® als Schlüssel zur Risikobewertung

Zur Integration dieser unterschiedlichen Einflussgrößen wird das FRAX®-Tool eingesetzt (Abb.). Es berechnet die 10-Jahres-Wahrscheinlichkeit für osteoporotische Frakturen auf Basis klinischer Risikofaktoren – optional ergänzt durch die Knochendichte. Die Leitlinie stellt klar, dass die therapeutische Entscheidung primär auf dieser individuellen Risikoabschätzung beruht und nicht auf dem T-Score allein.

Abb.: Alter 50+ und Vorliegen eines klinischen Risikofaktors: Screening mit FRAX® ohne KMD-Messung mittels DXA

Die Knochendichtemessung ist somit ein wichtiger Bestandteil, aber nur ein Puzzleteil innerhalb der Gesamtbewertung. Besonders relevant ist sie bei Patient:innen mit intermediärem Risiko, um die Einschätzung zu präzisieren und Therapieentscheidungen zu unterstützen.

Klinische Konsequenzen

Ein isolierter Blick auf den T-Score kann zu Fehlentscheidungen führen:

  • Ein niedriger T-Score ohne weitere Risikofaktoren bedeutet nicht zwingend Behandlungsbedarf.
  • Umgekehrt kann bei moderat verringerter oder sogar normaler KMD eine Therapie indiziert sein, wenn zusätzliche Risikofaktoren vorliegen – etwa nach einer Fragilitätsfraktur.

Die moderne Osteoporose-Diagnostik folgt daher einem integrativen Ansatz: Knochendichte, klinische Risikofaktoren und FRAX®-Berechnung bilden gemeinsam die Grundlage für eine individualisierte Therapieentscheidung.