Besonders die asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) hat sich in den letzten Jahren in Europa und auch in Österreich, etwa im Raum Wien, etabliert. Dr.in Angelika Wagner, Institut für Spezifische Prophylaxe und Tropenmedizin, Medizinische Universität Wien, wies am Anfang ihres Vortrages zu Dengue- und Chikungunya-Fieber auf die damit einhergehende steigende Wahrscheinlichkeit autochthoner Übertragungen direkt vor unserer Haustür hin.
Dengue-Infektionen zählen zu den häufigsten reiseassoziierten Erkrankungen bei nichtimmunen Fernreisenden.1 Die Übertragung erfolgt primär durch tagaktive Mücken der Gattung Aedes. Wagner: „Auch wenn für Kurzzeitaufenthalte in klimatisierten Hotels das Risiko geringer scheint, bleibt konsequenter Mückenschutz essenziell, da Brutstätten von Stechmücken auch in unmittelbarer Nähe von Hotelanlagen oder Konferenzzentren zu finden sind.“ Klinisch präsentiert sich eine Dengue-Infektion oft mit hohem Fieber, starken Kopf- und Gliederschmerzen sowie teilweise einem Exanthem, sie verläuft in 40–80 % der Fälle asymptomatisch und bei rund 2 % schwer.2 „Bei adäquater medizinischer Versorgung kann die Letalität drastisch gesenkt werden“, informiert Wagner. Während die Erstinfektion meist gutartig verläuft, steigt bei einer Zweitinfektion mit einem anderen der 4 Serotypen das Risiko für schwere Verläufe.3 Für die Praxis bedeutet das: Reisende, die bereits einmal Dengue-Fieber hatten, benötigen eine besonders sorgfältige Beratung.
Zur Impfprävention steht in Österreich ein Lebendimpfstoff zur Verfügung, für den lt. aktuellem Impfplan Österreich4 keine allgemeine Empfehlung besteht, der jedoch für bestimmte Indikationen empfohlen wird (Tab.). Angelika Wagner: „Die notwendige 2-malige Gabe im Abstand von 3 Monaten ist manchmal problematisch, weil Reisende meist kurzfristig zur Beratung kommen.“ Der Impfung konzediert Wagner eine hohe Schutzrate, in Bezug auf schwere Nebenwirkungen gebe es vs. Placebo keine Sicherheitssignale, aber: „Bei manchen Personen wurde mittlerweile s.g. Impf-Dengue-Fieber beschrieben, mit Symptomen wie bei einer echten Dengue-Infektion, an die man in den 1–2 Wochen nach der Impfung denken sollte.“
„Chikungunya“ bedeutet übersetzt „der gekrümmt Gehende“, das beschreibt treffend das klinische Leitsymptom: massive, oft immobilisierende Gelenkschmerzen. Die Erkrankung verläuft in etwa 70 % der Fälle symptomatisch und beginnt meist schlagartig mit hohem Fieber sowie teilweise mit makulopapulösem Exanthem.5 Obwohl die Letalität gering ist (< 1 %), stellt die Morbidität ein erhebliches Problem dar. Bei bis zu 50 % der Patient:innen halten die Arthralgien länger als 3 Monate an, bei einem Viertel sogar über ein Jahr.6 Da die Pathogenese Ähnlichkeiten zur rheumatoiden Arthritis aufweist, ist bei persistierenden Beschwerden oft eine rheumatologische Mitbetreuung erforderlich.6
Zur Impfprävention bei Chikungunya-Fieber stehen sowohl ein Lebend- als auch ein Totimpfstoff (VLP – virusähnliche Partikel) zur Verfügung (Tab.).4 Wagner: „Beide Impfstoffe wurden anhand von immunologischen Daten zugelassen, jedoch stehen klinische Wirksamkeitsdaten aufgrund der unvorhersehbaren Epidemiologie noch aus.“ Beide Impfstoffe werden als Einmaldosis verabreicht und zeigen einen raschen Aufbau der Immunantwort innerhalb von 14 Tagen. Beim Lebendimpfstoff ist jedoch Aufmerksamkeit geboten: „In seltenen Fällen können impfassoziierte chikungunyaähnliche Symptome auftreten. Die Lebendimpfung sollte daher nur bei signifikantem Infektionsrisiko erfolgen. Bei Personen über 65 Jahre nur nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung“, betont die Expertin.
Dr. David Springer, Zentrum für Virologie, Medizinische Universität Wien, warnte in seinem Vortrag, dass Hepatitis A in Westeuropa oft unterschätzt werde, da sie aufgrund hoher Hygienestandards nicht mehr regelmäßig zirkuliert. Besonders in Risikogruppen (Tab.) kann es jedoch zu temporären Ausbrüchen kommen, u. a. weil das Virus extrem umweltstabil ist.7 Springer: „Beim Ausscheiden im Darm lösen die Gallensalze die Virushülle auf, das nackte Virus ohne Hülle kann wochenlang mitunter im Trinkwasser oder auf Lebensmitteln infektiös bleiben.“ Dass die Gefahr real ist, so Springer, zeige ein größerer Ausbruch in Österreich im Jahr 2025 mit über 230 gemeldeten Fällen und 4 Todesfällen – ungewöhnlich vielen im langjährigen Vergleich. Klinisch verläuft die Infektion stark altersabhängig. Während Kinder oft asymptomatisch bleiben (bei > 70 %), erkranken > 70% der Erwachsenen symptomatisch mit Prodromi (Fieber, Übelkeit, Malaise, abdominelle Schmerzen), gefolgt von der typischen akuten Hepatitis mit Ikterus, dunklem Urin, hellem Stuhl, Juckreiz, Fieber sowie Kopf-/Gelenk-/Muskelschmerzen, auch Ausschlag ist möglich.7 Besonders tückisch: Die Inkubationszeit beträgt durchschnittlich 28 Tage, aber die Ansteckungsgefahr beginnt bereits 2 Wochen vor Symptombeginn, fällt dann aber nach Symptombeginn rasch ab, obwohl das Virus im Stuhl potenziell noch nachweisbar ist. Die Crux demnach, so Springer: „Die positive PCR im Stuhl ist kein guter Beweis für eine anhaltende Kontagiosität.“ Ein chronischer Verlauf existiert nicht, doch das Risiko eines akuten Leberversagens steigt mit zunehmendem Alter.
Die Impfung gilt als hochwirksam und bietet nach einer monovalenten Dosis bereits nach 3 Wochen Schutz für die anstehende Reise.4 Eine zweite Dosis nach 6 Monaten komplettiert das Schema und sorgt für eine Immunität von mindestens 30 Jahren.4 Wichtig für die Praxis: Bei Kombinationsimpfstoffen (Hepatitis A + B) reicht eine einzelne Dosis aufgrund der geringeren Antigenmenge nicht für einen sicheren Schutz vor der Abreise aus.