Qualitätsmanagement: Mehr als nur Daten sammeln

Das Klinikum Krems ist mit seinen zwölf Klinischen Abteilungen und fünf Klinischen Instituten eine wichtige regionale Gesundheitseinrichtung in Niederösterreich und beschäftigt über 1.200 Mitarbeiter. In Abstimmung mit der NÖ Landeskliniken-Holding wurde bereits seit dem Jahr 2006 mit dem Qualitätsmanagementtool EFQM an der kontinuierlichen Verbesserung der Prozesse und Leistungen gearbeitet. Durch diese Methode der Selbstbewertung kommen viele Verbesserungsvorschläge von den Mitarbeitenden. Das hat den Vorteil, dass sich die Mitarbeiter mit der Organisation besser identifizieren, sich ernst genommen fühlen und motiviert sind, ihren Beitrag zur Erreichung eines optimalen Ablaufs zu leisten. „Zahlreiche Potenziale, die in den EFQM-Selbst- und -Fremdbewertungen identifiziert wurden, spiegeln sich in Maßnahmen und Projekten wider, die sich direkt oder indirekt auf die Patienten auswirken. So wurden beispielsweise im UK Krems der tagesonkologische sowie der tagesklinische Bereich über die Jahre, entsprechend unserer Strategie, sukzessive ausgebaut. Das Einfließen der Feedbacks aus den Patientenbefragungen und Audits sowie daraus abgeleitete Maßnahmen gehören ebenso wie regelmäßige Abstimmungen im Rahmen von Qualitäts-und Risikomanagementbesprechungen zum Regelzyklus“, erklärt Katharina Linsbauer, MA, Leiterin Stabstelle Qualitätsmanagement am Universitätsklinikum Krems.

Behandlungsschritte noch wirkungsvoller

Gemäß dem letzten EFQM-Feedback aus der Staatspreis-Bewerbung 2017 hat sich das Spital noch mehr auf das medizinische und pflegerische Leistungsportfolio konzentriert. Im Bereich der Onkologie wird nun die erste Zertifizierung als Organkrebszentrum nach den Kriterien der Deutschen Krebsgesellschaft angestrebt. „Die Anforderungen, die zu erfüllen sind, wirken sich direkt und nachweislich im positiven Sinne auf die Patienten aus“, ist Dr. Evamaria Brodner, MBA, Assistentin des Ärztlichen Direktors am Universitätsklinikum Krems, überzeugt. Durch die Umsetzung des Zentrumsgedankens werden die Behandlungsschritte noch wirkungsvoller und die Zusammenarbeit zwischen den am Behandlungsprozess involvierten Abteilungen und Bereichen weiter ausgebaut. Für die Patienten heißt das: kürzere Aufenthaltsdauer, optimierter Informationsfluss, strukturierter Ablauf und ein messbarer Behandlungspfad.
Es gibt viele Maßnahmen, die dazu beitragen, dass das Qualitätsmanagementsystem die Patientensicherheit im Universitätsklinikum Krems beeinflusst, wie etwa Checklisten und Standards, die im Tagesablauf unterstützen und gleichzeitig hochsensible Tätigkeiten im Hinblick auf die Erfüllung der Mindestanforderungen prüfen. Die QM-Systeme fordern die regelmäßige Evaluierung von Vorgängen im Sinne eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses und stellen so sicher, dass am Puls der Zeit gearbeitet wird und die Patienten nach den neuesten Erkenntnissen behandelt werden. „Durch die periodischen internen und externen Audits werden Risikopotenziale erkannt und Maßnahmen abgeleitet, um für die Patienten- wie auch Mitarbeitersicherheit Sorge zu tragen“, fasst die Qualitätsmanagerin zusammen.

Tun wir die Dinge richtig?

Die Ergebnisqualität spiegelt sich unter anderem in Kennzahlen wider. „So ist beispielsweise die Aufenthaltsdauer eine Kennzahl, die wir durch optimierte Organisation im stationären Ablauf die letzten Jahre sukzessive verbessern konnten. Im Rahmen der Staatspreis-Bewerbung 2017 wurden wir angehalten, unter dem Aspekt der Prozessqualität auf das Wirken unserer Abläufe zu achten. Wir fokussieren uns also noch mehr als bisher auf die Evaluierung und Steuerung unserer Behandlungsabläufe. So wurden beispielsweise administrative Tätigkeiten, die früher Ärzte erledigt haben, an Dokumentationsassistenten delegiert, mit einem Mehrwert sowohl für den Behandler wie auch für den Behandelten“, freut sich Brodner. Ein standardisiertes Vorgehen für die einzelnen Krankheitsbilder sowie die bereitgestellten, einheitlichen Informationen für Patienten sind nur einige Beispiele für die Qualitätsarbeit, die auch beim Patienten „spürbar“ ankommt.
Viele Faktoren beeinflussen die Patientensicherheit – allen voran sicher die ausreichende Anzahl an qualifiziertem Personal, aber auch die infrastrukturelle und technische Ausstattung. Last, but not least ist der Umgang mit dem Patienten ein wesentlicher Faktor: „Es gilt, den Menschen als Gesamtes und nicht nur seine Krankheit oder eine einzelne Diagnose zu betrachten.“

 

 

Faktencheck

EFQM-Modell

EFQM steht für European Foundation for Quality Management und beschreibt ein Unternehmensmodell, das eine ganzheitliche Sicht auf Organisationen ermöglicht. Es wurde als Antwort Europas auf den US-amerikanischen Malcolm Baldrige National Quality Award (MBNQA) und den japanischen Deming-Preis entwickelt. Es bietet Organisationen Hilfestellung für den Aufbau und die kontinuierliche Weiterentwicklung von umfassenden Managementsystemen. Das Modell umfasst die drei Säulen: Menschen, Prozesse und Ergebnisse. Auf der Grundlage von Selbstbewertungen werden Stärken und Verbesserungspotenziale ermittelt und umgesetzt. Um dauerhaft „Business Exzellenz“-Ergebnisse zu erzielen, werden alle Mitarbeiter in den kontinuierlichen Verbesserungsprozess eingebunden

Interview mit: Katharina Linsbauer, MA

Leiterin Stabstelle Qualitätsmanagement, Universitätsklinikum Krems

Foto: Philipp Monihart


Interview mit: Dr. Evamaria Brodner, MBA

zert. Risikomanagerin, Assistentin des Ärztlichen Direktors, Universitätsklinikum Krems

Foto: UK Krems


MP 01|2020

Herausgeber: AUSTROMED, lnteressensvertretung der Medizinprodukte-Unternehmen
Publikationsdatum: 2020-03-30