Sicherheit braucht Technik

In Österreich gibt es derzeit rund 300 Krankenanstalten und eine Vielzahl an Ärztezentren, Pflegeheimen, Rehabilitationszentren, Altenheimen sowie Einrichtungen für betreutes Wohnen. In all diesen Gesundheitseinrichtungen erfüllen Techniker wichtige Aufgaben zur Sicherung der medizinischen Kernaufgaben. Ein Fokus liegt dabei auf der Patientensicherheit. „Die technischen Möglichkeiten verändern sich derzeit in einem Tempo, das es nicht erlaubt, sich auf einst gelerntem Fachwissen oder bisherigen Erfahrungen auszuruhen“, ist Martin Krammer, Präsident des Österreichischen Verbandes der KrankenhaustechnikerInnen (ÖVKT) und Geschäftsführer der VAMED-KMB, überzeugt. Das kontinuierliche informative Update und die Qualifikation des technischen Personals im Krankenhaus sind seit 20 Jahren Ziel des Österreichischen Berufsverbandes für KrankenhaustechnikerInnen. Im Gespräch gibt der ÖVKT-Präsident Einblick in die vielfältigen Herausforderungen der Berufsgruppe.

Welche Rolle spielt die Krankenhaustechnik bei der Leistungserstellung unter dem Aspekt, Patienten möglichst sicher zu betreuen?

Der Österreichische Verband der KrankenhaustechnikerInnen fungiert als Plattform für Technik im Gesundheitswesen und repräsentiert die Bau-, Haus-, Betriebs-, Medizin-, Sicherheits- sowie Informationstechnik. Das zeigt schon, in wie vielen unterschiedlichen Bereichen die sichere Leistungserstellung – und zwar für Mitarbeiter, Patienten und Besucher – in Gesundheitseinrichtungen auf Technik angewiesen ist.

Welche Themen sind es, die dazu beitragen, die Sicherheit zu erhöhen?

Ein traditionelles Thema ist die Versorgungssicherheit, wo man rasch an die Krankenhaustechnik denkt. Stromausfälle und Blackouts sind in den letzten Jahren immer mehr ein Thema geworden, aber das allein ist es ja nicht. Notstromaggregate helfen auch nur dann, wenn im Ernstfall der Dieselnachschub funktioniert. Medizinische Gase, Vakuum, Druckluft – es gibt viele Bereiche in der Medizin, wo eine unterbrechungsfreie Versorgung gewährleistet sein muss. Wir kümmern uns nicht nur am „Point of Patienten“ darum, sondern von der Quelle über das gesamte Verteilernetz bis zum Anwender. Laufender Service, Wartungen und Tests sind Standardprozeduren. Und all das muss nicht nur 100 % sicher laufen, sondern auch in einem wirtschaftlich vertretbaren Rahmen geschehen.

Ist Security auch ein Technikthema?

Die Übergriffe auf Krankenhauspersonal haben auch dieses Thema aktuell wieder in den Fokus der Medien gerückt. Vor ca. 20 Jahren waren die Spitäler noch vor derartigen Übergriffen oder Diebstählen in großem Rahmen verschont. Wir haben es jetzt teilweise mit einer europaweiten Bandenkriminalität im Spital zu tun, die völlig neue Anforderungen zum Beispiel an Zutrittskontrollen oder die Videoüberwachung stellt. Spitäler sollten möglichst 24/7 für Notfälle offen sein und haben dazu unzählige Ein-und Ausgänge, die aber auch vor unerwünschten Eindringlingen immer mehr Schutz erfordern.
Für die Menschen im Spital enorm wichtig, aber oft übersehen ist der Brandschutz. Allein im AKH Wien haben wir mehr als 36.000 Rauchmelder, die täglich funktionieren müssen und von uns geplant, installiert und gewartet werden. Selbstverständlich sind Sicherheitstüren oder Aufzüge ebenfalls ein Technikthema.

Wo braucht es in der medizinischen Kernleistung die Krankenhaustechnik?

Hier geht es um die Anlagenverfügbarkeit. Wenn zum Beispiel in einem OP die Lüftung nicht funktioniert, so muss er außer Betrieb genommen werden, damit keine Gefahr für Patienten entsteht. Neben Luft ist auch Wasser ein Thema, beides muss sehr eng mit der Krankenhaushygiene abgestimmt sein und wird mit Krankenhaustechnikern konzipiert, umgesetzt und aufrechterhalten. Regelmäßige Messungen sorgen dafür, dass es nicht zur Ausbreitung von Keimen kommt. Hier sind wir dann auch schon beim Thema Bau und Bauplanung, das heißt alle Zuleitungen zu den Geräten oder auch die Demontage gehen nicht an der Krankenhaustechnik vorbei. Beleuchtung und Lichtausbeute sind genauso unser Arbeitsbereich wie etwa der Insektenschutz.
Viele Medizinprodukte, vor allem Großgeräte, sind von der Medizintechnik nicht zu trennen. Das beginnt bei der Abstimmung mit dem Einkauf, welche Geräte überhaupt benötigt werden, bis hin zu den regelmäßigen Schulungen. So simple Dinge wie deutsche Betriebsanleitungen oder Zulassungen am heimischen Markt zu prüfen fallen auch in unseren Aufgabenbereich.

Wie ist die Aus-und Weiterbildung der Krankenhaustechniker organisiert?

Wir können heute durch die moderne Medizin vieles in Angriff nehmen, heilen, behandeln, was vor Jahrzehnten noch den Tod oder lebenslanges Leiden bedeutet hätte. Und vieles davon wurde durch den technischen Fortschritt katalysiert. Gleichzeitig lässt diese Fülle an Leistungen, die möglich sind oder zumindest möglich scheinen, die Erwartungshaltung an die Medizin deutlich steigen. Schneller, höher und weiter muss es gehen und das lässt sich nicht mehr allein durch Menschlichkeit und Zuwendung realisieren. Die Technik muss her und den Rahmen garantieren, dass das Unmögliche möglich wird. Wir haben dazu seit über 14 Jahren einen deutschsprachigen Lehrgang „Management im Gesundheitswesen“ mit über 100 Absolventen, der jetzt zusätzlich, in gewohnter Manier in Partnerschaft mit der Donauuniversität, international und englischsprachig stattfinden wird.
Für Facharbeiter in der Medizin- und Betriebstechnik gibt es gemeinsam mit dem Medizintechnikcluster entwickelte, passende Fortbildungen, die auf die speziellen Anforderungen im Spital abgestimmt sind.
Wesentlich ist auch der Aufbau der Wissensdatenbank „Technik im Gesundheitswesen“, die im Forum DACH gelungen ist. Hier tauschen die Krankenhaustechnikervereinigungen aus Österreich, Deutschland, Holland und der Schweiz Wissen, neueste Erkenntnisse, Kennzahlen und Best-Practice-Beispiele aus. Sie bündeln ihre Kompe-tenzen, um technischen Sachverstand in europäische Gesetze, Verordnungen und Normen einfließen zu lassen und der berufsständischen Vertretung ihrer Mitglieder mehr Nachdruck zu verleihen. In verschiedenen Arbeitsgruppen werden Lösungen für Themen erarbeitet, die den Technikmanagern im Gesundheitswesen besonders unter den Nägeln brennen.

 

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  1. bis 25. September 2020
  2. ÖVKT-JAHRESTAGUNG in Pörtschach am Wörthersee

www.oevkt.at

Interview mit: DI Martin Krammer, MSc

Präsident des Österreichischen Verbandes der Krankenhaus­technikerInnen (ÖVKT)


MP 01|2020

Herausgeber: AUSTROMED, lnteressensvertretung der Medizinprodukte-Unternehmen
Publikationsdatum: 2020-03-30