SP 01|2012

Herausgeber: Univ.-Prof. Dr. Michael Musalek

Editorial

  • Burn-out als Erlebensprozess und Krankheitsgeschehen

    Burn-out als besondere Form eines Erlebensprozesses, der in späten Stadien in ein Krankheitsgeschehen münden kann, ist untrennbar mit Arbeit verbunden; nur wer jemals „gebrannt hat“ kann auch „ausbrennen“. So sehr Burnout mit viel arbeiten assoziiert ist, so wenig ist Burn-out auf ein reines Viel-Arbeiten- Syndrom zu reduzieren, zu komplex sind die individuellen Entstehungsgeschichten dieser Leidensform. Nicht jeder, der viel arbeitet, entwickelt auch schon ein Burn-out. Es ist also nicht nur die Arbeitsquantität alleine, sondern vor allem auch die eingeschränkte bis fehlende Arbeitsqualität, die als treibende Kraft in Entstehung, Entwicklung und Fortbestand wirksam wird.

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Focus: Burn-Out

  • Burn-out bei professionellen Helfern in Psychiatrie und Psychotherapie

    Seit der Psychiater Herbert  Freudenberger vor 40 Jahren  den Begriff Burn-out in die  Wissenschaft einführte, hat  dieser Begriff bei oberfläch –  licher Betrachtung einen  nur schwer verstehbaren  Siegeszug in der westlichen  Welt vollzogen. Kaum  jemand, der den Begriff  „Burn-out“ noch nicht gehört  hat. Und kaum jemand, der  sich noch nicht auch schon  mal als „ausgebrannt durch  seine Arbeit“ bezeichnet  hätte. Woher kommt dieser  Begriff, und wie erklärt sich  die große Popularität?

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  • Burn-out und Arbeit(ssucht): Ideengeschichte und Bestandsaufnahme

    Burn-out ist in den letzten Jahren zu einer hoch attraktiven und häufig gestellten Diagnose geworden, doch es stellt sich die Frage, ob Burn-out nur als ein mehr oder weniger spezifischer Leidenszustand, als eine pathologische Entwicklung, als ein medizinisches Syndrom oder als eine eigenständige Erkrankung anzusehen ist. Die Beantwortung dieser keineswegs einfachen Frage ist insofern von großer Wichtigkeit, als sie enorme Auswirkungen auf Umgang und Hilfestellung bis hin zur medizinischen Behandlung von an Burn-out Leidenden hat.

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  • Burn-out und Vulnerabilität

    Nach anfänglicher Überbewertung der ursächlichen Bedeutung externer Faktoren aus der Arbeitswelt hat sich zunehmend gezeigt, dass das Risiko einer Burn-out-Entwicklung auch ganz erheblich von individuellen Vulnerabilitätsfaktoren abhängen kann. Viele Befunde sprechen dafür, dass speziell eine überhöhte Leistungsmentalität mit Verzicht auf eigene Ansprüche einen erheblichen Dispositionsfaktor darstellt. Der vorliegende Beitrag befasst sich mit der Frage, inwieweit nachhaltige Störungen der Selbstwertregulierung eine Schlüsselrolle für die Entwicklung von Burn-out-Prozessen spielen.

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  • Differenzialdiagnosen des Burn-out

    Fundierte differenzialdiagnostische Überlegungen sind immer als Teil der Diagnostik eines Krankheitsbildes zu verstehen. Daher soll auch hier zu Beginn die Definition und die Kernsymptomatik des Burn-out-Syndroms skizziert werden. Von besonderer Relevanz ist der Zusammenhang zwischen Burn-out und Depression, da hier ein breiter Überlappungsbereich besteht und Burn-out einen Risikofaktor für die Entwicklung einer Depression darstellt.

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  • Behandlung von Burn-out

    In der Behandlung von Burn-out erscheint es wichtig, die dynamischen Faktoren dieses Phänomens zu berücksichtigen. Das therapeutische Vorgehen sollte individuell zugeschnitten sein und verfügt potenziell über eine breite Palette von Entspannungsübungen, Ressourcenorientierung, Arbeitskarenz, psychotherapeutischen und – wenn nötig – auch psychopharmakologischen Ansätzen.

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  • Internistische Folgen des Burn-out

    Burn-out kennzeichnet einen Verausgabungsprozess, an dessen Ende Erschöpfung, reduzierte Leistungsfähigkeit und (zynische) Distanzierung von ehemals stark positiv besetzten Zielen stehen. Die individuellen Folgen von Burn-out sind erheblich: Das Spektrum reicht von Depressionen bis zu chronischen physischen Erkrankungen. Dabei gilt vor allem der Zusammenhang zwischen Burn-out und Herz-Kreislauf-Erkrankungen als gesichert.

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  • Präventionskonzepte zu Burn-out aus arbeits- und organisationspsychologischer Sicht

    Burnout ist aus arbeits- und organisationspsychologischer Sicht ein Syndrom, das einerseits auf individuelle, andererseits auf organisatorisch problematische Strategien im Umgang mit Belastungen hinweist. Der Begriff wird vielfach sehr weit gefasst und scheint an Griffigkeit zu verlieren. Eine nachhaltige Prävention ist jedoch nur bei Berücksichtigung des Arbeitsumfeldes und der spezifischen Interaktion von Person und (Arbeits-)Umfeld möglich.

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  • Arbeit im Wandel der Zeit

    Begriffs-, ideen- und mythengeschichtliche Untersuchungen zeigen, dass Arbeit im europäischen Abendland bis zur Neuzeit negativ bewertet wurde. Die Muße war in der Antike und im Mittelalter mehr wert als die Arbeit. Das änderte sich mit der Reformation und der industriellen Revolution. Bei Marx und Engels wurde das Recht auf Selbstverwirklichung durch die Arbeit eingefordert und Entfremdungs- und Ausbeutungsverhältnisse angeklagt. Gegenwärtig gibt es einen Trend zur „freiwilligen Selbstausbeutung“, was die traditionelle Interpretation der Herrschaft, die Dialektik von Herr und Knecht, zu einer Revision zwingt.

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Kongress

  • DGPPN 2011: Persönlichkeitsstörungen: Auf dem Weg zum DSM-V

    Im DSM-V wird eine Reduktion auf 6 spezifische Persönlichkeitsstörungen, die am besten empirisch validiert sind, vorgeschlagen. Ihr Ausprägungsgrad wird hinsichtlich der Übereinstimmung mit einem Prototyp bewertet und jeder Prototyp anhand von typischen Defiziten im Funktionsniveau, symptomatischem Verhalten sowie in pathologischen Persönlichkeitsmerkmalen identifiziert. Stabile Persönlichkeitsdimensionen sollen zukünftig bei allen Patienten beschrieben und in ihrem Ausprägungsgrad beurteilt werden.

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  • DGPPN 2011: Personalisierte Psychiatrie

    Mit „personalisierter Medizin“ stand ein aktuelles wie kontroversielles Thema im Mittelpunkt des DGPPN 2011. Nachdem lange evidenzbasierte Medizin mit dem Vergleich von Mittelwerten als das Maß aller Dinge galt, rückt heute personalisierte Diagnostik und Therapie in den Fokus. Ist personalisierte Psychiatrie zukünftige Realität oder Fiktion der neurowissenschaftlichen Forschung? Ein Traum oder ein Alptraum? Nicht neu, sagen die Kritiker, da täglich individuelle Menschen mit ihren Erkrankungen individuell behandelt werden.

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  • DGPPN 2011: Psychische Erkrankungen sind mehr als Gehirnkrankheiten

    „Personalisierte Medizin“ – die psychiatrisch-kulturwissenschaftliche Perspektive

    Personalisierte Psychiatrie, das Motto des DGPPN 2011, gäbe Anlass zur Irritation. „Personalisierte Psychiatrie scheint zu implizieren“, so Prof. Dr. Thomas Fuchs, „dass sich die Psychiatrie nun der individuellen Person des Erkrankten zuwenden will und man fragt sich, ob wir Psychiater das bislang noch nicht getan haben. Und man fragt sich, ob es nicht eine bald 100-jährige Tradition phänomenologischer Psychiatrie gibt, in der ein umfassendes Verständnis der Person eine zentrale Rolle spielt.“

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  • DGPPN 2011: Psychose und Zwang – Von der Pathogenese zur Therapie

    Bis zu 30 % der Schizophreniepatienten leiden komorbid an einer klinisch relevanten Zwangssymptomatik, die den Krankheitsverlauf verkompliziert. Besonders unter einer Behandlung mit antiserotonergen atypischen Antipsychotika kann es zu sekundären Zwangssymptomen kommen. Für Clozapin ist eine kausale Beziehung sehr wahrscheinlich, wie aktuelle Daten nahelegen.

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  • API 2012: Das Orpheusprogramm als Antwort auf Burn-out

    Ressourcenorientierte stationäre Burn-out-Behandlung

    Für an Burn-out Leidende hat das Funktionieren im Arbeitsprozess den höchsten Stellenwert. Im Laufe der Erkrankung kommt es neben einem Energieverlust mit dem Kardinalssymptom der Erschöpfung zu einem Verlust an Möglichkeiten und Perspektiven. Der Betroffene ist weder in der Lage, Veränderungsmöglichkeiten wahrzunehmen, noch traut er sich die dafür nötige Kompetenz selbst zu1. Im Final – sta dium versiegt die Fähigkeit, das Schöne wahrzunehmen, sowie die Genussfähigkeit. Die Behandlung des Burn-out fokussiert darauf, so faszinierende und begeisternde Lebensmöglichkeiten zu eröffnen, dass der Betroffene eine Neubewertung der Arbeit, aber auch der Erholungsqualität selbst einleiten kann.

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Für die Praxis

  • Bipolare Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen: überschätzt oder unterdiagnostiziert?

    Während in den USA sowohl bei stationären als auch bei ambulanten Patienten seit Mitte der 1990er Jahre die Zahl der Diagnose „bipolare Störung“ bei Kindern und Jugendlichen explodierte, herrschten in anderen Weltgegenden Skepsis und Zurückhaltung vor. Viele Entwicklungsschritte dieser (für uns europäische Kinder- und Jugendpsychiater) manchmal verwirrenden Datenlage sind aus heutiger Sicht jedoch besser nachvollziehbar. Aktuelle epidemiologische Befunde lassen mittlerweile einen differen – zierteren Blick auf Prävalenz und Entwicklung der bipolaren Störung im Kindes- und Jugendalter zu. Neue Modelle zur Beschreibung von Stimmungsschwankungen bei jungen Menschen stehen in den wissenschaftlichen Startlöchern und werden derzeit evaluiert.

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Panorama