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Die am ASCO 2018 von Dr. Georgina V. Long präsentierten 4-Jahres-Daten der Phase-III-Studie KEYNOTE-006 belegen einen signifikanten Langzeitüberlebensvorteil durch Pembrolizumab vs. Ipilimumab bei Patienten mit fortgeschrittenem Melanom.

Die Studie KEYNOTE-006 (NCT01866319) erbrachte den Nachweis der Überlegenheit von Pembrolizumab gegenüber Ipilimumab beim inoperablen Melanom in den Stadien III, IV. Die finalen 2-Jahres-Daten wurden 2017 in Lancet publiziert. Das Update der Studie liefert nun 4-Jahres-Daten zum Outcome (PFS, OS) sowie Daten zum weiteren Verlauf der Patienten nach abgeschlossener Therapie.

Studiendesign

834 Patienten wurden 1: 1: 1 in den Erhalt von Pembrolizumab 10 mg/kg Q2W oder Pembrolizumab 10 mg/kg Q3W oder 4 Zyklen Ipilimumab 3 mg/kg Q3W randomisiert. Die Behandlung mit Pembrolizumab war für einen Zeitraum von 2 Jahren angesetzt, sofern die Therapie vertragen wurde und keine Progression auftrat. Der primäre Studienendpunkt war das Gesamtüberleben (OS), sekundäre Endpunkte waren das progressionsfreie Überleben (PFS), die Ansprechrate (ORR) und die Dauer des Ansprechens (DOR). Eine erneute Behandlung mit Pembrolizumab für 1 Jahr war für jene Patienten vorgesehen, bei denen es nach 2-jähriger abgeschlossener Therapie zu einer Progression kam.

Studienergebnisse

Gesamtpopulation: Nach einem medianen Follow-up von 45,9 Monaten (Daten-Cut-off: 4. Dezember 2017) betrug die 4-Jahres-OS-Rate 42 % in den gepoolten Pembrolizumab-Armen (n = 556) verglichen mit 34 % im Ipilimumab-Arm (n = 278). Die ORR lag bei 42 % für Pembrolizumab und bei 17 % für Ipilimumab. Die mediane DOR war zum Zeitpunkt des Daten-Cut-offs weder für Pembrolizumab noch für Ipilimumab erreicht; 62 % der mit Pembrolizumab und 59 % der mit Ipilimumab behandelten Patienten wiesen eine anhaltende Response von ≥ 42 Monaten auf.

Bei den behandlungsnaiven Patienten lag die 4-Jahres-OS-Rate bei 44 % in den gepoolten Pembrolizumab-Armen (n = 368) und bei 36 % im Ipilimumab-Arm (n = 181). Die ORR betrug 47 % für Pembrolizumab und 17 % für Ipilimumab. Die mediane Ansprechdauer war beim Daten-Cut-off für Pembrolizumab und Ipilimumab noch nicht erreicht; 65 % der mit Pembrolizumab und 68 % der mit Ipilimumab behandelten Patienten wiesen eine anhaltende Response von ≥ 42 Monaten auf.

Abgeschlossene Behandlung: 103 von 556 Patienten beendeten die zweijährige Pembrolizumab-Therapie gemäß Studienprotokoll. Nach einem medianen Follow-up von 20,3 Monaten nach Therapieende lebten 86 % der Patienten progressionsfrei. Die mediane DOR war 9,7 Monate; es gab keine Grad-3/4-Nebenwirkungen oder Todesfälle.

Fazit

Pembrolizumab bietet dauerhafte Antitumoraktivität sowohl bei therapienaiven als auch bei vorbehandelten Patienten mit fortgeschrittenem Melanom. Patienten, die die zweijährige Immuntherapie mit Pembrolizumab beenden, zeigen ein langanhaltendes Ansprechen und progressionsfreies Überleben.

Quelle: Long GV et al., J Clin Oncol 36, 2018 (suppl; Abstr 9503)

Fotocredit: Shutterstock

2018-06-04

Kommentar Univ.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Erika Richtig, FOA

Die Studie KEYNOTE-006 ist für den klinischen Alltag von praktischem Interesse, weil PD-1-Antikörper in der Therapie des metastasierten Melanoms bis zur Progression oder Unverträglichkeit zugelassen sind. In dieser Studie hingegen wurde die Therapie nach 2 Jahren beendet – unabhängig davon, in welchem Stadium sich die Patienten befunden haben. Ein Update darüber, welchen Verlauf Patienten im Weiteren genommen haben, ist wichtig, nachdem wir immer wieder vor der Frage stehen: Patient in kompletter Remission – sollen wir weiter therapieren? Patient in partieller Remission, aber über längere Zeit – wie gehen wir weiter vor?

Grundsätzlich zeigen sich auch nach einem Follow-up von 4 Jahren exzellente Ergebnisse in Hinblick auf das progressionsfreie Überleben und das Gesamtüberleben.

Bei der spannenden Frage des Verlaufs von Patienten, die mehr als 94 Wochen Pembrolizumab erhalten hatten, zeigt sich Folgendes: 103 Patienten haben die Behandlung über diesen Zeitraum erhalten. Von den 103 Patienten befanden sich 28 in kompletter Remission, 65 in partieller Remission, und bei 10 Patienten war die Erkrankung stabil. Der Großteil der Patienten mit Komplettremission war nach Absetzen der Therapie und Nachbeobachtung von fast 2 Jahren in kompletter Remission geblieben, nur zwei wurden progredient. Diese Ergebnisse können uns ermutigen mit Patienten in kompletter Remission ein Absetzen der Therapie zu besprechen. Von den 65 Patienten in partieller Remission sind 56 Patienten in partieller Remission geblieben, 9 Patienten wurden progredient. Ähnlich verhält es sich bei den 10 Patienten in stabiler Erkrankung: 7 Patienten blieben stabil, 3 wurden progredient.

Die progredienten Patienten wurden jedoch erneut behandelt, z.T. mit Pembrolizumab, und haben großteils auch wieder auf die Therapie angesprochen. Auch dieses Ergebnis ist ermutigend, denn wir können Patienten damit kommunizieren, dass im Falle einer Progression nach Absetzen einer erfolgreichen immunonkologischen Therapie erneut die Chance besteht, auf dieselbe Therapie wieder anzusprechen.

 

Quelle:  Best of ASCO 2018 Annual Meeting, Vortrag „Melanom“ von Univ.-Prof. Priv.-Doz. Dr. Erika Richtig, FOA, 22.6.2018, Wien

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