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EGFR bei Darmkrebs-Patienten wird nicht nur auf Tumorzellen, sondern auch auf den tumorumgebenden Immunzellen exprimiert.

Ein Forschungsprojekt von Univ.-Prof. Dr. Maria Sibilia, Vorstand am Institut für Krebsforschung der MedUni Wien, geht der Frage nach, ob das primäre Target zielgerichteter Therapien immer die Tumorzelle ist, oder ob zielgerichtete Therapien auch über das Immunsystem zur Wirkung kommen. Die Arbeitsgruppe hat sich mit dem EGF-Rezeptor beschäftigt und eine Assoziation der EGFR-Expression mit tumorinfiltrierenden Makrophagen gefunden.

Der EGF-Rezeptor spielt in der Genese des Kolorektalkarzinoms eine wichtige Rolle. Anti-EGFR-Antikörper sind in dieser Indikation eine Säule der zielgerichteten Therapie, allerdings profitieren nicht alle grundsätzlich in Frage kommenden Patienten davon. Das könnte daran liegen, dass EGFR bei Darmkrebs-Patienten nicht nur auf Tumorzellen, sondern auch auf den tumorumgebenden Immunzellen exprimiert wird. „Wir konnten im Mausmodell zeigen, dass EGFR-positive myeloische Zellen das Tumorwachstum ankurbeln. Durch Abschalten des EGF-Rezeptors in diesen Immunzellen wurde das Wachstum so gut wie gestoppt“, sagt Sibilia.

EGFR-positive myeloische Zellen – schlechtere Überlebensprognose

Darüber hinaus konnte die Arbeitsgruppe auch zeigen, dass Kolorektalkarzinompatienten eine schlechtere Überlebensprognose haben, wenn EGFR-positive myeloische Zellen im Tumor vorhanden sind, möglicherweise aufgrund einer EGFR-assoziierten erhöhten Interleukin-6-Ausschüttung. Bisher war EGFR im Tumorstroma nicht beachtet worden, weil man davon ausgegangen ist, dass die Expression nur in den Tumorzellen selbst eine Rolle spielt. Laut Sibilia besteht aber die Möglichkeit, „dass EGFR gar nicht im Tumor selbst wirkt, sondern dass hauptsächlich die EGFR-positiven myeloischen Zellen das ‚Kraftwerk‘ des Tumors darstellen.“ Diese Hypothese soll nun in weiteren Studien überprüft werden.

Die Arbeit steht in unmittelbarer Verbindung mit dem Advanced ERC-Grant, den Sibilia vor einem Jahr erhalten hatte, um in einem auf 60 Monate angelegten Projekt des European Research Councils (ERC) die Immunmodulation des angeborenen Immunsystems zur Krebsbekämpfung zu erforschen. Zukünftige Forschungen der Gruppe um Sibilia zum Kolorektalkarzinom werden vom WWTF Life Science Call Precision Medicine gefördert.

 

 

2018-01-02

Foto: Shutterstock/Kateryna Kon

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