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CheckMate 649: Nivolumab plus Chemotherapie bei gastroösophagealen Tumoren

Die erste von drei Studien in einem historisch bezeichneten „Presidential Symposium“, in dem practice-changing data bei oberen gastroösophagealen Tumoren vorgestellt wurden:

CheckMate-649 war eine Phase-III-Studie, welche die Kombinationstherapie von Nivolumab und Chemotherapie (FOLFOX oder XELOX) im Vergleich zu Chemotherapie plus Placebo bei Patienten mit fortgeschrittenem Magenkarzinom, gastroösophagealem Übergangstumor oder Adenokarzinom des Ösophagus untersuchte. Die Patienten wurden unabhängig von ihrem PD-L1-CPS-Status in die Studie aufgenommen. Sowohl das Gesamtüberleben als auch das progressionsfreie Überleben in der Kohorte PD-L1 CPS ≥ 5 waren primäre Endpunkte. Die Ausgangsmerkmale waren zwischen den Gruppen gut ausgewogen.

Ergebnisse: Der Nivolumab-Chemotherapie-Arm zeigte ein medianes OS von 14,4 Monaten gegenüber 11,1 Monaten in der Kontrollgruppe für die Subpopulation PD-L1 CPS ≥ 5 (HR 0,71 [0,59–0,86], p < 0,0001). In PD-L1 CPS ≥ 1 und der Gesamtkohorte wurde der Nutzen von Nivolumab ebenfalls festgestellt, er war jedoch etwas weniger ausgeprägt. Alle vordefinierten Subgruppen zogen einen Nutzen aus der Nivolumab-Therapie. Es gab keine zusätzlichen Sicherheitsmerkmale aus der Studie, die Kombinationstherapie wurde gut vertragen.

Fazit: Diese Ergebnisse liefern einen starken Beweis dafür, dass Nivolumab plus Chemotherapie als Standard-Erstlinien-Palliativbehandlung bei fortgeschrittenen gastroösophagealen Tumoren mit PD-L1 CPS ≥ 5 angesehen werden kann.

Nivolumab plus chemotherapy versus chemo as first-line treatment for advanced gastric cancer/gastroesophageal junction cancer (GC/GEJC)/esophageal adenocarcinoma (EAC): First results of the CheckMate 649 study. Markus Moehler et al., ESMO Virtual Congress 2020, Abstr. LBA6_PR, Presidential Symposium III

 

KEYNOTE-590: Pembrolizumab plus Chemotherapie bei Ösophaguskarzinomen

In der zweiten Präsentation des ESMO 2020 Presidential Symposiums III empfiehlt sich Immunchemotherapie als palliative Erstlinientherapie:

KEYNOTE-590 war eine Phase-3-Studie und untersuchte die Zugabe von Pembrolizumab zu einer auf Fluoroprimidin und Platinum basierenden Doublet-Chemotherapie bei Patienten mit metastasiertem, rezidivierendem oder fortgeschrittenem Ösophagus- und gastroösophagealem Übergangstumor (Siewert I).

Primärer Endpunkt der Studie war das Gesamtüberleben (OS) bei Patienten mit Plattenepithelkarzinomen des Ösophagus (ESCC) und bei Patienten mit ESCC und PD-L1 CPS ≥ 10.

Ergebnisse: Von 373 Patienten, die Pembrolizumab plus Chemotherapie erhielten, waren 143 Patienten PD-L1 CPS ≥ 10. Bei diesen Patienten betrug das OS 13,9 Monate gegenüber 8,8 Monaten bei Patienten, die nur eine Chemotherapie erhielten (HR 0,57 [0,43–0,75], p < 0,0001). Nach 24 Monaten lebten noch 31 % der Patienten mit Kombinationstherapie und 15 % der Patienten mit alleiniger Chemotherapie. Dieser Einfluss schwächte sich bei allen ESCC-Patienten leicht ab, behielt jedoch seine Signifikanz bei. Selbst in der Gesamtpopulation (Adenokarzinom- plus ESCC-Patienten) betrug das OS 12,4 Monate gegenüber 9,8 Monaten in der Pembrolizumab-Gruppe gegenüber der Placebo-Gruppe (HR 0,73 [0,62–086], p < 0,0001). Diese positive Wirkung von Pembrolizumab wurde bei allen Untergruppen beobachtet. Es gab keine zusätzlichen Sicherheitssignale.

Fazit: KEYNOTE-590 gibt starke Hinweise darauf, dass Pembrolizumab gemeinsam mit Chemotherapie als palliative Erstlinientherapie bei Patienten mit Ösophagustumoren, insbesondere mit Plattenepithelkarzinomen des Ösophagus, geeignet ist.

Pembrolizumab plus chemotherapy versus chemotherapy as first-line therapy in patients with advanced esophageal cancer: The phase 3 KEYNOTE-590 study. Ken Kato et al., ESMO Virtual Congress 2020, Abstr. LBA8_PR, Presidential Symposium III

 

CheckMate 577: Nivolumab adjuvant bei gastroösophagealen Tumoren

Die dritte Phase-3-Studie des EMSO 2020 Presidential Symposiums III hat ebenfalls das Potential für einen neuen Therapiestandard:

Die dritte Phase-3-Studie des EMSO Presidential Symposiums III, CheckMate-577, beschäftigte sich mit der adjuvanten Therapie. Hier wurde Nivolumab als adjuvante Behandlung (im Vergleich zu Placebo) bei Patienten mit lokalisiertem Ösophagus- und gastroösophagealen Übergangstumor verabreicht, die eine Radiochemotherapie gefolgt von einer Operation erhielten und eine residuale Pathologie zeigten.

Ergebnisse: Der primäre Endpunkt, das krankheitsfreie Überleben (DFS), wurde im Nivolumab-Arm mit 22,4 Monaten gegenüber 11 Monaten im Placebo-Arm erreicht (HR 0,69 [0,56–0,86], p = 0,0003). Die Autoren gehen davon aus, dass diese signifikante und klinisch bedeutsame Verlängerung des DFS auch auf das OS übertragen werden kann, da bei dieser Krankheit DFS und OS in hohem Maße korrelieren.

Fazit: Die Daten sind sehr vielversprechend und zeigen, dass diese Therapie das Potenzial hat, ein neuer Standard zu werden.

Adjuvant nivolumab in resected esophageal or gastroesophageal junction cancer (EC/GEJC) following neoadjuvant chemoradiation therapy: First results of the CheckMate 577 study. Ronan Kelly et al., ESMO Virtual Congress 2020, Abstr. LBA9_PR, Presidential Symposium III

Priv.-Doz. Dr. Aysegül Ilhan-Mutlu

Klinische Abteilung für Onkologie, Universitätsklinik für Innere Medizin I, Wien

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