Allergenspezifische Immuntherapie: ein Überblick

Die allergenspezifische Immuntherapie (AIT) ist die einzige ursächliche Behandlung von IgE-vermittelten allergischen Erkrankungen. Die deutsch-österreichisch-schweizerische S2k-Leitlinie „Allergen-Immuntherapie bei IgE-vermittelten allergischen Erkrankungen“ bietet einen umfassenden Überblick zur AIT. Zur leichteren Lesbarkeit der 60 Seiten langen Leitlinie wurden nach jedem Kapitel eine Kurzzusammenfassung und zum Teil Empfehlungen platziert.

Allergiediagnostik und Ablauf der AIT

Eine individuelle Allergiediagnostik ist Voraussetzung, bevor eine geeignete AIT (Abb.) für die jeweiligen Patient:innen ausgewählt werden kann. Im Normalfall wird eine AIT 3 Jahre lang verabreicht und steht in 2 Varianten zur Verfügung: die subkutane Immuntherapie (SCIT), anfangs wöchentlich, später monatlich, oder die täglich verabreichte sublinguale Immuntherapie (SLIT).

Verwirrend für unerfahrene Behandler:innen ist die große Zahl von am Markt befindlichen Herstellern mit ihren verschiedenen Präparaten und Verabreichungsformen, die sich aber meistens nur auf die wenigen Hauptallergene Hausstaub, Birkenpollen und Gräserpollen konzentrieren. Dazu kommt, dass 50% der Patient:innen gegen andere inhalative Allergene wie Eschen-/Olivenpollen (Fraxinus sp. bzw. Olea sp., Frühling), Beifußpollen (Artemisia sp., August), Ragweed (Ambrosia sp., September), Alternaria-Schimmelsporen (Alternaria alternata, Hoch- bis Spätsommer) oder Vorratsmilben und Haustiere sensibilisiert sind. In diesem Fall ist die Daten- und Marktlage für die AIT sehr dünn. Eine Ausnahme ist die SLIT-Tablette zur Behandlung der Ambrosia-(vulgo Ragweed-)Allergie, für welche die Evidenz ebenfalls sehr gut ist.

Daten zu Leitallergenen

So wie schon in der letzten Version der Leitlinie erschien der wichtigste Teil gar nicht im Druck, weil davon ausgegangen werden muss, dass die Effektivitätsdaten der einzelnen AIT-Produkte aufgrund neuer Studienergebnisse bis zur nächsten Vollversion der Leitlinie hoffnungslos veraltet wären. Stattdessen werden die Daten zu den 3 Leitallergenen Birkenpollen, Gräserpollen und Hausstaub, die durch die Therapieallergene-Verordnung in Deutschland einer besonderen Qualitätsprüfung durch die Zulassungsbehörde unterliegen, alle 6 Monate auf der Website der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und Immunologie aktualisiert.

Dort ist auch die Vollversion der Leitlinie frei herunterladbar. Es wird in der Leitlinie ausdrücklich empfohlen, AIT-Präparate mit besserer Datenlage gegenüber denen mit schlechterer Datenlage zu bevorzugen, weil fast jeder Hersteller SCIT- und SLIT-Präparate für diese Allergene im Portfolio anbietet.

Eigene Leitlinie: Insektengiftallergie

Eine weitere wichtige Indikation für eine AIT ist die Insektengiftallergie auf Bienen- und Wespengift. Diese ist aber nicht Teil dieser Leitlinie, sondern wird in einer eigenen abgehandelt (S2k-Leitlinie „Diagnose und Therapie der Bienen- und Wespengiftallergie“).

Adhärenz

Die Therapietreue der Patient:innen ist eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche AIT, da die Medikation regelmäßig und ausreichend angewendet werden muss. Maßgeblich für eine hohe Adhärenz sind die Beachtung patientenspezifischer Voraussetzungen, die umfängliche Instruktion der Patient:innen sowie ein optimiertes Praxis-/Klinikmanagement.

Praxismemo

  1. Voraussetzung für die Durchführung einer AIT ist eine individuelle Allergiediagnostik.
  2. Die Auswahl des Präparats für die AIT sollte anhand der aktuellen Datenlage erfolgen.
  3. Insektengiftallergie: Alle Personen mit systemischer Reaktion sollten behandelt werden.