Die vielen Daten und die wichtigen

„Das Medium ist die Botschaft“ – dieser in den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts vom kanadischen Philosophen Marshall McLuhan formulierte Satz war wohl noch nie so gültig wie heute. Das Internet mit seinem Versprechen, jede Information, jederzeit, an jedem Ort für Jede und Jeden verfügbar zu machen, ist mittlerweile ein Datenturnsaal für selbstlernende Algorithmen, wie ChatGPT geworden. Und gelernt wird längst nicht nur vom öffentlich zugänglichen Wissen der Welt, sondern vom Informations- und Kommunikationsverhalten der Nutzer:innen und natürlich auch von persönlichen Daten, die über Wearables und Lifestyle-Apps ihren Weg vom Körper des/der Einzelnen in die Datenwolken der Vielen finden. Wenn es stimmt, dass unsere Gesundheitsdaten uns in Zukunft im Krankheitsfall wie ein zweiter, virtueller Körper auf unserer Patient Journey begleiten, so ist klar, dass wir es hier mit einem äußerst schützenswerten Gut zu tun haben. Der achtsame Umgang mit dem Körper des/der Patient:in ist so etwas wie die erste Prämisse ärztlichen Handelns. Wer wenn nicht die Ärzt:innen sollten also eine zentrale Rolle spielen, wenn es darum geht, die Datenkörper ihrer Patient:innen zu schützen?

Die Ärzteschaft dabei mit sachlichen Informationen über die Möglichkeiten und Grenzen der Digitalisierung zu unterstützen und einen lebendigen Diskurs zwischen allen relevanten Playern im Gesundheitsbereich anzuregen ist aus meiner Sicht die wichtigste Aufgabe unseres neuen Magazins Digital Doctor.Wir haben für diese Ausgabe mit vielen Expert:innen und Stakeholder:innen gesprochen: über künstliche Intelligenz, Telemedizin, automatische Codierung und vieles mehr, und es wurden viele kluge Sachen gesagt. Mein persönlicher Lieblingssatz findet sich im Artikel von Martin Rümmele über DiGA und stammt vom Komplexitätsforscher Niki Popper: „Die IT-Giganten haben zwar viele Daten, aber nicht die wichtigen.“ Bei der Lektüre dieses Heftes wird klar: Ärzteschaft, Sozialversicherung, Politik und Industrie sind sich offenbar zumindest darin einig, dass dies auch so bleiben soll.

Christian Maté
Chefredaktion