VIDEO-Statement: Highlights bei Zell- und Gentherapien

Univ.-Prof. Dr. Ulrich Jäger

 

„Wir erleben derzeit zwei Phasen der Implementierung von CAR-T-Zellen. Das eine ist die Wissenschaft. Hierzu finden sich eine Reihe an aktuellen Abstracts, aus denen hervorgeht, wie vor allem die CD19-CAR-T-Zellen in andere Entitäten als ALL und DLBCL eingeführt werden. Weiters, wie CD19-CAR-T-Zellen verbessert werden können, und zwar in Hinblick auf ihre Wirksamkeit, das ist entscheidend. Insgesamt ist das EHA-Meeting gespickt mit Arbeiten, wie CAR-T-Zellen auf andere Indikationen, z.B. myeloische Erkrankungen, ausgeweitet werden können, wobei all diese Arbeiten sehr ambitioniert und qualitativ hochstehend sind. Ein anderer Punkt ist, dass wir auf einem strategisch, politisch-ökonomischen Level die CAR-T-Zell-Welle einordnen müssen. Wir müssen Vorkehrungen treffen, wie wir die Therapie unseren Patienten zur Verfügung stellen können. Wir haben sehr interessante Diskussionen und Symposien darüber, wie wir die CAR-T-Zell-Therapie in Europa organisieren – oder in den einzelnen Ländern. Es gibt Initiativen in Frankreich, Italien, Deutschland und natürlich auch in Österreich, wie man CAR-T-Zellen regulatorisch implementiert und auch ein Netzwerk für Kooperationen schafft, das ist zum jetzigen Zeitpunkt ganz wesentlich. Entscheidend ist auch, welche Patienten wir für die Therapie selektionieren sollen, die nicht für alle den gleichen großen Nutzen bringen wird – das sollten aber allgemeine Regeln sein. Vor allem ist sicherzustellen, wie wir die Langzeitregistrierung der Patienten zur Nachverfolgung von Nebenwirkungen erreichen, damit beschäftigt sich die EHA gemeinsam mit der EBMT, der europäischen Gesellschaft für Blut- und Knochenmarktransplantation. So denke ich werden wir in den nächsten Monaten auf nationaler und internationaler Ebene Kriterien bekommen, was Zertifizierung und Anwendung der Zellen betrifft und welche Patienten besonders profitieren.“

 

CLL14-Studie – Eradikation der minimalen Resterkrankung

„Zu den Highlights des Kongresses zählt die CLL14-Studie bei chronisch lymphatischer Leukämie, in der die Kombination aus Venetoclax und Obinutuzumab sehr gute Langzeitergebnisse zeigt und aus der hervorgeht, dass selbst die minimale Resterkrankung zunehmend eradiziert werden kann, das ist ein wesentlicher Aspekt dieser Studie. Generell sorgen die neuen Kombinationen aus small molecule Inhibitoren und Antikörpern in praktisch jeder einzelnen Entität für Highlights.“

 

Auch in der benignen Hämatologie: vieles in Bewegung

„Persönlich finde ich es erfreulich, dass speziell am Gebiet der benignen Hämatologie, also etwa bei autoimmunhämolytischer Anämie, vieles in Bewegung ist. Neue wirksame Strategien finden sich bei angeborenen Anämien, das reicht bis hin zur Gentherapie – und es werden nicht zuletzt auch bei Gerinnungsstörungen neue gentherapeutische Ansätze geprüft. Das EHA-Meeting bietet also auch im Bereich der nicht malignen Erkrankungen eine exzellente Plattform zum Wissensaustausch.“