SP 03|2012

Herausgeber: Univ.-Prof. Dr. Michael Musalek

Editorial

  • Die Welt der Psychopharmaka – eine Welt der Vorurteile
    „Alles – nur ja keine Psychopharmaka“, „Ich nehme doch nichts, was meine Persönlichkeit verändert“, „Psychopharmaka vertrage ich nicht“, „Psychotherapie ja, Psychopharmakotherapie nein“. Wer, der sich mit der Behandlung von psychisch Kranken beschäftigt, hat nicht schon solche oder ähnliche Sätze gehört? ...Weiterlesen ...

Focus: Neues aus der Psychopharmakotherapie

  • Alzheimer-Demenz: Update aus der pharmakologischen Forschung

    Aktuell werden zahlreiche neue, innovative Therapieoptionen, die auf die Pathophysiologie der Alzheimer-Demenz (AD) abzielen und krankheitsmodifizierend wirken sollen, intensiv beforscht.

    Im Hinblick auf die Amyloid-β-Pathologie werden drei Ansätze untersucht: Förderung des Aβ-Abbaus (z. B. passive und aktive Immunisierung), Reduktion der Aβ-Produktion (z. B. Stimulierung der α-Sekretase) und Hemmung der Aβ-Aggregation.

    Zu den Strategien gegen die Tau-Pathologie zählen Förderung des Abbaus von Tau-Aggregaten, Tau-Aggregationshemmern und Hemmung der Tau-Hyperphosphorylierung.

    Weitere therapeutische Möglichkeiten betreffen z. B. Neurotrophine oder Apoptosehemmung (Dimebolin).

    Allerdings werden es aufgrund von mangelnder Wirksamkeit, Tolerabilitäts­problemen oder Toxizität nur wenige dieser neuen Substanzen bis zur Zulassung schaffen.

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  • Neue Entwicklungen in der Psychopharmakotherapie schizophrener Erkrankungen

    Nach wie vor besteht in der Pharmakotherapie schizophrener Störungen Optimierungsbedarf, vor allem auch im Hinblick auf wirksame Interventionen gegen Negativsymptomatik und kognitive Beeinträchtigungen.

    Zu den Bemühungen, den Einsatz zugelassener Antipsychotika zu verbessern, zählen eine frühe medikamentöse Umstellung, Kombinationstherapie, alternative pharmazeutische Präparationen und Applikationsmodi sowie pharmakogenetische Ansätze.

    Zudem werden unterschiedlichste alternative, experimentelle pharmakologische Ansätze untersucht. Neben dopamin- und serotoninmodulierenden werden insbesondere auch glutamaterge und cholinerge Substanzen in klinischen Studien geprüft.

    Vielversprechend scheint auch die Add-on-Gabe von antiinflammatorischen Substanzen und Antioxidantien.

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  • Neue Targets in der Pharmakotherapie affektiver Erkrankungen

    NMDA-Antagonisten wie Ketamin haben robuste und schnell einsetzende antidepressive Wirksamkeit. Es fehlen aber große kontrollierte Studien, die die Frage der Langzeitanwendung und die der Nebenwirkungen zuverlässig beantworten.

    Momentan scheinen die negativen allosterischen Modulatoren der glutamatergen Rezeptorengruppe I (mGlu1 und mGlu5) die positiven allosterischen Modulatoren der Gruppe II (mGlu2 und mGlu3) sowie der Gruppe III (mGlu4/7/8) die vielversprechendsten antidepressiven Interventionen zu sein.

    In Phase-II-Studien wird eine Add-on-Gabe zu bestehender antidepressiver Medikation untersucht, um so bei wenig Nebenwirkung die Wirksamkeit zu beschleunigen.

    Auch die AMPA-kine und die Modulation des Endocannabinoidsystems zählen zu den neuen pharmakologischen Strategien bei affektiven Erkrankungen.

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  • Differenzierte Pharmakotherapie bei Suchterkrankungen

    In einer differenzierten Therapie von stoffgebundenen Suchterkrankungen spielt die Psychopharmakotherapie eine wesentliche Rolle und ist als Teil der Behandlung in den Gesamttherapieplan zu integrieren.

    Die medikamentöse Behandlung kann den Weg für andere therapeutische Interventionen ebnen, diese in ihrer Wirksamkeit unterstützen oder in manchen Situationen für eine Stabilisierung wesentlich sein.

    Neue Entwicklungen in der Pharmakotherapie betreffen bereits in anderen Indikationsbereichen etablierte Substanzen wie etwa Nalmefen oder mit Einschränkungen auch Baclofen oder Topiramat bei der Alkoholabhängigkeit.

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Für die Praxis

  • Mentalisierung und Depression

    Das psychoanalytische Konzept der Mentalisierung bezeichnet die Fähigkeit, eigenes Verhalten und das Verhalten anderer Menschen durch Zuschreibung mentaler Zustände zu interpretieren.

    Ein mentalisierungsbasiertes Verständnis der Depression geht von der Annahme aus, dass das depressive Symptom eine Antwort auf eine Bedrohung des Bindungssystems und damit auch eine Bedrohung des Selbst darstellt.

    Die Förderung der Mentalisierung ist als Ansatz in der Depressionstherapie insofern von Bedeutung, als eine Depression zumindest zum Teil ihre Wurzeln in zwischenmenschlichen Beziehungen hat und jedenfalls negative Auswirkungen im zwischenmenschlichen Bereich nach sich zieht.

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  • Diagnose Bipolar

    Ohne Behandlung erleben z. B. nur 5–10 % der bipolar Erkrankten keine weitere Episode. Daher ist eine frühzeitige Diagnose von großer Bedeutung.

    In der Anamnese ist gezieltes Nachfragen notwendig, um die Verlaufsgestalt zu eruieren und die exakte Diagnose zu ermöglichen.

    Das Schlafverhalten (gesteigertes oder reduziertes Schlafbedürfnis) kann bei der Diagnose wichtige Hinweise liefern.

    Klinische Besonderheiten der bipolaren Erkrankung sind das „Kippen“ von einer Stimmungslage in die andere (tritt bei ca. 12–15 % der Betroffenen auf) sowie das „rapid cycling“.

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  • Psychische Folgen von Gewalt – Teil 1: Das Spektrum der „posttraumatischen“ Erkrankungen

    Nach Erfahrung schwerer Gewalt treten trauma-„spezifische“ reaktive Krankheitsbilder wie die PTBS, aber auch unspezifische Reaktionen wie Depressionen und somatoforme Störungen sowie kulturabhängige Syndrome auf.

    Die Wahrscheinlichkeit des Auftretens und der Verlauf hängen von einer Reihe biologischer, ereignisbezogener sowie psychosozialer Verlaufsfaktoren ab.

    Bei Kindern kommt es je nach Entwicklungsphase zu weiteren Erkrankungen mit oft schwerwiegendem Langzeitverlauf, unter anderem zu Essstörungen und Persönlichkeitsentwicklungsstörungen.

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Panorama

  • Pflichtlektüre – Der Psychotherapeut im Film

    Schon kurz nach Entstehung der Psychoanalyse und des Films um 1900 gab es die ersten „Seelenheiler“ auf der Leinwand; ihre Geschichte wird bis heute erzählt. Das Hollywoodkino schuf Klischees des allwissenden Heilers, des bösen Seelenmanipulators und der liebenswert schrulligen „Shrinks“. Die im Kino dargestellten Figuren sind nicht nur von filmhistorischem Interesse, sondern prägen die Vorstellung vieler Patienten und Therapeuten darüber, wie „richtige“ Psychotherapie gelingen kann.

    In dem eben erschienenen und empfehlenswerten Buch „Der Psychotherapeut im Film“ analysiert der Psychiater und Psychoanalytiker Rainer Gross, wie die Profession des Psychotherapeuten medial dargestellt wird.

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  • Klinische Neurowissenschaften in Österreich

    In einer vom Wissenschaftsrat beauftragten Analyse wird die Situation der klinischen Neurowissenschaften an den Medizinischen Universitäten Graz, Innsbruck und Wien insgesamt als sehr gut eingeschätzt.

    Im internationalen Vergleich gibt es eine Reihe von exzellenten klinisch-wissenschaftlichen Schwerpunkten, aber auch Entwicklungspotenzial.

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