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Immuntherapie und Angiogenese standen im Mittelpunkt des ersten Translational Science Meeting in Innsbruck, in dem es um Grundlagenforschung und deren Anwendung in der Klinik ging.

13 Experten aus Forschung und Klinik, aus Onkologie und Urologie, aus Österreich, Deutschland und Belgien boten zwei Tage lang eine inhaltliche Glanzleistung. Der Bogen spannte sich am ersten Tag von grundlegenden Konzepten der Tumorimmunität, Computing und Erforschung der Tumorimmunität bis hin zu neuen Therapiekonzepten in der Uroonkologie. Prof. Dr. Dominik Wolf vom Universitätsklinikum Bonn betonte in seinem Vortrag „Next generation immunoncology – are we ready“, dass aufgrund des hohen Preises der I-O-Substanzen die Treffsicherheit der Therapien unbedingt erhöht werden müsse. Zu viele Patienten hätten primäre oder sekundäre Resistenzen. Eine Reihe von Arbeiten zeigt, dass die Identifikation von Checkpointinhibitor-Respondern und -Nonrespondern sehr komplex ist. Höchstwahrscheinlich wird man laut Wolf komplexe molekulare und immunologische Phänotypisierungsmethoden einsetzen müssen, um Responder und Non-Responder exakter beschreiben zu können. Essenziell sei außerdem die interdisziplinäre Zusammenarbeit und die enge Vernetzung von Klinik und Forschung.

Gewaltige Zahlen: Medikamentenpipeline und Kombinationsstudien

Am zweiten Tag berichtete Ass.-Prof. Dr. Isabel Heidegger-Pircher von der Universitätsklinik für Urologie unter anderem über Kombinationsstrategien zwischen Checkpointinhibitoren und Angiogenesehemmern beim metastasierten Nierenzellkarzinom (mRCC) (siehe dazu auch das Review von Pircher A et al.) Beim Nierenzellkarzinom läuft derzeit eine Vielzahl an Kombinationsstudien, die großteils den Erstlinienstandard herausfordern, wie beispielsweise KEYNOTE-426, IMmotion-150, IMmotion-151. Primar Dr. Wolfgang Loidl vom Ordensklinikum Linz wartete mit interessanten Zahlen auf. Unter anderem ist die Zahl der Kombinationsstudien zwischen 2015 und 2017 sprunghaft angestiegen. Loidl gab Einblicke in eine gewaltige Medikamentenentwicklung. Demnach befinden sich derzeit in etwa 248 immunonkologische Substanzen in der klinischen Pipeline, neben Checkpointinhibitoren unter anderem CAR-T-Therapien, onkolytische Viren und Tumorvakzine. Ein „hot topic“ ist für Loidl das Mikrobiom. 2016 beschrieben Blank CU et al. in einer sehr anschaulichen und praxisrelevanten Arbeit das sogenannte „cancer immunogram“ Insgesamt wurden hier sieben relevante Parameter zur Vorhersage des Ansprechens aufgezeigt: Der allgemeine Immunstatus der Patienten, die Immunzellinfiltration, die Abwesenheit von Checkpoint-Liganden wie PD-L1, von löslichen Inhibitoren wie IL-6 und von immunrestriktiven Stoffwechselmetaboliten wie LDH, sowie die Fremdheit des Tumors gemessen an der Last an Neoantigenen und die Tumorempfänglichkeit für Effektormechanismen, wie die MHC-Expression. Es ist außerdem davon auszugehen, dass zusätzlich das Mikrobiom eine Variable für das Ansprechen auf eine I-O-Therapie darstellt.

Ausgewählte Key Messages:

  • Chemotherapien wirken häufig über das Immunsystem.
  • Die Effektivität und Verträglichkeit von Chemo- und Immuntherapien hängen von der Darmmikrobiota ab.
  • Eine Herausforderung der Immunonkologie stellt die Tumorheterogenität dar.
  • große Herausforderung: Entwicklung prädiktiver Biomarker
  • Bioinformatik ist integraler Bestandteil zur Entwicklung von Prognose-Scores durch Integration von Variablen wie Genetik, Immunologie, Mikrobiota etc.
  • Beispiel fortgeschrittenes/metastasiertes Nierenzellkarzinom: Es läuft eine Vielzahl an Kombinationsstudien wie etwa I-O-Substanzen + Angiogenesehemmer

Fotocredit: MUI/Bullock

2017-12-11

 

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Computergestützte Modelle der Tumor-Immunzell-Interaktion

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