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Der seit 2017 verliehene ESMO Award für Immunonkologie wurde heuer an Prof. Thomas Gajewski (Abbvie Foundation-Professor für Krebsimmuntherapie an der Ben May Abteilung für Krebsforschung und Professor für Pathologie und Medizin an der Universität Chicago) vergeben.

Die Verleihung erfolgt in Anerkennung seiner wegweisenden Arbeit im Bereich der Immuntherapie. Der Preisträger und sein Team forschen an der Entwicklung von Therapiestrategien, die der Fähigkeit von Tumoren, dem Immunsystem zu entkommen, entgegenwirken sollen.

Eine wesentliche Fragestellung ist: Warum reagieren manche Patienten auf eine Immuntherapie und andere nicht, und wie kann die Immunantwort wiederhergestellt werden?

Ein zentraler, von Gajewski und seiner Forschungsgruppe beforschter Aspekt ist daher das Tumor-Mikroenvironment, also das Milieu bestehend aus Immunzellen, Stroma und den Tumorzellen selbst.

Wichtige Beispiele und Erkenntnisse der Arbeit von Gajewski und seinem Team sind:

  1. Bei Patienten, bei denen T-Zellen den Tumor erkennen, liegt ein sog. „heißes“ Tumor-Mikroenvironment vor. Bei Patienten mit „kalten“ Tumoren erkennen die T-Zellen den Tumor nicht; sie reagieren daher auch nicht auf eine Immuntherapie.1
  2. Die Gruppe identifizierte einen Proteinkomplex namens STING (STimulator von INterferon Genen), der auf geschädigte DNA oder DNA außerhalb des Zellkerns reagiert. Das Immunsystem wird alarmiert und T-Zellen an den entsprechenden Ort rekrutiert.2 Diese Erkenntnis führte zur Entwicklung von STING-Agonisten, die im Laborversuch beachtliche Effekte gezeigt haben und nun in klinischen Arbeiten untersucht werden.
  3. Zellen „kalter“ Tumoren exprimieren aktives Beta-Catenin und tarnen sich so vor T-Zellen. Dieser Mechanismus verhindert das Eindringen dendritischer Zellen und somit die Rekrutierung von T-Zellen durch das Immunsystem.3, 4
  4. Eine weitere wesentliche Entdeckung ist die Identifizierung von „guten“ Bakterientypen in der Darmflora. Die Anwesenheit dieser Bakterien scheint die T-Zell-Infiltration ins Tumor-Environment zu fördern, somit eine Umwandlung von „kalten“ in „heiße“ Tumoren zu ermöglichen und bei Patienten mit fortgeschrittenem Melanom die Antwort auf eine Immuntherapie zu verstärken.5, 6

Quellen:

1 Gajewski TF et al., Nat Immunol 2013; 14: 1014-22

2 Woo SR et al., Trends Immuno 2015; 36: 250-6

3 Spranger S et al., Nature 2015; 523: 231-5

4 UChicagoMedicine. Easton J. Immunotherapy: Why don’t more patients respond?, 9 Dezember 2017

5 Matson V et al., Science 2018; 359: 104-8

6 UChicagoMedicine. Easton J. Specific microbes in digestive tract can boost success for cancer immunotherapy, 4 Jänner 2018

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