Wie Hormone den Knochenstoffwechsel regulieren

Bone Health beschreibt die Fähigkeit des Skeletts, Struktur, Stabilität und Stoffwechselfunktion über die gesamte Lebensspanne aufrechtzuerhalten. Grundlage dafür ist eine intakte Knochenhomöostase, die durch das fein abgestimmte Zusammenspiel hormoneller, metabolischer und mechanischer Faktoren reguliert wird.1 Unter den zahlreichen Einflussfaktoren kommt den Hormonen eine zentrale Rolle zu: Östrogen, Testosteron, Parathormon, Vitamin D und weitere endokrine Signalwege regulieren das Gleichgewicht zwischen Knochenauf- und -abbau und tragen entscheidend zur Erhaltung der Knochengesundheit bei.1,2

Das RANK/RANKL/OPG-System

Das lebenslange Gleichgewicht zwischen Knochenauf- und -abbau wird wesentlich durch das RANK/RANKL/OPG-System reguliert. RANKL (Receptor Activator of Nuclear Factor kB Ligand), das vor allem von Osteozyten und Osteoblasten gebildet wird, bindet an den Rezeptor RANK auf Osteoklastenvorläuferzellen und fördert deren Differenzierung zu reifen Osteoklasten sowie deren Aktivierung und Überleben. Osteoprotegerin (OPG) wirkt als löslicher „Köderrezeptor“, der RANKL abfängt und dadurch dessen Bindung an RANK verhindert. Das Verhältnis von RANKL zu OPG entscheidet somit maßgeblich über die Osteoklastenaktivität und den Grad der Knochenresorption.3

Hormone als Regulatoren der Bone Health

Sexualhormone beeinflussen dieses Gleichgewicht entscheidend. Östrogen hemmt die RANKL-Expression und fördert die Bildung von OPG. Mit dem Östrogenabfall nach der Menopause verschiebt sich das Verhältnis zugunsten von RANKL, wodurch die Osteoklastenaktivität zunimmt und der Knochenabbau beschleunigt wird. Androgene wirken teilweise direkt auf den Knochen und teilweise über ihre Aromatisierung zu Östrogen ebenfalls protektiv.2

Neben den Sexualhormonen spielen auch Parathormon und Vitamin D eine zentrale Rolle für die Knochenhomöostase. Parathormon reguliert gemeinsam mit Vitamin D den Kalzium- und Phosphathaushalt. Eine chronisch erhöhte Parathormonsekretion fördert die Knochenresorption und kann langfristig zum Knochensubstanzverlust beitragen.1 Darüber hinaus können endokrine Erkrankungen wie Hypogonadismus, Hyperthyreose, Hyperparathyreoidismus oder das Cushing-Syndrom den Knochenstoffwechsel beeinträchtigen und die Entstehung einer sekundären Osteoporose begünstigen.4

Kalzium, Vitamin D und Protein

Neben hormonellen Einflüssen bildet eine ausreichende Versorgung mit Kalzium, Vitamin D und Protein die Grundlage einer guten Knochengesundheit. Kalzium ist der wichtigste Mineralstoff des Knochens, während Vitamin D die intestinale Kalziumaufnahme fördert und den Kalzium- und Phosphathaushalt reguliert. Eine adäquate Proteinzufuhr unterstützt nicht nur den Erhalt der Muskelmasse und damit die Sturzprävention, sondern liefert auch essenzielle Bausteine für die Knochenmatrix. Ernährungsmaßnahmen stellen daher einen wichtigen Bestandteil der Osteoporoseprävention und -therapie dar, sollten jedoch stets im Rahmen eines Gesamtkonzeptes aus ausgewogener Ernährung, regelmäßiger körperlicher Aktivität und – bei entsprechender Indikation– einer medikamentösen Therapie gesehen werden.5, 6

Die österreichische Osteoporose-Leitlinie empfiehlt für Erwachsene eine tägliche Zufuhr von mindestens 1.000mg Kalzium, 800I.E. Vitamin D sowie 0,8g Protein/kg Körpergewicht; bei Menschen über 65Jahren wird mindestens 1g Protein/kg Körpergewicht empfohlen. Ernährungsmaßnahmen allein können eine medikamentöse Osteoporosetherapie bei erhöhtem Frakturrisiko zwar nicht ersetzen, tragen jedoch wesentlich zur Aufrechterhaltung der Knochenhomöostase bei.6

Therapie der Osteoporose

Die medikamentöse Therapie der Osteoporose orientiert sich am individuellen Frakturrisiko, das mit dem FRAX®-Tool einfach berechnet werden kann, sowie an patientenspezifischen Faktoren wie Alter, Begleiterkrankungen, Kontraindikationen und Präferenzen. Basis jeder Behandlung ist eine ausreichende Versorgung mit Kalzium und Vitamin D; bei unzureichender Zufuhr oder Vitamin-D-Mangel ist eine Supplementation indiziert.6, 7

Grundsätzlich stehen antiresorptive und osteoanabole Therapieoptionen zur Verfügung. Antiresorptive Medikamente hemmen die osteoklastische Knochenresorption und reduzieren nachweislich das Risiko für vertebrale, nicht vertebrale und hüftnahe Frakturen. Zu den etablierten Wirkstoffen zählen Bisphosphonate sowie der RANKL-Inhibitor Denosumab.6,7 Durch die Bindung von RANKL verhindert Denosumab die Aktivierung des RANK-Rezeptors auf Osteoklastenvorläuferzellen und hemmt dadurch die Differenzierung, Funktion und das Überleben der Osteoklasten. Die Folge ist eine deutliche Reduktion der Knochenresorption.3

Welche Substanz zum Einsatz kommt, richtet sich nach dem individuellen Risikoprofil und der klinischen Situation. Bei sehr hohem Frakturrisiko wird laut Leitlinien eine osteoanabole Therapie empfohlen. Diese stimuliert die Knochenneubildung und verbessert die Mikroarchitektur. Nach Abschluss der zugelassenen Behandlungsdauer sollte unmittelbar eine antiresorptive Therapie angeschlossen werden, um den erzielten Zugewinn an Knochenmasse langfristig zu erhalten.6, 7

Fazit

Das zunehmende Verständnis der hormonellen und molekularen Regulation des Knochenstoffwechsels hat die Osteoporosetherapie nachhaltig geprägt. Heute ermöglichen risikoadaptierte Therapiestrategien eine individuell angepasste Behandlung mit dem Ziel, Frakturen wirksam vorzubeugen und die Knochengesundheit langfristig zu erhalten.7