SP 01|2011

Herausgeber: Univ.-Prof. Dr. Michael Musalek

Editorial

  • Wege aus der Fremdheit des Anderen ebnen
    Der Mensch ist immer auch soziales Wesen. In Abwandlung des Sartre‘schen Wortes zur Freiheit des Menschen könnten wir sagen, dass der Mensch zur sozialen Interaktion verdammt ist. Es stellt sich also nicht die Frage, ob wir mit dem Anderen, den ...Weiterlesen ...

Focus: Transkulturelle Psychiartrie

  • Das transkulturelle Gesicht der Psychiatrie

    Das okzidentale Denken sowie die westlichen Traditionen und Lebensgewohnheiten definieren die moderne Psychiatrie. Die derzeit gebräuchlichen Klassifikationssysteme und Diagnoseschemata wurzeln in europäischen und angloamerikanischen Schulen. Das Wissen um kulturspezifische Ausdrucksformen und Kausalattributionen psychiatrischer Erkrankungen muss aber in unserer Zeit, in der in vielen Städten mehr als ein Viertel der Bevölkerung einen Migrationshintergrund aufweist, zum notwendigen diagnostischen und therapeutischen Rüstzeug aller gehören, die sich der Betreuung psychisch kranker Menschen widmen. Die transkulturelle Psychiatrie versteht sich infolgedessen in der Gegenwart als die Psychiatrie der Migranten.

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  • Transkulturelle Psychiatrie: Möglichkeiten und Grenzen

    Gegenwärtig ist in der Psychiatrie und der Psychologie ein „cultural turn“ zu verzeichnen. Neue Fächer wie die kulturvergleichende Gehirnforschung entstanden. Gleichzeitig aber führte die Begegnung mit psychisch kranken Migranten in der Praxis oft zu einer erheblichen Verunsicherung. Dieser Artikel stellt die Grundlagen der Transkulturellen Psychiatrie dar und versucht, die Möglichkeiten und Grenzen dieses Fachs aufzuzeigen.

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  • Diagnostik und Behandlung psychotischer Störungen im transkulturellen Kontext

    Die sprachlichen und kulturellen Barrieren zwischen europäischen Psychiatern und Patienten aus traditionellen außereuropäischen Kulturen werden besonders in der Diagnostik und Behandlung psychotischer Erkrankungen oft schmerzlich spürbar. Ungewohnte „Idioms of Distress“ und Krank – heitskonzepte, aber auch Störungsbilder, die bei uns selten oder in einer anderen Form auftreten, erschweren eine korrekte Klassifikation und damit auch eine adäquate Behandlung (pseudo-) psychotischer klinischer Bilder. Diese Arbeit bietet einen Einblick in die Komplexität und Vielfalt psychotischer Erkrankungen und gibt eine Einführung in die Psychopharmako- und Psychotherapie fremdkultureller Patienten.

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  • Sind Migranten anders depressiv?

    Weitgehend unbestritten ist, dass die Depression eine kulturübergreifende psychische Störung ist, jedoch wird davon ausgegangen, dass die Art und Weise der Präsentation der Beschwerden kulturell geprägt ist. Für die Arbeit mit Migranten bedeutet dies, dass der Kliniker neben der Exploration der psychischen Beschwerden auch die kulturelle Bedeutung und Funktion berücksichtigen sollte.

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  • Kultur und somatoforme Störungen

    Somatoforme Störungen können als ein „kulturelles“ Konstrukt mit „speziellen kulturellen Ausprägungen“, aber auch als „kulturübergreifende Prinzipien“ verstanden werden. Die Verbindung beider Ansätze ist nicht nur für die Diagnostik und Modellbildung wichtig, sondern kann auch bei der Bewältigung von Krankheiten/Stress nützlich sein.

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  • Kultur und Substanzmissbrauch

    Psychotrope Substanzen sind ein nicht wegzudenkender Teil der Kultur und mit dieser auf vielfältige Weise verflochten. So sprechen wir von Kulturdrogen und Drogenkulturen, so spielen kulturelle Faktoren in der gesellschaftlichen und individuellen Suchtgenese eine bedeutsame Rolle und so erweisen sich (trans-)kulturelle Aspekte in der Suchttherapie und -prävention als immer wichtiger. Drogen, Rausch und Sucht sind einer der häufigsten Inhalte kultureller Darstellungen, und unter Kulturschaffenden haben die Suchtmittel eine nicht zu unterschätzende Bedeutung. In der „Kultivierung“ des Drogengebrauchs liegen aber auch große Chancen der Suchtvorbeugung und -behandlung. Im Folgenden sollen blitzlichtartig wesentliche Aspekte des komplexen Themas „Kultur und Substanzmissbrauch“ beleuchtet werden.

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  • Dissoziation und dissoziative Erkrankungen im Kontext der transkulturellen Psychatrie

    Dissoziative Phänomene sind Teil alltäglicher psychologischer Mechanismen. Dissoziative Störungen entstehen meist in Belastungssituationen und sind in ihrer Ausprägung kulturabhängig zu verstehen. Eine Differentialdiagnostik zur Abgrenzung von anderen, z. B. hirnorganischen Auslösern oder Symptomen, ist allerdings wesentlich.

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  • Prävalenz psychischer Erkrankungen bei Migranten

    Derzeit existieren in Österreich noch keine repräsentativen Daten zur Häufigkeit von psychischen Störungen bei Menschen mit Migrationshintergrund. Die erste Datenanalyse der Transkulturellen Ambulanz der Wiener Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie konnte zeigen, dass Patienten mit Migrationshintergrund keineswegs eine homogene Gruppe darstellen. Es fanden sich dabei deutliche Unterschiede zwischen freiwilligen und unfreiwilligen Einwanderern, wobei sich in den Ergebnissen allerdings eine Kombination aus Störungsprävalenz und Inanspruchnahmeverhalten für ein ambulantes Betreuungsangebot widerspiegelt.

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  • Trauma und Migration – Einige Bemerkungen aus der Praxis

    Migration ist kein seltenes Phänomen, das immer den Einzelnen und die Gesellschaft betrifft. Migration stellt eine Herausforderung dar und wird zunehmend auch als Herausforderung in der Psychiatrie wahrgenommen. Im Folgenden gehe ich einigen Verbindungen zwischen Migration und Trauma nach.

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  • Portrait: Mahner für eine menschengerechte Psychiatrie

    O. Univ.-Prof. Dr. Hartmann Hinterhuber, Direktor der Universitätsklinik für Allgemeine Psychiatrie und Sozialpsychiatrie Innsbruck, gilt als einer der Väter der modernen Psychiatrie in Tirol. Von ihm gingen zahlreiche Impulse für eine zukunftsorientierte Versorgung aus, gleichzeitig setzte er sich stets für eine menschengerechte Psychiatrie ein.

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Kongress

  • [DGPPN 2010] Emotionale Therapeutenreaktionen auf den Suizid eines Patienten – Wer ist besonders betroffen?

    Viele Therapeuten erleben während ihrer beruflichen Tätigkeit einen Suizid eines Patienten, der eine erhebliche Belastung darstellen kann. Beim DGPPN stellte Prim. Univ.-Prof. Dr. Friedrich Martin Wurst, Salzburg, eine aktuelle Studie vor, die die Reaktionen von Therapeuten auf einen Patientensuizid im Zeitverlauf untersuchte.

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  • [DGPPN 2010] Psychiatrie im Nationalsozialismus – Erinnerung und Verantwortung

    2009 – 64 Jahre nach Ende des 2. Weltkrieges – entschloss sich die DGPPN, sich der Frage nach der Mitverantwortung von Psychiatern an Menschenrechtsverletzungen während der Zeit des Nationalsozialismus zu stellen. In einer eindrucksvollen Gedenkveranstaltung entschuldigte sich der Präsident der DGPPN, Prof. Dr. Frank Schneider, bei den Opfern für das ihnen von Psychiatern zugefügte Leid und Unrecht und für das viel zu lange Schweigen der deutschen Psychiatrie in der Zeit danach.

     

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  • [DGPPN 2010] Die Zukunft der Depressionsforschung

    Unter den jetzt gültigen Depressionsdiagnosen werden Patienten zusammengefasst, die hinsichtlich der krankheitsverursachenden Mechanismen uneinheitlich sind. „Erst wenn es uns gelingt“, betonte Prof. Dr. Florian Holsboer, München, „durch Biomarker und Gentests homogene Subgruppen zu bilden, die dann einer spezifischen auf den jeweiligen Mechanismus gerichteten Therapie zugeführt werden, ist personalisierte Depressionstherapie möglich, die auch präventiv genutzt werden kann.“

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  • [DGPPN 2010] Polypharmazie in der Behandlung der Schizophrenie

    Als Goldstandard der Therapie schizophrener Psychosen wird von vielen Fachgesellschaften die Monotherapie mit einem Antipsychotikum der 2. Generation empfohlen, im Falle einer Therapieresistenz mit Clozapin. Trotz der weiten Verbreitung bleibt die Diskussion über Risiken und Nutzen einer Kombinationstherapie von Antipsychotika kontrovers und bedarf einer kritischen Bewertung. Weitere randomisiert-kontrollierte Studien sind erforderlich.

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  • [API 2011] Xenia – gelebte transkulturelle Behandlung am Anton-Proksch-Institut

    Personen mit Migrationshintergrund weisen häufiger eine Medikamentenabhängigkeit auf und sind signifikant öfter von pathologischem Spielen betroffen. Um dem soziodemographischen Trend der verstärkten Zuwanderung gerecht zu werden, ist das Anton-Proksch-Institut bemüht, migrationsspezifische Angebote zu optimieren und den spezifischen Bedürfnissen anzupassen. Die wissenschaftliche Begleitforschung, die sich genauer mit diesem Thema auseinandersetzen soll, wird fortgesetzt.

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Für die Praxis

Panorama

  • Das Schöne als Pharmakon

    Rezension des von der European Society of Asthetics and Medicine herausgegebenen Sammelbandes „Ars Medica – Zu einer neuen Ästhetik in der Medizin“. Das von Michael Musalek und Martin Poltrum edierte Buch versammelt grundlegende Texte zu einer solchen neuen Ästhetik in der Medizin.

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