Die meisten Beschwerden sind unkompliziert und selbstlimitierend. Interessanter wird es bei der Frage, wann ein zunächst banaler Infekt seinen Charakter verändert – und wann etwas anderes dahintersteckt.
Die akute Rhinosinusitis beginnt meist viral. Rhinoviren und andere Atemwegsviren führen zu einer Schwellung der Nasenschleimhaut und der Nebenhöhlen. Schnupfen, behinderte Nasenatmung, Druckgefühl im Gesicht und Husten sind typische Begleiter. Ein häufiger Grund für unnötige Antibiotikaverordnungen ist die Farbe des Nasensekrets. Gelbes oder grünes Sekret bedeutet nicht automatisch, dass Bakterien die Ursache sind. Auch bei einem viralen Infekt kann sich das Sekret verändern.
Entscheidend sind Verlauf und Schweregrad. Aufmerksamer sollte man werden, wenn Beschwerden ungewöhnlich lange anhalten, von Beginn an besonders ausgeprägt sind oder nach einer anfänglichen Besserung wieder deutlich zunehmen. Diese Konstellation ist aussagekräftiger als die Farbe des Sekrets. Bei unkomplizierten Verläufen ist daher häufig eine symptomorientierte Behandlung mit Verlaufskontrolle sinnvoller als eine sofortige Antibiotikatherapie.
„Das Ohr tut weh“ ist gerade bei Kindern eine häufige Vorstellung. Eine akute Otitis media sollte aber nicht allein aufgrund von Ohrenschmerzen diagnostiziert werden. Entscheidend sind Mittelohrerguss und Zeichen einer akuten Entzündung. Ein lediglich gerötetes Trommelfell reicht dafür nicht aus. Eine sorgfältige Otoskopie bleibt zentral.
Nach einem Atemwegsinfekt sind Tubenfunktionsstörungen häufig. Das Ohr fühlt sich „zu“ an, das Hören ist vorübergehend schlechter, oder es besteht ein Druckgefühl, ohne dass eine akute bakterielle Otitis vorliegt. Bei Erwachsenen können auch Zähne, Kiefergelenk, Tonsillen und Pharynx Schmerzen ins Ohr projizieren.
Pharyngitis und Laryngitis sind typische Begleiter von Atemwegsinfekten. Bei unkomplizierten Verläufen steht die symptomatische Behandlung im Vordergrund. Ausgeprägte Schluckbeschwerden, Atemprobleme oder Stridor verändern die Situation. Auch bei Heiserkeit ist der Verlauf entscheidend: Akute Heiserkeit im Rahmen eines Infekts ist meist harmlos. Hält sie länger an, sollte insbesondere bei Raucher:innen an eine weiterführende Abklärung gedacht werden.
Eine wichtige Differenzialdiagnose wird im Herbst leicht übersehen: die Allergie. Mit Spätsommer und Frühherbst endet die Pollensaison keineswegs automatisch. Insbesondere Ragweed (Ambrosia) und Beifuß können bis in den Herbst hinein Beschwerden verursachen. Auch Schimmelpilze und Hausstaubmilben können relevant sein. Niesattacken, Nasen- und Augenjucken, wässriges Nasensekret und tränende Augen sprechen für eine allergische Rhinitis. Fieber und ausgeprägtes Krankheitsgefühl passen dagegen nicht zu einer isolierten Pollenallergie.
Nach einer viralen Atemwegsinfektion können Husten und Räusperzwang länger persistieren als die übrigen Symptome. Ein länger dauernder Husten bedeutet daher nicht automatisch eine bakterielle Infektion. Auch die oberen Atemwege können für einen andauernden Husten verantwortlich sein: Persistierende Rhinitis, postnasaler Sekretfluss oder eine allergische Rhinitis kommen als Ursachen infrage.
Herbstliche HNO-Beschwerden gehören zum Alltag jeder Hausarztordination. Die meisten sind unkompliziert und selbstlimitierend. Entscheidend ist daher weniger, möglichst früh eine Diagnose zu stellen, als den Verlauf richtig einzuschätzen.