Vorsorge individuell abstimmen

9 von 10 Österreicher:innen planen 2026 mindestens eine Reise oder waren bereits unterwegs. Neben den beliebtesten Urlaubsarten wie Strand- und Städtereisen stehen auch Aktivurlaube (20%) sowie Erlebnisreisen, Rundreisen und Roadtrips (18%) auf dem Programm. Gerade bei Fernreisen sollte die reisemedizinische Vorbereitung deshalb nicht nach einem starren Schema erfolgen.1

„Die reisemedizinische Beratung vor einer Reise hilft dabei, Gesundheitsrisiken frühzeitig zu erkennen und die Vorsorge individuell auf die geplante Reise abzustimmen“, erklärt Dr. Sebastian Baumgartner vom reisemedizinischen Impfservice der Klinik Favoriten. Neben Reiseziel und Reisezeit spielen auch die Art der Reise und persönliche Faktoren wie bestehende Erkrankungen eine Rolle. „Selbst im gleichen Land macht es einen Unterschied, ob jemand Backpacker ist, Verwandte und Freund:innen besucht oder im Rahmen einer Pauschalreise unterwegs ist.“1

Besondere Risiken bei Besuchen

Eine häufig unterschätzte Gruppe sind Reisende, die Freund:innen und Verwandte besuchen. Sie halten sich tendenziell länger im Zielland auf, haben engeren Kontakt zur lokalen Bevölkerung und konsumieren häufiger lokale Lebensmittel und Wasser. Gleichzeitig werden Mückenschutzmaßnahmen seltener eingehalten und reisemedizinische Beratungen seltener in Anspruch genommen. Damit können sich Risiken für vektorübertragene sowie lebensmittel- und wasserassoziierte Infektionen erhöhen.2, 3

Chikungunya: Ausbrüche beachten

Zu den Infektionen, deren Verbreitung sich in den vergangenen Jahren verändert hat, zählt Chikungunya. Das durch Aedes-Mücken übertragene Virus kommt vor allem in tropischen und subtropischen Regionen vor; lokale Ausbrüche wurden jedoch vereinzelt auch in Europa beobachtet. Charakteristisch sind Fieber und teils ausgeprägte Gelenkschmerzen, die bei einem Teil der Betroffenen über Monate oder länger anhalten können.4
Neben konsequentem Mückenschutz steht inzwischen auch eine Impfung zur Prävention zur Verfügung. Sie kommt insbesondere bei Reisen in Ausbruchsgebiete, Langzeitaufenthalten oder wiederholten Reisen in Endemiegebiete infrage.4

Tollwut: richtig vorsorgen

Ein weiteres Beispiel für eine individuell abzuwägende Reiseimpfung ist die Tollwut. Österreich ist seit 2008 frei von terrestrischer Tollwut, in zahlreichen Ländern ist die Erkrankung jedoch weiterhin endemisch. Übertragen wird das Virus vor allem durch den Speichel infizierter Säugetiere, etwa durch Bisse.4 Eine präexpositionelle Impfung kann insbesondere bei längeren Aufenthalten, möglichem Tierkontakt oder Reisen in abgelegene Regionen sinnvoll sein. Auch nach einer Impfung ist bei einem fraglichen Tollwutkontakt eine rasche medizinische Abklärung erforderlich: Die Wunde sollte sofort 15 Minuten mit Wasser und Seife gereinigt und anschließend medizinische Hilfe gesucht werden. Je nach Vorimpfung und Art des Kontakts ist eine Postexpositionsprophylaxe erforderlich.4

Rechtzeitige Beratung

Für die reisemedizinische Beratung empfiehlt sich ein Termin möglichst mehrere Wochen vor Reiseantritt. So bleibt ausreichend Zeit, den Impfstatus zu überprüfen, Impfserien zu beginnen und auch die allgemein empfohlenen Impfungen zu kontrollieren. Bei komplexen Reiserouten, Langzeitaufenthalten oder besonderen individuellen Risiken kann auch eine frühere Beratung indiziert sein.