SP 04|2011

Herausgeber: Univ.-Prof. Dr. Michael Musalek

Editorial

  • Sozialpsychiatrie heute – eine mehrdimensionale integrative Psychiatrie
    Wir unterscheiden heute zwischen verschiedenen Formen der Psychiatrie wie biologische bzw. somatologische Psychiatrie, psychotherapeutische Psychiatrie, psychoanalytische Psychiatrie, anthropologische Psychiatrie, daseinsanalytische Psychiatrie, Sozialpsychiatrie, vergleichende Psychiatrie, transkulturelle Psychiatrie, Ethnopsychiatrie, Liaisonpsychiatrie etc.
    Ohne Zweifel ist dem leider zu früh verstorbenen jahrzehntelangen Chefarzt der ...Weiterlesen ...

Focus: Sozialpsychatrie

  • Was macht Sozialpsychiatrie aus?

    In den vergangenen vier Jahrzehnten war Sozialpsychiatrie ein Synonym für eine ausgeprägte Umgestaltung der Psychiatrie, weg von den verwahrenden psychiatrischen Großanstalten hin zu dezentralen Diensten für die ambulante und stationäre Behandlung. Sozialpsychiatrie war dabei manchmal von großen Hoffnungen begleitet, wie z. B. dass psychische Erkrankungen künftig generell weniger chronisch und weniger behindernd verlaufen würden. Einige dieser Hoffnungen haben sich aber nicht erfüllt.

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  • Recovery und Sozialpsychiatrie

    Recovery ist nichts Neues. Schon immer hat der Begriff auf die eine oder andere Art und Weise zum medizinischen Diskurs gehört. In den letzten Jahren hat das Thema „Recovery bei psychiatrischen Erkrankungen“ jedoch eine rasante Dynamik erfahren, sind Kliniker, Gesundheits- und Versorgungsplaner, Politiker und Aktivisten, Manager und Wissenschaftler aktiv dabei, Recovery zum Ziel und Kernkonzept ihrer Anstrengungen zu machen. Wesentliche Einflüsse dieser aktuellen Entwicklung sind die konsistenten Ergebnisse von Langzeit-Follow-up-Studien und andere Erkenntnisse aus dem Bereich der wissenschaftlichen Sozialpsychiatrie einerseits, die gelungene Enthospitalisierung und Rückkehr der Patienten in die Gemeinden, die Entwicklung der Betroffenenbewegung sowie ein Sozialmodell der Behinderung mit Konzentration auf die Interaktion zwischen Umwelt und Individuum, auf Stärken und Ressourcen sowie die Bekämpfung der Stigmatisierung und soziale Inklusion andererseits.

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  • „Was können wir aus Antistigma-Kampagnen lernen?“

    Fünf Jahre nach Beendigung der Österreichischen WPA-Kampagne „Schizophrenie hat viele Gesichter“ zeigt ihre Evaluierung, dass in der Bevölkerung keine Veränderungen der gängigen Vorurteile gegenüber an Schizophrenie Erkrankten bewirkt werden konnten. Eine Kampagne reicht offensichtlich nicht aus, um tief verwurzelte Einstellungen zu beeinflussen, sodass zukünftige Anti-Stigma-Aktivitäten über einen langen Zeitraum durchgeführt werden sollten. Obwohl dieses Ergebnis nicht ermutigend erscheint, war diese weltweite WPA-Kampagne wichtig. Sie machte das Stigma im Bereich der Psychiatrie zum Thema und eröffnete den Zugang zu einigen, mit dem Stigma vergesellschafteten, neuen Facetten.

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  • Ambulante sozialpsychiatrische Versorgung

    Ein modernes sozialpsychiatrisches Versorgungssystem verfügt über regionalisierte, wohnortnahe, ambulante und stationäre Einrichtungen, die durch ein multiprofessionelles Team eine differenzierte, störungs- und bedarfsorientierte Diagnostik, Behandlung und Betreuung von Menschen mit psychischen Erkrankungen gewährleisten. Die einzelnen Versorgungskomponenten und Behandlungsleistungen sollen bedarfsgerecht, koordiniert und aufeinander abgestimmt für verschiedene Patientengruppen mit unterschiedlichen Betreuungsintensitäten angeboten werden.

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  • Integrationschancen psychisch Kranker in die Arbeitswelt

    Psychisch kranke Menschen sind massiv gefährdet, von Arbeits- bzw. Beschäftigungslosigkeit betroffen zu sein. Die frühzeitige Pensionierung von psychisch Erkrankten nimmt in Österreich epidemieartige Ausmaße an. In diesem Artikel wird gezeigt, dass es mit Hilfe geeigneter Rehabilitationsmaßnahmen gelingen kann, psychisch Erkrankten den (Wieder-)Einstieg ins Berufsleben zu ermöglichen. Es werden die heute gängigen fachlichen Ansätze von Arbeitsrehabilitation und nationale wie internationale Evaluationsergebnisse vorgestellt. Neben einer dem Bedarf entsprechenden Schaffung von gemeindenahen Arbeitsrehabilitationsangeboten sollte es Ziel der Bemühungen der Fachwelt sein, arbeitsrehabilitative Maßnahmen begleitend zu evaluieren, weiterzuentwickeln und sie den speziellen Bedürfnissen der Patienten anzupassen.

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  • Neue Perspektiven in der psychiatrischen Rehabilitation

    In vielen medizinischen Fachgebieten entwickelte sich in den letzten Jahrzehnten parallel zur  Akutversorgung die Rehabilitation als eigenständige Rehabilitationsmedizin. Medizinische Rehabilitation umfasst einen ganzheitlichen Ansatz, der über die Behandlung der Krankheit hinaus vor allem die  Beziehung zu Kontextfaktoren berücksichtigt, um einen bestmöglichen Rehabilitationserfolg im Sinne  einer Teilhabe am gesellschaftlichen und beruflichen Leben zu ermöglichen.

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  • Geschichte der Sozialpsychiatrie

    Die Geschichte der Sozialpsychiatrie ist eng verbunden mit allgemeinen Entwicklungen in der Psychiatrie. Sie ist gekennzeichnet durch besondere Beachtung der sozialen Umstände, in denen Menschen mit psychischen Störungen leben, die Auswirkungen dieser Umstände auf Entstehung, Auslösung und Verlauf psychischer Krankheiten. Gute psychiatrische Angebote können nur sozialpsychiatrisch ausgerichtet sein, wobei dies bedeutet, dass soziale, biologische und psychologischpsychotherapeutische Ansätze integrativ in das Behandlungsprogramm aufgenommen werden. Für viele herausragende psychiatrische Persönlichkeiten der Psychiatriegeschichte war dieser Ansatz immer bedeutend. Der forschungsmäßige Schwerpunkt der Sozialpsychiatrie ist noch relativ jung und muss von den anderen Ansätzen des biopsychosozialen Modells abgegrenzt werden.

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  • Von der Integration zur Inklusion

    Wenn heute im Diskurs über das soziale Miteinander der Begriff „Inklusion“ eine dominante Stellung eingenommen hat, dann ist dies keineswegs selbstverständlich. Denn einerseits findet diese dominante Stellung nur selten seine Entsprechung in den realen Gegebenheiten und andererseits ist diese begriffliche Hegemonie nicht von heute auf morgen entstanden, sondern ihr geht eine mehr als ein halbes Jahrhundert dauernde Entwicklung der politischen Willensbildung voraus.

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  • Leben mit psychischer Erkrankung – die Perspektive der Angehörigen

    Für uns als Angehörige ist das Leben von der psychischen Erkrankung eines Familienmitgliedes geprägt. Die Herausforderung ist, der Erkrankung den unbedingt notwendigen Raum zu geben, sie aber nicht zum alles bestimmenden Faktor in der Beziehung zum Sohn, Partner oder zur Mutter im gesamten Familienleben werden zu lassen. Es gilt neue Perspektiven, neue Lebensentwürfe zuzulassen, die eigenen Fähigkeiten und Grenzen, aber auch jene des Betroffenen zu erkennen, und ihnen gerecht zu werden.

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Kongress

Für die Praxis

  • Krisenintervention bei akuter Suizidalität

    „Selbstmord ist die Abwesenheit des Anderen.“

    Dieses Zitat von Paul Valery beschreibt einen wesentlichen Aspekt von Suizidalität, nämlich dass es sich meist um ein interaktionelles Geschehen handelt. Vermutlich trägt das Fehlen von Beziehungen häufig dazu bei, dass es zu suizidalen Handlungen kommt. Daher geht es sowohl in der Krisenintervention wie auch in der längerfristigen Behandlung zuallererst darum, eine tragfähige Beziehung zum suizidalen Menschen herzustellen. Nicht mehr weiterleben zu wollen soll dabei zunächst als möglicher und einsehbarer Impuls der menschlichen Psyche akzeptiert und nicht tabuisiert oder diskriminiert werden. Suizidalität ist immer ein Notsignal, das nicht überhört werden darf. Prinzipiell ist daher jede Suizidäußerung ernst zu nehmen.

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  • Wie viel Medikamenteninteraktion ist verträglich?

    Bipolare Patienten gehören zu einer Hochrisikogruppe für polypharmazieinduzierte Medikamenteninteraktion. Die Vielzahl an möglichen Kombinationen erlaubt keine erschöpfende Auflistung möglicher Wechselwirkungen. In diesem Artikel soll, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, ein Überblick über einige häufige und wichtige Interaktionen gegeben und Tipps zu deren Vermeidung vermittelt werden.

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Panorama

  • Chronobiologie und affektive Erkrankungen

    Störungen im zirkadianen Rhythmus haben folgenschwere Konsequenzen für die Gesundheit. Bei affektiven Erkrankungen zeigt sich eine chronobiologische Rhythmik einerseits im Auftreten spezifischer Symptome und andererseits kann es auch zu Abweichungen physiologischer Rhythmen kommen.

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