SP 02|2011

Herausgeber: Univ.-Prof. Dr. Michael Musalek

Editorial

  • Zur Zukunft der Psychiatrie
    Die letzte Jahrestagung der ÖGPP in Gmunden war dem Thema „Zukunft der Psychiatrie“ gewidmet. Dabei wurden die mannigfachen wissenschaftlichen und klinischen Möglichkeiten, nicht nur die in den letzten Jahren vordergründig genutzten, sondern auch jene, die sich heute durchaus zu Unrecht ...Weiterlesen ...

Focus: Organische Psychosen

  • Organische Psychosen: Überblick und Differentialdiagnosen

    Unter den organischen bzw. symptomatischen psychischen Störungen versteht man einen Symptomenkomplex von syndromatologischer Wertigkeit, dem äußerst unterschiedliche Ätiologien zugrunde liegen können. Dabei kommt es zu Störungen höherer kortikaler Funktionen, d. h. Störungen der lnformationsaufnahme und -verarbeitung sowie zu Folgestörungen. So betrifft dies vordergründig die kognitiven Funktionen mit Auswirkungen auf die Kontrolle des Verhaltens, des Antriebs sowie der Emotionen; Bewusstseinsveränderungen sind – müssen aber nicht – vorhanden sein, zudem oszillieren sie häufig in ihrer Intensität.

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  • Delir und Durchgangssyndrome

    Jahrelange Bemühungen, die „Sprache der Psychiatrie“ zu vereinheitlichen, führten nicht gerade zu einer Verarmung an Begriffen, wohl aber in bestimmten Bereichen zu Vereinheitlichungen. So ist das Durchgangssyndrom vom Delir abgelöst worden, was in Anbetracht der ätiologischen Vielfalt und der psychopathologischen Varianz eine grobe Vereinfachung eines Syndroms darstellt, sodass weitere Differenzierungen sicher notwendig werden. In der täglichen Praxis wird das Delirium („delirare – aus der Spur geraten“) irrtümlich sehr oft mit dem schweren Alkoholentzugssyndrom gleichgesetzt. Jenseits davon sind es weit häufiger „akute Verwirrtheitszustände“ unterschiedlicher Ätiologie, welche nunmehr an Stelle des Durchgangssyndroms oder ähnlicher Begriffe als Delir zusammengefasst werden.

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  • HIV-induzierte psychische Störungen

    HIV-induzierte psychische Störungen, die in jedem Krankheitsstadium der HIV-Infektion auftreten können, aber häufiger bei symptomatischen Patienten beobachtet werden, stellen eine zunehmend relevantere Herausforderung in der klinischen Psychiatrie dar. Aufgrund des Überlebensvorteils unter HAART ist künftig mit einer Zunahme der durch die Neurotropie des HI-Virus bedingten kognitivmotorischen, affektiven und schizophreniformen Störungen zu rechnen.

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  • Psychiatrische Störungen bei Epilepsie

    Psychiatrische Erkrankungen treten bei Epilepsiepatienten signifikant häufiger auf als in der Allgemeinbevölkerung. So findet man Depressionen bei 11-55%, Angststörungen bei 15-25%, Psychosen bei 2-8%, ein ADHD (Attention Deficit Hyperactivity Disorder) bei 10-40% und dissoziative Anfälle bei 1-10%. Die Suizidrate liegt bei 5-12%. Zudem ist die psychiatrische Komorbidität bei Epilepsien signifikant höher als bei anderen chronischen Erkrankungen. Dies lässt auf eine gemeinsame biologische Grundlage von psychiatrischen Erkrankungen und Epilepsien schließen1-4.

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  • Psychische Störungen bei Chorea Huntington

    Psychische Störungen bei Chorea Huntington gehören zum klassischen Erscheinungsbild der Erkrankung und können in allen Stadien vorkommen. Fast alle Patienten leiden zumindest einmal im Laufe der Erkrankung unter Depressionen, Angststörungen oder Aggressionen.

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  • Organische Psychosen aufgrund endokriner Störungen

    Endokrine Erkrankungen wie das Cushing-Syndrom, die Hyper- und die Hypothyreose sind als auslösende Faktoren organischer Psychosen, manchmal auch als zur Diagnose führende Manifestation dieser Erkrankungen bekannt. Wesentlich häufiger führt aber die Pharmakotherapie mit Glucocorticoiden, insbesondere bei der Verabreichung sehr hoher Dosen, zu psychotischen Symptomen. Darüber hinaus wird auch der Mangel an einer ganzen Reihe von anderen Hormonen mit dem Auftreten von Psychosen in Zusammenhang gebracht, so zum Beispiel Östrogene, Pregnenolon und Dehydroepiandrosteron. Dies hat zur Evaluierung dieser Hormone bei der Behandlung von Psychosen geführt.

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  • Bedürfnisgerechte Behandlung bei Demenz

    Der Prozess des Älterwerdens verläuft sehr individuell. Während sich Kinder noch sehr in ihrem Erleben und Verhalten ähneln, beginnt mit der Adoleszenz jeder Mensch auf seine Art älter zu werden. Wenn dann einer von zwei Partnern oder ein alleinstehender Mensch im hohen Alter beginnt, dement zu werden, so sind das individuelle Schicksale und Patient sowie Umgebung erleben und reagieren auf die Demenz sehr unterschiedlich. Es ist die sogenannte „ganzheitliche Medizin“, die den ganzen Menschen in seinem Lebenskontext mit der Berücksichtigung von Subjektivität und Individualität betrachtet.

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Kongress

  • [EPA 2012] Zur Wirksamkeit von Antidepressiva und Placebo

    Immer wieder wurde in den letzten Jahren die Wirksamkeit von Antidepressiva in Frage gestellt. Dem wesentlichen Aspekt der Langzeitwirksamkeit wurde in diesen Diskussionen freilich wenig Aufmerksamkeit geschenkt. „Was wir brauchen ist eine differenzierte Bewertung von Antidepressiva“, meinte Prof. Dr. Koen Demyttenaere im Rahmen des europäischen Psychiatriekongresses 2011.

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  • [ÖGPP 2011] Psychotherapie in der Psychiatrie

    Eine wirksame psychotherapeutische Behandlung ist problemspezifisch und phasenspezifisch zu sehen und entwickelt sich bei Patienten mit schweren psychiatrischen Erkrankungen meist vom Containing und Holding zur therapeutischen Beziehung und Konfliktverarbeitung. Der störungsorientierte Ansatz versucht sowohl eine spezifische Behandlung von klinischen Störungsbildern, als auch die erwähnten allgemeinen Wirkfaktoren im interpersonellen Kontext zu berücksichtigen. Eine Überprüfung der Wirksamkeit von Psychotherapien für einen optimalen Therapieerfolg ist notwendig, um effektiver und kostengünstiger behandeln zu können.

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  • [ÖGPP 2011] Kultur, Gesellschaft und Selbsttötung

    Suizidale Handlungen sind zwar in allen menschlichen Gesellschaften bekannt, jedoch unterscheiden sich die nationalen Suizidraten erheblich voneinander. Verschiedene interagierende soziale, ökonomische und biologische Faktoren können einen Teil der Varianz erklären. Nach einer Einführung in die Thematik werden Daten zum Zusammenhang zwischen gesellschaftlicher Anomie und den nationalen Suizidraten in Europa vorgestellt.

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  • [ÖGPP 2011] Umgang mit Traumatisierungen im CL-Dienst

    Stationäre Patientinnen und Patienten sind häufig mit Traumatisierungen belastet, die aus einem weiten Spektrum an Ursachen resultieren können. Im Umgang mit diesem Personenkreis im stationären Setting ist zu beachten, dass sich für die Betroffenen oft zusätzliche Belastungsmomente aus der medizinischen Behandlung ergeben. Die Zielsetzung, im Rahmen des Konsiliar- und Liaisondienstes zur psychischen Stabilisierung der betroffenen Personen beizutragen, ist daher besonders herausfordernd.

     

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Für die Praxis

Panorama

  • Ein Meisterwerk: Henry F. Ellenbergers „Entdeckung des Unbewussten“

    Von den Ahnen der dynamischen Psychiatrie, dem Schamanismus, der Seelsorge, dem Exorzismus, über die erste dynamische Psychiatrie – Magnetismus und Hypnotismus – zur modernen dynamischen Psychiatrie Janets, Freuds, Adlers und Jungs geht die Reise, die Henry F. Ellenberger in seinem Jahrhundertwerk unter dem Blickwinkel der historisch vergleichenden Psychotherapieforschung anstellt. Der Diogenes Verlag hat das lange vergriffene Opus Magnum von 1970 neu aufgelegt.

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