Rubrik: Gastartikel

  • Zufallsbefunde bei neurowissenschaftlichen Studien

    KONTEXT: Derzeit lässt sich eine geradezu atemberaubende Expansion neurowissenschaftlicher Studien beobachten, die der Wissenschaft und letztlich auch dem alltäglichen menschlichen Erleben zugutekommen sollen. Beginnend von rein wissenschaftlichen Erkenntnissen bis hin zu therapeutischen oder auch marktwirtschaftlichen Gesichtspunkten ist die Palette der zu erwartenden – oder jedenfalls erhofften – Einflussnahmen aufgrund neurobiologischer Untersuchungen breit gefächert. Dies kann bisweilen auch groteske Formen annehmen, als etwa gezeigt werden konnte, dass häufig allein schon durch das Hinzufügen von Screening-Bildern (PET, fMRT) zu Vorträgen oder öffentlichen Präsentationen von den HörerInnen oder LeserInnen eine größere Wissenschaftlichkeit und damit wohl auch Wahrheitsfähigkeit (immerhin wird gewöhnlich den Wissenschaften die Suche nach Wahrheit nachgesagt) unterstellt wird.

    Es ist wenig überraschend, wenn verstärkt auf – zumeist recht kostspielige – neurowissenschaftliche Studien abgestellt wird. Die bereits 1990 von George Bush sen. ausgerufene „Dekade des Gehirns“ hat sich längst über das Jahr 2000 hinaus als breiter Forschungsstrom etabliert und verfolgt ungebremst das Ziel der Entzauberung des Gehirns, korreliert mit Erwartungen und Hoffnungen im Hinblick auf Verbesserungen, Erweiterungen, Einflussnahmen (alles unter Enhancement subsumierbar) und Therapiemöglichkeiten. Dies kann und muss durchaus begrüßt werden, wenngleich zwischen formulierten Ansprüchen, erregten Zukunftshoffnungen und faktisch Realisierbarem kritisch zu unterscheiden ist. Unstrittig sind damit freilich auch große monetäre Gesichtspunkte im Blick, sowohl auf der Seite der Industrie (Pharma, Rüstung usw.) als auch auf der Seite von wissenschaftlichen Projektfinanzierungen (Drittmittel).

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