neuro 03|2012

Herausgeber: Österreichische Gesellschaft für Neurologie

Editorial

  • Editorial 3/12
    Zum ersten Mal darf ich Sie in meiner neuen Funktion als Präsidentin der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie begrüßen. Diese Aufgabe habe ich mit Freude und im Bewusstsein der damit verbundenen Verantwortung übernommen.
    Bei den bisherigen Präsidenten und Vorstandsmitgliedern der ÖGN, ...Weiterlesen ...

Focus: Schlafstörungen

  • Vorwort zum Schwerpunkt Schlafstörungen
    Schlafstörungen sind ein wichtiges gesundheitliches Thema, weil sie einerseits Befinden sowie Leistungsfähigkeit der PatientInnen massiv beeinträchtigen, andererseits auch zu Störungen der Gesundheit führen können.
    Die Häufigkeit der Schlafstörungen wird bei Erwachsenen in den Industrieländern mit über 20 % angegeben. Schlafstörungen ...Weiterlesen ...
  • Insomnien aus neurologischer Sicht

    Neurologische Krankheiten werden oft von Insomnien/Hyposomnien begleitet:

    Bei fast zwei Drittel der Parkinson-PatientInnen treten Schlaf-Wach-Störungen auf.

    Bei Demenzerkrankungen zeigen sich Abweichungen in der Schlafstruktur, die im Krankheitsverlaufzunehmen.u Schmerzbedingte Schlafstörungen sind z. B. bei Kompressionssyndromen und Neuropathien häufig.

    Bei neuromuskulären Erkrankungen führt vor allem die beeinträchtigte Atemfunktion zu Insomnien.

    Neben der Optimierung der Therapie der Grunderkrankung ist auf Zusatzmaßnahmen wie analgetische und antidepressive Medikation zu achten.

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  • Schlafapnoe und Kopfschmerz

    Morgendliche Kopfschmerzen stellen ein wichtiges klinisches Symptom des obstruktiven Schlaf-Apnoe-Syndroms (OSAS) dar.

    Die klinische Entität des „Schlaf-Apnoe-Kopfschmerzes“ erscheint nicht abschließend gesichert.

    Bei morgendlichen Kopfschmerzen handelt es sich um ein multifaktoriell bedingtes Symptom, das neben der schlafbezogenen Atemstörung auch von anderen neuropsychiatrischen Erkrankungen beeinflusst wird.

    Unter den primären Kopfschmerzformen ist der Clusterkopfschmerz mit dem OSAS assoziiert, und eine adäquate Therapie des OSAS führt möglicherweise auch zu einer deutlichen Verbesserung der Kopfschmerzsymptomatik.

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  • Schlaganfall und Schlafapnoe

    Schlafapnoe kann sowohl Ursache (z. B. unabhängiger Risikofaktor obstruktive Schlafapnoe) als auch Folge des Schlaganfalls (z. B. passagere zentrale Schlafapnoe) sein.

    Klinische Interviews sind bei SchlaganfallpatientInnen vor allem zur Evaluation schlafbezogener Atmungsstörungen nicht ausreichend. Im Sinne eines optimalen Risikofaktormanagements und einer erfolgreichen Neurorehabilitation sollte eine kardiorespiratorische Polygraphie und – vor allem bei hoher Komorbidität – eine Polysomnographie erfolgen.

    Da Komorbiditäten (kardiale Erkrankungen) und Medikamente (Opiate, Antispastika) eine Schlafapnoe verschlechtern können, ist zur Findung der optimalen medikamentösen, apparativen und Verhaltenstherapie eine interdisziplinäre Zusammenarbeit (Ärzte/Ärztinnen, Pflege und TherapeutInnen) dringend erforderlich.

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  • Schlaf und Epilepsie

    Nächtliche generalisierte tonisch-klonische Anfälle, aber auch multiple fokal-komplexe Anfälle führen ebenso wie der chronische epileptische Zustand (vor allem bei fokalen Epilepsien) zu einer Störung der Schlafarchitektur von EpilepsiepatientInnen.

    Subjektiv empfundene Schlafstörungen sind bei Epilepsien im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung 2–3-mal häufiger. Eine vermehrte Tagesmüdigkeit stellt die häufigste schlafbezogene Störung dar, ebenso ist die Prävalenz von obstruktiven Schlafapnoen (OSA) deutlich erhöht.

    Mögliche Mechanismen sind die Effekte von zentral dämpfenden Antiepileptika, Gewichtszunahme durch Antiepileptika und das Vorliegen eines polyzystischen Ovar-Syndroms.

    Eine OSA kann mit einer Exazerbation von Anfällen einhergehen, und umgekehrt kann die erfolgreiche Behandlung der OSA zu einer Verbesserung der Anfallskontrolle führen.

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  • Exzessive Tagesschläfrigkeit und Hypersomnie – Ursachen und Diagnostik

    Zu den häufigsten Ursachen von Hypersomnien zählen Schlafatmungsstörungen, Narkolepsie, das verhaltensinduzierte Schlafmangelsyndrom sowie Veränderungen im Schlaf-Wach-Rhythmus.

    Um exzessive Tagesschläfrigkeit und Hypersomnien richtig zu diagnostizieren, bedarf es zuallererst einer Einschätzung, ob es sich tatsächlich um ungewöhnlich starke Schläfrigkeit handelt oder eher um Müdigkeit oder Erschöpfungszustände.

    Zur weiterführenden Diagnostik und Behandlung der exzessiven Tagesschläfrigkeit und der Hypersomnien empfiehlt sich die Überweisung in eine schlafmedizinische Einrichtung.

    Zu den am häufigsten eingesetzten Verfahren zur Objektivierung der Tagesschläfrigkeit mit EEG-Methoden zählen der Multiple Schlaflatenztest und der Multiple Wachbleibetest.

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  • Update Restless-Legs-Syndrom (RLS)

    In den neuen International RLS Study Group-Diagnosekriterien, die in Vorbereitung sind, wird neben den 4 essenziellen Kriterien der Ausschluss von „Mimics“ gefordert.

    Levodopa wird wegen der hohen Augmentationsrate nicht mehr für die reguläre Therapie des täglichen RLS empfohlen.

    Eine 5-Jahres-Open-Label-Studie zeigte eine gute Wirksamkeit des Rotigotin-Pflasters.u Pregabalin und Gabapentin-Enacarbil werden als mögliche neue alternative Therapie des RLS diskutiert.

    Zu den Dopaminagonisten Rotigotin, Ropinirol, Pramipexol und zu Levodopa liegen inzwischen geeignete Daten vor, um das Auftreten von Augmentation besser beurteilen zu können.

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  • Parasomnien: Arousal- und REM-Schlaf-assoziierte Störungen

    Parasomnien stellen eine der 8 großen Gruppen der internationalen Klassifikation für Schlafstörungen dar und erfordern aufgrund des differenzialdiagnostischen Spektrums und Overlaps eine umfassende Abklärung, die über die Anforderungen der Standardpolysomnographie hinausgeht.

    In einigen Fällen sind zu ihrer Abklärung eine erweiterte EEG-Montage nach dem 10-20-System sowie eine Erweiterung der EMG-Kanalableitungen erforderlich.

    In den letzten Jahren brachte vor allem die Forschung zur REM-Schlaf Verhaltensstörung großen Wissenszuwachs.

    Für die Zukunft ist insbesondere die Frage von großem Interesse, welche PatientInnen mit der Diagnose einer idiopathischen RBD zur Risikopopulation für die Entwicklung einer neurodegenerativen Erkrankung zählen.

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  • Schlafstörungen aus psychiatrischer Sicht

    Nichtorganische und auch organische Schlafstörungen erhöhen das Risiko, psychische Symptome und Erkrankungen zu entwickeln, aufrechtzuerhalten oder zu aggravieren.

    Die für die verschiedenen psychischen Erkrankungen charakteristischen Veränderungen der Schlafparameter lassen sich polysomnographisch unterscheiden und sind ausschlaggebend für eine adäquate medikamentöse Behandlung.

    Das Auftreten von psychischen Symptomen ist häufig auch Folge von organischen Schlafstörungen wie schlafbezogenen Atmungsstörungen oder nächtlichen Bewegungsstörungen.

    Bei der medikamentösen Behandlung von Schlafstörungen ist es wichtig, die Wirkung unterschiedlicher Medikamente auf die peripheren Schlafvariablen zu kennen, um nicht eine andere Schlafstörung auszulösen oder zu verschlechtern.

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  • Über die Auswirkungen von Schlafstörungen auf die PartnerInnen

    Erst in den letzten 10 Jahren wurde in der Schlafforschung dem Einfluss der Bettpartner auf die Schlafqualität und -quantität mehr Aufmerksamkeit geschenkt.

    Wenn PartnerInnen getrennt schlafen, zeigen sie signifikant mehr Tiefschlaf und weniger REM-Schlaf, so eine Studie mit heterosexuellen Paaren.

    Männer bewegen sich im Schlaf mehr als ihre Partnerinnen, Frauen fühlen sich auch durch die Bewegungen ihrer Partner im Schlaf mehr gestört als Männer.

    Für das obstruktive Schlafapnoesyndrom liegen die meisten Studien zu Auswirkungen auf den/die PartnerIn vor, spezifische Effekte von Insomnien oder Restless-Legs-Syndrom sind noch weitgehend unklar.

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  • Behandlung von Schlafstörungen: Psychologische/psychotherapeutische Ansätze

    Für die nichtpharmakologischen Behandlung der primären Insomnie, aber auch der Hypersomnien stehen eine Reihe von wirksamen Ansätzen wie Schlafberatung, Entspannungsmethoden, Methoden zur Strukturierung des Schlaf-Wach-Rhythmus sowie spezielle psychotherapeutische Maßnahmen zur Verfügung.

    Insbesondere führt der Einsatz kognitiv-verhaltenstherapeutischer Strategien zu einer Verbesserung der Schlafqualität.

    Dabei stellt die Kombination kognitiver und behavioraler Therapieelemente eine Grundlage dar, um sowohl mittelfristige als auch langfristige Behandlungseffekte zu erzielen.

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Neurologie in Österreich

  • Zerebrale Korrelate psychotischer Syndrome bei neurodegenerativen Erkrankungen
    Psychosen sind als eine häufige Manifestation neurodegenerativer Erkrankungen und als zentrale Erscheinungen von Demenz bekannt, die meist den klinischen Verlauf verschlechtern. Sie umfassen Halluzinationen, illusionäre Verkennungen, aggressives Verhalten, Apathie und andere psychotische Phänomene, die in einem weiten Bereich degenerativer Prozesse ...Weiterlesen ...
  • Interaktion zwischen pathogenen Proteinen bei neurodegenerativen Erkrankungen
    Fehlerhafte Faltung und fortschreitende Aggregation spezifischer Proteine in ausgewählten Regionen des Nervensystems sind die wesentlichen Grundlagen vieler neurodegenerativer Erkrankungen und die Interaktion zwischen pathologischen/toxischen Proteinen als Ursachen der Neurodegeneration ein wichtiges Problem der aktuellen neurobiologischen Forschung.
    Trotz klinischer, genetischer und ...Weiterlesen ...
  • Erhöhte Prävalenz des Restless-Legs-Syndroms bei Kindern und Jugendlichen mit Migräne
    In der Juli-Ausgabe des Journals „Cephalalgia“ wurde eine Studie der Kopfschmerzgruppe der Universitätsklink für Kinder- und Jugendpsychiatrie Wien zum Zusammenhang zwischen Restless-Legs-Syndrom (RLS) und Migräne bei Kindern und Jugendlichen publiziert1 und vom Herausgeber als „Editor’s Choice“ hervorgehoben.
    Hintergrund: Die Prävalenz ...Weiterlesen ...

Kongress-Highlights

  • ESC 2012: 21st European Stroke Conference, Lissabon

    Die 21. Europäische Schlaganfallkonferenz wurde dieses Jahr Ende Mai in Lissabon abgehalten. Unter der Leitung der Schlaganfallmediziner Jose Ferro, Lissabon, und Michael Hennerici, Mannheim, trafen sich ca. 3.500 TeilnehmerInnen und hatten dabei die Auswahl von über 1.400 Vorträgen und Posterpräsentationen aus einem breiten Spektrum von Gefäßerkrankungen des Zentralnervensystems.

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  • Highlights vom Movement-Disorders-Kongress 2012 in Dublin

    Der diesjährige Movement-Disorders-Kongress fand von 17. bis 21. Juni in Dublin statt. Mit über 5.000 TeilnehmerInnen und 1.600 Posterbeiträgen war es der bislang größte Kongress der Movement Disorder Society. Am Kongress wurden einige interessante neue Studien zur medikamentösen und chirurgischen Parkinson-Therapie vorgestellt. Die Tagung bot in den zahlreichen Parallelsitzungen und Teaching-Seminaren wieder herausragende Fortbildung im Bereich häufiger und seltener Bewegungsstörungen. Schwerpunkte des folgenden Überblicks sind neue Aspekte in Genetik und Pathogenese des M. Parkinson und aktuelle Therapiestudien. Als Beispiel für neue Entwicklungen im Bereich anderer Bewegungsstörungen folgt ein kurzes Update zu den paroxysmalen Dyskinesien.

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  • ENS 2012: 21. Kongress der European Neurological Society, Prag

    Aktuelle Untersuchungen zur multiplen Sklerose, Neuromyelitis optica und Surfer-Myelopathie zählten zu den wissenschaftlichen Highlights, die beim diesjährigen Kongress der European Neurological Society (ENS) in Prag präsentiert wurden.

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Autonome Störungen

  • Neurogene orthostatische Hypotonie: eine Kurzübersicht
    Der neurogenen orthostatischen Hypotonie (NOH) liegt eine Störung der peripheren und/oder zentralen noradrenergen Neurotransmission zugrunde. Das Kardinalsymptom ist der unmittelbar nach posturaler Belastung einsetzende systolische und diastolische Blutdruckabfall. Dieser ist häufig mit einem nur unzureichenden reflektorischen Herzfrequenz­anstieg assoziiert. Das klinische ...Weiterlesen ...

Neurogeriatrie

  • Buchrezension: Verbesserung kognitiver Funktionen bei Depression
    Der Herbert Utz Verlag ermöglicht es, Dissertationen auch einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Nicole Szesny hat, in ihrer Dissertationsarbeit „Evaluation eines Aufmerksamkeitstraining zur Verbesserung kognitiver Funktionen bei depressiven Patienten unter besonderer Berücksichtigung der Funktion der Stresshormonachse“ (Ludwig-Maximilians-Universität München) ein wichtiges wissenschaftliches und auch klinisch relevantes Thema bearbeitet.
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Neuroimaging

  • Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJK) – ein Fallbericht

    Die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJK) zählt zu den Prionerkrankungen, die bei Mensch und Tier auftreten. Neuropathologisch sind sie durch spongiforme Veränderungen, astrozytäre Gliose, Neuronenverlust und Ablagerung der abnormen Form des Prionproteins charakterisiert. Die CJK des Menschen kommt als sporadische, genetische (familiäre) oder übertragene (iatrogene, vCJK) Form vor.

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Neuromuskuläre Erkrankungen

  • Hirayama-Erkrankung – seltene Form einer Motoneuronerkrankung

    Die Hirayama-Erkrankung (HE), auch bekannt als „non-progressive, juvenile spinal muscular atrophy of the upper limbs“, „brachial monomelic amyotrophy“ oder benigne fokale Amyotrophie, ist eine seltene fokale Motoneuronerkrankung, die eine Differenzialdiagnose zur ALS darstellt. Im Folgenden möchten wir diese doch wichtige Erkrankung kurz beschreiben.

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Neurorehabilitation

Schlafstörungen

  • Schlafstörungen bei PatientInnen mit zerebellärer Ataxie
    PatientInnen mit einer zerebellären Ataxie leiden unter variablen Kombinationen einer Gang-, Stand- und Extremitätenataxie, einer Störung der Okulomotorik und einer Dysarthrie. Es werden autosomal-dominante (z. B. spinozerebelläre Ataxien), autosomal-rezessive (z.B. Friedreich-Ataxie) und sporadische Formen (z. B. Multisystematrophie [MSA] vom Typ ...Weiterlesen ...

Schlaganfall

Schmerzmedizin

  • „Para“-neurologische Rückenschmerzsyndrome
    Rückenschmerzen gehören zu den häufigsten Beschwerden, von denen PatientInnen berichten. Die Lebenszeitprävalenz liegt hierorts zwischen 58 % und 85 %1. Die Ursachen sind vielfältig, die ätiologische Zuordnung ist nicht immer einfach. Obwohl RS langfristig grundsätzlich eine gute Prognose zeigen, führen sie häufig zu einer Arbeitsunfähigkeit und verursachen damit enorme volkswirtschaftliche Kosten. Nach 6 Wochen sind ca. 90 % wieder arbeitsfähig2, Schmerzfreiheit besteht aber nur bei 40–60 %.Weiterlesen ...